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rheinische ART 05/2015

Archiv 2015

PETER PAUL RUBENS 

Der Meister privat

 

Der barocke Malerfürst mit Geburtsort Siegen ist ein unerschöpfliches Reservoir für Kunst und Kuratoren. Nun ist im Antwerpener Rubenshuis eine Ausstellung mit ungewöhnlicher Sicht auf den Maler zu bewundern: Der Meister nur mit seinen Lieben – das gab es in der Tat noch nicht.

 

Peter Paul Rubens Porträt der Clara Serena Rubens, Öl auf Leinwand (Ausschnitt), 1616. Es ist ein Bild wie aus dem prallen Leben mit einem Kindergesicht von entwaffnender Direktheit. Diese Art von Darstellung war für das angehende 17. Jahrhundert untypisch. Rubens porträtierte seine Tochter Clara Serena (1611-1623) im Alter von etwa fünf Jahren. Sie stammt aus der Ehe mit seiner ersten Frau Isabella Brant. © Rubenshuis Antwerpen

 

Unter dem Titel „Rubens privat“ sind im Ex-Wohnhaus der Rubensfamilie 50 Werke versammelt, die den großen Künstler und seine Familie zeigen. Es sind die schönsten und intimsten Porträts, die Peter Paul Rubens (1577-1640) geschaffen hat. Er porträtierte Familie und Verwandte, und zum ersten Male kehren diese verblüffenden Bildnisse in das ehemalige Rubens´sche Refugium zurück.

 

Peter Paul Rubens  Bildnis des Sohnes Nikolas, 1619. Nikolas Rubens (1618-1655) ist der jüngste Sohn aus der Ehe mit Isabella Brant. Es zeigt ihn um 1619 im Alter von einem Jahr. Der Knabe ist mit einer Korallenkette geschmückt, Symbol für den Schutz des Kindes. Rubens hat für die Darstellung nur drei Farben verwendet: Weiße und schwarze Kreide, Rötel. © Rubenshuis Antwerpen

 

Glück und Stolz In den Kinderbildnissen spiegeln sich Elternglück, Stolz und eine unermessliche Liebe für den Nachwuchs. Zu den Höhepunkten der Ausstellung gehört das Porträt Rubens’ ältester Tochter, Clara Serena. Es zeigt ein entwaffnend entzückendes Mädchen, das zugleich sehr direkt und natürlich ist.

     Der Künstler konzentrierte seine ganze Aufmerksamkeit auf das kindliche Gesicht, das zum Schwerpunkt der Komposition wurde. Der Zuschauer wird mit einer "Nahaufnahme" konfrontiert, die durch den eindringlichen Blick der mandelförmigen Augen noch verstärkt wird. Als Rubens Clara malte, muss sie ungefähr fünf Jahre alt gewesen sein. 1623, mit zwölf Jahren, starb sie.

 

Michelangelo hielt die Porträtkunst für unbedeutend und auch Rubens hat als Künstler keine wirkliche Vorliebe dafür entwickelt. Dennoch war er einer der besten Porträtmaler seiner Zeit. Wie kein anderer konnte er in seinen Arbeiten Beweglichkeit und ein nahezu spürbares Gefühl von Anwesenheit entstehen lassen.

 

Peter Paul Rubens  Porträt der Isabella Brant, 1625. Isabella Brant (1591-1626) war die erste Frau des Malers, sie stand ihm für mehrere Gemälde Porträt. Das Ehepaar hatte drei Kinder, die Erstgeborene war Clara Serena. Isabella Brant starb im Alter von 36 Jahren an der Pest. © Rubenshuis Antwerpen

 

Ehrliche Werke Rubens’  intime Porträts waren nie dazu bestimmt, öffentlich gezeigt zu werden. Sie sind daher viel freier und experimenteller als die Bildnisse, die er kommerziell von einflussreichen Auftraggebern machte. Nichts an diesen Gemälden scheint idealisiert. Es sind außergewöhnlich ehrliche Werke, aus denen zugleich viel Zuneigung spricht.

     Wo Hunderte Briefe von seiner Hand kaum etwas über sein Gefühlsleben erzählen, verdeutlichen die Familienporträts auf eine ganz besondere Art, was er für seine Familie empfand. Eine der einzigartigen Eigenschaften von Rubens’ Familienbildern aus menschlicher Sicht ist die Rolle, die mimische Kommunikation spielt. Es sind die Augen und die Blicke, die die Porträts dramatisieren. Fast alles, was der „Prinz der Maler“ zu erzählen hat, vermittelt er durch die Art, auf die Menschen schauen, und durch das, was sie und der Betrachter sehen.

 

Peter Paul Rubens  Le Chapeau de Paille (Porträt von Susanne Fourment), Öl auf Holz  um 1625. Die Porträtierte ist die Schwägerin des Malers. Rubens heiratete 1630 die erst 16 Jahre alte Hélène Fourment (1614-1673). Sie war die jüngste Schwester von Susanne Fourment, die drei Jahre nach der Fertigung des Porträtbildes mit 29 Jahren verstarb. © Rubenshuis Antwerpen/ National Gallery, London

 

Parade der Meisterwerke Neben einem Selbstbildnis bringt "Rubens privat" eine Parade von Meisterwerken, wie das wunderschöne, meditative Abbild seines geliebten Bruders Philip, gezeichnete und gemalte Porträts seiner beiden Ehefrauen Isabella Brant und Hélène Fourment, und Bildnisse seiner Kinder.

     Die früh verstorbene Gattin Isabella war 17 Jahre lang Rubens’ große Liebe und Stütze. Aus dem Porträts  blickt eine junge Frau mit roten Wangen und leuchtenden Augen. Sie scheint fast Licht zu geben, so strahlend wirkt sie. So kann man nur malen, wenn man sich in der Gegenwart des anderen völlig unbefangen und wohl fühlt. Vier Jahre nach Isabellas Tod heiratete Rubens die 17-jährige Helena, das „schönste Mädchen von Antwerpen“. Mit ihr erlebte er eine zweite Jugend und bis zu seinem Tod sollte Isabella eine wichtige Quelle seiner Inspiration bleiben.

 

Peter Paul Rubens. Selbstbildnis © Rubenshuis Antwerpen, Foto: Toerisme Antwerpen/ Tourismus Flandern-Brüssel

 

Andenken Hauptmotiv der Porträtmalerei war und ist das Andenken. Die Abbildungen, die Rubens von seinen engsten Verwandten fertigte, illustrieren das existenzielle Bedürfnis des Künstlers, seine Lieben in Farbe fortleben zu lassen.

     Genau wie Leonardo da Vinci war Rubens der Ansicht, dass Porträts Schönheit bewahrten, die sonst durch die Natur und die Zeit vernichtet würde. Beide Künstler sahen ein Porträt erst als gelungen, wenn es zeigte, was durchweg als unsichtbar und unfassbar gilt: das innere Leben oder den Charakter der porträtierten Person.

bra

 

Die Ausstellung „Rubens privat. Der Meister porträtiert seine Familie“ wird bis zum 28.6.2015 gezeigt.

Rubenshuis

Wapper 9-11

B-2000 Antwerpen

Tel. +32 / 3 201 15 55

Öffnungszeiten

DI-SO  10-17 Uhr

 

 


 

 

 

 

 

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