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rheinische ART 08/2021

KULTURERBE
UNESCO adelt Limes


Die Ernennung des "Niedergermanischen Limes" – der den Rheinlauf zwischen Remagen und Nordseeküste bei Katwijk aan Zee nachzeichnet – zum UNESCO-Weltkulturerbe, ist ein überaus erfreulicher Vorgang.

 

Symbol römischer Macht und Kultur: Rekonstruktion der Stadtmauer von Colonia Ulpia Traiana (Xanten). Die etwa 73 Hektar große römische Siedlung zählte rund 10.000 Einwohner und war eine der zentralen Städte der Provinz Niedergermanien. Ihre militärischen Elemente waren Teil der Bewerbung um Aufnahme in das UNESCO-Weltkulturerbe. Foto: Axel Thünker DGPh © LVR-Archäologischer Park Xanten

 

Die Entscheidung über die Verleihung des Welterbestatus war am 27. Juli 2021 bei der UNESCO gefallen. Die Bewerbung bei der „Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation“ war ein gemeinsames Vorhaben der federführenden Niederlande und der Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

 

Der Hafentempel im LVR-Archäologischen Park Xanten. Foto: Axel Thünker DGPh © LVR-Archäologischer Park Xanten

 

Der Limes, die Außengrenze des römischen Imperiums, ist das größte lineare Bodendenkmal in Europa. Hadrianswall und Antoninuswall in Großbritannien sowie der Obergermanisch-Raetische Limes in Deutschland sind bereits Teil der 1987 anerkannten transnationalen UNESCO-Welterbestätte „Grenzen des Römischen Reiches“. Fast zeitgleich mit dem Limes am Niederrhein wurde nun auch der Donaulimes mit dem Prädikat des Weltkulturerbes ausgezeichnet. 

     Der Niedergermanische Limes bestand zwischen 15 vor und circa 450 nach Christus und gehört damit zu den frühesten Grenzsystemen des Römischen Reiches und gleichzeitig zu den am längsten gehaltenen Grenzabschnitten.

     Entlang der 385 Kilometer langen am Rhein entlang laufenden Flussgrenze des Niedergermanischen Limes reihten sich zahlreiche Kastelle, Wachttürme und Legionslager auf. Archäologische Überreste gibt es im Rheinland in insgesamt 19 Kommunen; diese gehören zu den bedeutendsten Denkmälern des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Daraus entstanden sind bedeutende Städte und vielfältige Kulturlandschaften. Sie prägen die Region am Rhein noch heute und sind touristisch hochfrequentierte Orte. Allein drei herausragende Bodendenkmäler befinden sich auf dem Kölner Stadtgebiet.

Reste des Praetoriums unter dem Spanischen Bau des Kölner Rathauses. Foto © Rheinisches Bildarchiv Köln

 

Allen voran das Praetorium, die Residenz der Statthalter der Provinz Niedergermanien. Der Palast gehört nach Angaben der Stadt Köln zu den am besten erforschten und erhaltenen Anlagen seiner Art im gesamten Römischen Imperium.
     Charakteristisch für den Niedergermanischen Limes ist der komplette Verlauf entlang des Rheins, der damit zu einer „nassen Grenze“ wurde. Das unterscheidet ihn von den bisher als Welterbe anerkannten Limes-Landgrenzen. Der Fluss war stets für feindliche Heerscharen ein beträchtliches Hindernis. Dies war der Grund, dass die Römer am Strom keine Wallanlagen errichteten, sondern ihre Legionslager und Kastelle in Flussnähe anlegten.

     Einer Perlenschnur gleich bildeten die Militärstützpunkte ein in sich geschlossenes System mit allen Arten von Militärbauten, vom Wachturm und Hilfstruppenkastell bei Rigomagus (Remagen) über großdimensionierte Legionslager in Bonna (Bonn) und Novaesium (Neuss), die spätantike Festung Divitia (Köln-Deutz) bis zu Manöverlagern wie denen in Uedem-Hochwald. Zu den römischen Spuren gehören am Limes neben Militäranlagen zahlreiche Heiligtümer, Statuen und vielfach in Museum präsentierte Alltagsgegenstände.

 

Kastell Divitia (Köln-Deutz) diente im 4. Jahrhundert als rechtsrheinischer Vorposten im Limes-System gegen die Germanen. Darstellung einer Rekonstruktion. Foto © Rheinisches Bildarchiv


„Entlang des Rheins entwickelten die Römer Kastelle und Siedlungen, aus denen große Städte wie Köln, Bonn und Nijmegen erwachsen sollten", wird die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission, Maria Böhmer, anlässlich der Titelverleihung zitiert. „Ihr Aufblühen verdanken sie der Tatsache, dass der Limes nicht der Abschottung, sondern immer auch dem Austausch zwischen Rom und seinen Nachbarn diente."

 

Buchcover "Limes" Greven Verlag Köln

 

Limesverlauf in Köln, Severinskirchplatz. Foto © Volker Döhne Bildquelle „Limes“ Greven Verlag Köln 2018

 

Verkehrsader für den Limes war auf deutscher Seite die überwiegend schnurgerade angelegte römische Reichsstraße entlang des Rheins, auf der heute in großen Teilen die Bundesstraße 9 verläuft.

     Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die Arbeit des Fotografen Volker Döhne (*1953), einst Schüler bei Bernd Becher (mehr) an der Düsseldorfer Kunstakademie. Er hatte den Limes-Abschnitt vom einstmaligen Bonner Bundeskanzleramt bis zur niederländischen Grenze in den Jahren 1993 und 1994 fotografiert.

     Der Fotowerk aus dem Kölner Greven Verlag zeigt die Verkehrs- und Wohlstandsachse durch das antike Niedergermanien einmal neuzeitlich aus künstlerisch-dokumentarischer Sicht (mehr).

 

Geschaffen wurde damit ein höchst interessantes Bilder-Dokument, das die antike Limesstrecke zwischen Bonn und Xanten als eine Abfolge von schwarz-weißen Bildern der Neuzeit erlebbar macht. Manches Motiv könnte auch schon vor 50 Jahren abgelichtet worden sein, wäre da nicht die moderne Technik im Bild. Es ist wie ein Blick in ein altes Schaufenster, dabei stilistisch unverkennbar mit der Handschrift der berühmten Düsseldorfer Fotoschule.

 

Limesverlauf in Bonn Adenauerallee. Foto © Volker Döhne Bildquelle „Limes“ Greven Verlag Köln 2018


Die Aufnahme des Niedergermanischen Limes ins Weltkulturerbe schließt eine Lücke zwischen zwei bereits geschützten Abschnitten - dem Obergermanisch-Raetischen Limes sowie dem britannischen Limes mit Hadrians- und Antoniuswall.
rART/K2M


Literaturhinweis
LIMES. Grenzgänge eines Fotografen von Bonn bis Xanten
Volker Döhne (Fotografien)/ Steffen Siegel, Marcus Trier (Text)
Greven Verlag Köln
192 Seiten mit 420 Abbildungen
Gebunden, 28 x 21 cm
ISBN 978-3-7743-0699-8

 

 

 

 

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