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rheinische ART 05/2015

Archiv 2015

ACHENBACH-SAMMLUNG

Auktionsreigen mit Affen

 

Rund ein Jahr nach der Inhaftierung des Kunsthändlers Helge Achenbach kommt seine Kunstsammlung unter den Hammer. Das „Händlerinventar“ des Düsseldorfers umfasst mehr als 2.500 Kunstwerke. Sie gehören zur Insolvenzmasse der einstigen Achenbach Kunstberatung GmbH.

 

Jörg Immendorff Komm Jörch wir gehen, Bronze, grünschwarzpatiniert, ca. 205 x 145 x 150cm, Los-Nr. 42, Schätzpreis 25.000 - 35.000 Euro. Foto © Van Ham Köln. Interpretationshilfe: Der Künstler Immendorff als Affe an der Hand des großen Meisters Joseph Beuys

 

Die Auktionserlöse sollen zur teilweisen Befriedigung von Gläubigeransprüchen in Höhe von vermutlich 40 Millionen Euro dienen.
     Helge Achenbach (63), der in der Branche gerne als großer Netzwerker, weniger elegant auch als Filou, Schlitzohr oder Tausendsassa tituliert wurde, war wegen Millionenbetrug an vermögenden Auftraggebern im März 2015 zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Gegen das Urteil wurde Revision eingelegt. Der Kunsthändler, einst Deutschlands prominentester Art-Consultant, sitzt seit Juni 2014 in Untersuchungshaft. Er hatte nicht nur mit Kunst gehandelt, sondern als Autoverkäufer auch mit Oldtimern. „Der tollkühne Händler und seine fahrenden Kisten“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) soll allein bei diesem Business dem verstorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht einen Schaden von 14 Millionen Euro zugefügt haben. Der Achenbach-Fall ist nach dem Kunstfälscher Beltracchi und dem Gurlitt-Kunstfund der dritte spektakuläre Vorgang auf dem Kunstmarkt. Ein Markt, der wie die Neue Zürcher Zeitung befand, "...längst zur Spielbank grosser Summen geworden" ist.

 

Achenbach Art Auction Jetzt wird die von Achenbach in Jahren zusammengetragene Sammlung  - ausschließlich zeitgenössische Kunst -, die wie sein Vermögen monatelang eingefroren war, zu Geld gemacht.

     Die Kollektion biete in toto, nach Ansicht des Handelsblatt, „ein Füllhorn an Offerten“, die „in ihrer …Breitenwirkung eine ähnliche Rolle spielen [könnten] wie seinerzeit der Kauf von Aktien der Deutschen Telekom.“ Nur mit mehr Gewinnaussichten, so das Wirtschaftsblatt weiter.

     Denn an Künstlern ist so gut wie alles vertreten, was Rang und klagvollen Namen hat: von Georg Baselitz und Joseph Beuys über Gerhard Richter bis Wolf Vostell und Andy Warhol. Die Rheinische Post sieht gar „große Künstler zu kleinen Preisen im Angebot“ – und dies nicht zu unrecht. Die Anfangspreise reichen von wenigen hundert Euro – etwa für frühe Ruff-Portraitfotografien – bis zum 120.000 Euro für ein graues Kissenbild mit dem Titel „Trampolin“ von Gotthard Graubner (mehr) aus dem Jahre 1971.

 

Gerhard Richter Ohne Titel, 2008, Öl über Offset,  29 x 20,6cm, Los-Nr. 94, Schätzpreis 40.000 - 60.000 Euro. Foto © Van Ham Köln

 

Gotthard Graubner Trampolin, 1971, Gaze, Zellwolle, Nylonfaden, 206 x 204cm,
Los-Nr. 36, Schätzpreis 80.000 - 120.000 Euro.
Foto © Van Ham Köln

 

Kunst-Schwerpunkte in der Insolvenzmasse bilden unter anderem Arbeiten der Düsseldorfer Fotokünstler Thomas Struth, Candida Höfer und Thomas Ruff. Daneben auch über 90 gegossene Bronze-Affen von Düsseldorfs Maler- und Bildhauerlegende Jörg Immendorff, zu Lebzeiten vornehmlich enger Freund und Geschäftspartner von Achenbach.

     50 Prozent der Werke, teilt der Auktionator mit, sind Unikate, zu denen Gemälde, Zeichnungen und Aquarelle zählen. Der Bereich Graphik nimmt rund 22 Prozent der Versteigerung ein, während die Objekte, zu denen die Bronzen, Plastiken und Installationen zählen, etwa 16 Prozent der Auktion ausmachen. Die Photographien stellen einen Anteil von 12 Prozent.

 

Die Auktionshämmer werden in Düsseldorf, Köln und London geschwungen. Diese Aufteilung in einen nationalen und internationalen Versteigerungsteil ist Vorgabe des Insolvenzverwalters Marc d`Avoine.

     Den Großteil der Kunstwerke aus der sogenannten „Achenbach Collection“ wird das Kölner Auktionshaus Van Ham versteigern. Den mehrtägigen Auktionsreigen bewerten die Van Ham-Spezialisten als die vermutlich umfangsreichste Versteigerung zeitgenössischer Kunst, „die je in Deutschland durchgeführt wurde.“

     Aufgrund des Umfangs und der Struktur der Sammlung wird der Achenbach-Ausverkauf in Deutschland in zwei Teilen vorgenommen.


Lager-Verkauf Teil 1 und damit der Start findet am 17. Juni in Düsseldorf statt, wo an drei Auktionstagen mit etwa 2.300 Kunstwerken der größte Teil der Achenbach-Bestände aufgerufen werden soll. Fachleute taxieren den damit erwarteten Erlös auf drei bis dreieinhalb Millionen Euro.

    Ausstellungs- und Auktionsort ist das ehemalige Lager der Achenbach Kunstberatung GmbH im Industriegebiet von Düsseldorf-Heerdt und das benachbarte Atelier des Fotografen Thomas Ruff.

 

Ehemaliges Atelier Thomas Ruff in Düsseldorf. Location für die Vorbesichtigung und Achenbach Art Auction am Standort Düsseldorf. Foto © Van Ham Köln

 

Angeboten werden Gemälde, Grafiken, Fotografien und Videos. Daneben auch die in vier Größen offerierten berühmten bronzenen Affenskulpturen von Jörg Immendorff, dem derzeit gerade die Fondation Maeght an der Côte d´Azur die erste Retrospektive in Frankreich ausrichtet (mehr). Die Affen-Preise orientieren sich an der Objektgröße: als Tischfigur etwa von 15 Zentimeter Höhe bis zur Zwei-Meter-Größe werden Preise von 1.500 bis 35.000 Euro aufgerufen.

 

Kölner Abend Es folgt Teil 2 am 20. Juni, eine Abendauktion mit rund 150 besonders wertvollen Exponaten, in den Van Ham-Stammräumen in Köln. Zu den Highlights gehören die Werke von Künstlern der Extraklasse wie Georg Baselitz, Lucio Fontana, Imi Knoebel, Markus Lüpertz, Jonathan Meese, Gerhard Richter und Andy Warhol. Als Top-Lose der Achenbach Art Auction gelten neben Graubners „Trampolin“ Günther Förgs Acryl-Gemälde „Ohne Titel“ von 1999 mit einem Schätzpreis von 40.000 – 60.000 Euro, ebenso wie Imi Knoebels dreiteiliges Werk „Sandelholz“ von 1997. Auch die drei Arbeiten von Gerhard Richter aus 2008 sind jeweils mit 40.000 – 60.000 Euro angesetzt.

 

Thomas Struth Avenida Tiradentes, Sao Paolo, 2001, C-Print 136 x 172,6cm, Los-Nr. 106, Schätzpreis 20.000 - 30.000 Euro. Foto © Van Ham Köln

 

Für beide Versteigerungen zusammen schätzt Van Ham-Geschäftsführer Markus Eisenbeis die Verkaufserlöse auf bis zu 4,5 Millionen Euro. Die Vielfalt der Objekte und die unter Umständen kleinen Preise für große Namen lassen nach Einschätzung des Auktionshauses für beide Orte einen großen Andrang auch von nicht auktionserfahrenen Kunstinteressierten erwarten.


London Die absoluten Top-Lose, die unter die Kategorie „hochpreisig“ fallen, und dies dürften etwa 50 bis 60 sein, werden schließlich vom renommierten Londoner Auktionshaus Sotheby´s ab dem 2. Juli einem interessierten internationalen Publikum schmackhaft gemacht. Bei Sotheby´s werden dann Werke unter anderem von Gerhard Richter, Peter Doing und Tony Cragg zum Verkauf aufgerufen.

     Insgesamt biete, so Van Ham, das Angebot der Achenbach Art Auction eine große Bandbreite von Graphik über Skulpturen, Photographien und Videos bis hin zu zahlreichen großformatigen Leinwänden. Das breite Spektrum spiegele sich auch in den Schätzpreisen von wenigen hundert Euro bis in den hohen fünfstelligen Bereich wider – so dass bei den Auktionen für jeden etwas dabei sei. Man könnte auch sagen: Es gibt Achenbach für alle.

Claus P. Woitschützke

  

Die Auktionen:

Düsseldorf (Teil 1)

Vorbesichtigung 12. bis 16. Juni,

Auktion 17., 18. und 19. Juni 2015

Köln (Teil 2)

Vorbesichtigung in der Van-Ham-Zentrale 12. bis 19. Juni 2015

Auktion 20. Juni 2015

Nachtrag: Die viertägige Auktion in Düsseldorf und Köln mit rund 2.300 Losen erbrachte 6,5 Mio Euro. Es soll die größte Auktion zeitgenössischer Kunst in Deutschland gewesen sein.

 

London

Sotheby´s Tagesauktion mit Achenbach-Kollektionsteilen aus der Insolvenzmasse am 2. Juli 2015

 

 


 

 

  

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