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rheinische ART 04/2015

Archiv 2015

WIM WENDERS
Photographisches im Laufe der Zeit

 

Eine weniger bekannte aber interessante Seite des preisgekrönten Regisseurs Wim Wenders beleuchtet das Museum Kunstpalast in der Landeshauptstadt. Zum 70. Geburtstag des gebürtigen Düsseldorfer Filmemachers stellt das Museum rund 80 großformatige Fotografien, darunter frühe Schwarz-Weiß-Aufnahmen und monumentale Landschaftspanoramen der letzten Jahre, aus.

 

Wim Wenders, Photo: Peter Lindbergh, 2015

 

Wim Wenders ist durch Kinofilme wie „Der Himmel über Berlin“, „Pina“ oder letztlich „Das Salz der Erde“ über den brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado (mehr) international bekannt.

     Es gibt jedoch auch eine andere Seite des Regisseurs, der offen bekennt: „Die photographische Arbeit ist die andere Hälfte meines Lebens.“ In der Tat, Wim Wenders ist nicht allein Regisseur sondern, genau genommen Drehbuchschreiber, Photograph und Autor!

 

Wim Wenders Wyeth Landscape (2000), Museum Kunstpalast Düsseldorf. Photo ©Wim Wenders. Die Motivwahl bezieht sich auf den realistischen US-Landschaftsmaler Andrew Wyeth (1917-2009), der die "versteckte Melancholie" von Menschen und Landschaften vorzugsweise seiner Heimat Pennsylvania portraitierte, so die New York Times

 

Schau-Plätze Bereits seit Jahrzehnten entsteht ein von seinen filmischen Arbeiten unabhängiges photographisches Werk: Aufnahmen von einsamen, manchmal skurril wirkenden Orten und Landschaften, von „Schau-Plätzen“ mit eigenen Geschichten. Zum Teil sind es Motive, die Wenders bei der Drehortsuche für seine Filme fand, teils sind die Aufnahmen Ausdruck einer eigenständigen photographischen Zielsetzung. Zwei Aspekte fallen bei einem Blick auf Wenders Schaffen auf.

 

Installationsansicht der Ausstellung Wim Wenders 4 REAL & TRUE 2. Photo © rART

 

Zum einen: Der Photograph Wenders pflegt einen Hang zu Traditionen. Er photographiere, so betont Kunstpalast-Direktor und Kurator Beat Wismer mit Blick auf die Schau, nach wie vor analog und verzichte auf jegliche Bildbearbeitung. Denn anders als der Filmemacher greife der Photograph Wenders nicht auf die modernen technischen Möglichkeiten der Fotobranche zurück.

     Seine Bilder, für die er die Schreibweise „Photographien“ bevorzugt als Ausdruck des Zusammenspiels von Licht (phos) und Malen (graphein), entstehen nicht digital sondern traditionell analog, ohne Kunstlicht, ohne Stativ. Doch mit dem "Ph" statt des "F" in der Schreibweise möchte Wenders noch anderes ausdrücken.

     Nach seinen Worten ist die "Ph"-Schreibweise identisch mit dem frühen dokumentarischen Verständnis der Photographie. Das heutige gebräuchliche "F" in der Fotografie meint in seinen Augen, mit der Kamera Visionen, neue Welten zu schaffen, die es real nicht gibt. Die Kamera sei heute des Künstlers Pinsel, eine Form moderner Malerei. Er aber lege Wert darauf - so ein tiefenentspannter Wenders anlässlich eines Pressegesprächs - dass das, was er im Augenblick, wo der Auslöser klickt, von der Welt auf ein Photo bannt, das Geschaute so festgehalten wird, wie die Welt in dem Moment tatsächlich ist. Seine Bilder zeigen "Wahrheiten".

 

Wim Wenders Joshua and John (behind), Odessa, Texas, 1983, C-Print, 125 x 170 cm, Photo © Wim Wenders / Courtesy Blain | Southern


Zum anderen: Der „Augenmensch“ Wenders suchte, fand und verarbeitete schon immer ungewöhnliche Motive, Landschaften oder Orte. Dagegen kaum Personen. Er photographiere nur sehr selten Menschen, da Personen die Aufmerksamkeit des Bildbetrachters immer auf sich lenken. "Ich photographiere mit großer Begeisterung Orte. Und zwar, weil sie so viel über uns Menschen zu erzählen haben, wenn man sie mal erzählen lässt."

     Das mit den Orten durchzieht sein künstlerisches Leben. Beispiel 1976: Vor rund 40 Jahren drehte Wenders den Schwarzweißfilm „Im Laufe der Zeit“ als letzten Teil einer Road-Movie-Triologie. Die in Cannes ausgezeichnete Arbeit war Wenders Film-Debüt auf dem Festival; ein 175 Minuten langer Streifen, der zu einem der Kultfilme der Siebzigerjahre avancierte.

     Es ist die Geschichte einer „lyrischen“ Möbelwagen-Reise vom Elbufer im Wendland (mehr) in Niedersachsen nach Hof in Bayern, entlang der innerdeutschen „Zonengrenze“. Es ist die Erkundung eines Niemandslands. Von der ZEIT wurde das Filmwerk als Komposition von „großer Poesie und technischer Perfektion“ gefeiert, es fesselt mit Szenen einsamer, öder, verlassener und rückständig wirkender Landschaften und Orte.

 

Wim Wenders Dust Road in West Australia, 1988, C-Print, 178 x 447 cm, Photo © Wim Wenders / Courtesy Blain | Southern

 

Szene aus Wim Wenders (Drehbuch, Regie) Im Laufe der Zeit (1976), Schwarz-Weiß, 175 Min.; Fotoquelle: FilmGrab

 

Es sind Bilder eines seinerzeit fast unbekannten Deutschlands: Grenzland, Zonenrandgebiet, Eiserner Vorhang, sterbendes Land. Mit Orten ohne Busanbindung, einfachen Dorfläden, schummrigen Lichtspieltheatern, Landärzten und Landflucht. Gegenüber lag das andere Deutschland, Ostzone, Zone oder in der noch amtlichen Terminologie die SBZ, die Sowjetische Besatzungszone. 

     Der Regisseur vermittelt eine Art von Trauer über verlorene Traditionen und zunehmende Entfremdung. Die wortkargen Protagonisten des Films, der ambulante Kinotechniker Bruno alias „King of the Road“ (Rüdiger Vogler) auf der Suche nach defekten Projektoren in einer sterbenden Provinzkino-Landschaft und der lebensmüde Kinderpsychologe Robert, Rufname „Kamikaze“ (Hanns Zischler), tun ein Übriges zur Szenerie. 2014 photographierte Wenders die ehemaligen Drehorte an der Elbe von der "anderen" Seite, von der Festungsstadt Dömitz aus und fand die trostlose Ostnostalgie noch in Wittenberge. 

 

Wim Wenders Open Air Screen, Palermo (2007), C-print, 178 x 205 cm, Museum Kunstpalast Düsseldorf. Photo ©Wim Wenders

 

Wim Wenders Yellow Bus, Uluru, 1977, C-Print, 124 x 163 cm, Photo © Wim Wenders / Courtesy Blain | Southern

 

Wim Wenders schuf mit „Im Laufe der Zeit“ eine Liebeserklärung an die Kunstgattung Film und an Orte, die vom Verschwinden bedroht sind oder ihre Identität zu verlieren drohen. Diese Einstellung zu den Dingen hat er sich in der Photographie bis heute bewahrt. Bizarre Plätze, fast menschenleere Orte, manchmal rau oder irreal wirkende Szenen, Weite, Stille, Endlosigkeit. Seine "Schauplätze" fand er in den USA, in Japan wie in Deutschland und anderen Ländern. Fast 400.000 Kilometer ist er mit seinen beiden Kameras gereist. Immer allein und immer bereit zur Begegnung.

 

Film / Photo  In seinen Filmen erzählt der Regisseur Wenders Geschichten, in seinen Aufnahmen lässt der Photograph Wenders die Bilder selbst ihre Geschichten erzählen. Seiner Auffassung nach tragen „Landschaften und Orte das Bedürfnis in sich, erzählt, festgehalten und weitergezeigt zu werden“.

     Wie man sie findet? „Wenn man viel unterwegs ist, wenn man gern umherstreift, um sich zu verlieren, kann man an den merkwürdigsten Orten landen.“ Es sei wohl eine Art eingebauter Radar, so stellt der Photograph Wenders fest, „… der mich oft in Gegenden führt, die entweder sonderbar ruhig oder auf eine ruhige Art sonderbar sind.“ Was früher zweifarbig auf Filmstreifen gelangte, zeigt sich heute mehrfarbig in Photoserien. Der Blick ist geblieben.
Claus P. Woitschützke

 

Die Ausstellung „Wim Wenders. Landschaften. Photographien.     4 REAL & TRUE 2“  wurde bis zum 30.08.2015 verlängert.

Museum Kunstpalast
Kulturzentrum Ehrenhof Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf
Tel. 0211 / 566 42 10
Öffnungszeiten
DI - SO 11 - 18 Uhr
DO bis 21 Uhr

 

 

  


  

LOST

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SANDRA 

ACKERMANN

 

24.03. - 06.05.2017
 

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