rheinische ART
Start | | Über uns | Kontakt | Impressum | Anzeigen/Banner

rheinische ART 11/2015

DAS BILD WURDE AUS 

©GRÜNDEN ENTFERNT.

 

 

August Sander porträtierte 1926 seinen Sohn mit dem typischen ernsten "Erich-Blick", den Kopf leicht nach vorn gebeugt. Nicht von ungefähr hatte Erich Sander seine linke Hand zur Faust geballt, er stellte damit einen Bezug zum Rot-Front-Gruß der KPD her. © Die Photographische Sammlung/ SK Stiftung Kultur – August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn 2015

 

Archiv 2015

ERICH SANDER: GEFÄNGNISFOTOGRAF

Der Standhafte

 

Er war Widerständler, Zuchthäusler und heimlicher Fotograf des Gefängnisalltags im NS-Regime. Als Mitglied der Sozialistischen Arbeiter-Partei Deutschlands (SAPD) beteiligte sich Erich Sander, ältester Sohn des weltberühmten Kölner Fotografen August Sander, aktiv am politischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

 

Derzeit erinnert das Kölner NS-Dokumentationszentrum am Appellhofplatz mit einer bemerkenswerten Sonderausstellung an den Regimegegner und Untergrund-Aktivisten. Erich Sander starb mit 41 Jahren, nach fast vollständiger Verbüßung einer zehnjährigen Zuchthausstrafe wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“, im März 1944 in der Haftanstalt Siegburg. Erich Sander hatte während der gesamten Zeit hinter Gittern seine Widerstandstätigkeit nicht eingestellt. Rund 60 Briefe und annähernd 200 heimliche Fotografien des Haftalltags, die der unbeugsame NS-Bekämpfer in seiner Funktion als Gefängnisfotograf anfertigen konnte, wurden von Mithäftlingen aus der Strafanstalt geschmuggelt.

 
Die Ausstellung, die neben Werken von Erich Sander auch viele Fotografien seines Vaters August zeigt, untersucht das politische Leben des Sohnes und seinen aktiven Widerstand gegen die NS-Machthaber, gibt aber auch einen Einblick in den Alltag der Familie Sander. Daneben wird deutlich, dass August und Erich Sander, der während seiner Studentenzeit schon für seinen Vater fotografische Arbeiten fertigte, eine enge Vater-Sohn-Beziehung unterhielten.
 

August Sander Werkstudenten, 1926, Silbergelatineabzug auf Papier, 190 x 250 mm, Künstlerzimmer Tate und National Galleries of Scotland; Anthony d'Offay 2010 Fasten AL00058 © Photographische Sammlung/ SK Stiftung Kultur - August Sander Archiv, Köln; DACS, London, 2013.

 
So gingen einzelne Bilder, die Erich in der Haft fertigte, in August Sanders großartiges Werk „Menschen des 20. Jahrhunderts“ ein (mehr), ohne dass der wahre Urheber genannt wurde. Namentlich in Falle von Sanders Mitgefangenem, dem Kommunisten Marcel Ancelin. Auch das bekannte Gruppenbild „Werkstudenten“, von August Sander 1926 aufgenommen und im Jahrhundert-Werk publiziert, ist in Wirklichkeit ein Fotodokument sozialistischer Jugend, mit Sohn Erich links im Bild.
 

Erich Sander wurde 1903 in Linz, Österreich, geboren und wuchs ab 1910 in Köln auf, wohin die Eltern umgezogen waren. Er wurde bereits in jungem Alter durch seine Lehrer mit den Ideen der Freidenker-Bewegung bekanntgemacht. Auch das weltoffene Elternhaus, in dem Persönlichkeiten des öffentlichen Kunst- und Kulturlebens ein- und ausgingen, trug zu seiner frühen Politisierung bei.

 

DAS BILD WURDE AUS 

©GRÜNDEN ENTFERNT.

 

 

Erich Sander in der Lazarettzelle, wahrscheinlich 1942/43. Foto Erich Sander. © Die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur – August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn 2015

 

DAS BILD WURDE AUS 

©GRÜNDEN ENTFERNT.

 

 

Erich Sander beim Lesen, zwischen 1938 und 1944. Das Selbstportrait ist in der Bildsprache des Vaters angelegt. Der Sohn hatte den Wunsch, nach Ende der NS-Zeit das väterliche Werk („Menschen des 20. Jahrhunderts“) fortzusetzen. Foto Erich Sander © Die Photographische Sammlung/ SK Stiftung Kultur – August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn 2015

 

Nach vorheriger Mitgliedschaft in der kommunistischen Jugend trat der engagierte Marxist 1924 der KPD bei, aus der er nach seiner Kritik an der Parteilinie im Januar 1929 ausgeschlossen wurde. 1932 wurde Erich Sander Mitglied der Kölner SAPD und stieg schnell zu einer Führungsperson auf.

     Den politischen Kampf gegen die Nazis setzte er auch nach dem Verbot der Partei im Untergrund fort, etwa in Form von Schulungsarbeiten für die SAPD und von Schmuggel verbotener Zeitungen.

 

Seiner Verhaftung im September 1934 bei der Verteilung von Flugblättern folgte 1935 ein Prozess in Hamm, der mit dem Urteil zu einer zehnjährigen Zuchthausstrafe abschloss. Während der Haft, zuletzt im Zuchthaus Siegburg, fotografierte Sander Häftlinge für den Erkennungsdienst. Die Tätigkeit ermöglichte es ihm, heimlich Aufnahmen des Gefängnisalltages anzufertigen. Erich Sander starb aufgrund einer fehlerhaften ärztlichen Behandlung durch eine verschleppte Blinddarmentzündung.


Rund 50 zum Teil noch nie öffentlich gezeigte Fotografien von August Sander dokumentieren Erichs Kindheit und Jugend sowie das familiäre und künstlerisch-politische Umfeld. Ein Teil der fast 40 Fotografien von Erich Sander verdeutlichen den Einfluss des Vaters auf das fotografisches Werk des Sohnes.
     Überwiegend sind es seltene Dokumente über die Lebensbedingungen politischer Häftlinge während der Zeit des Nationalsozialismus. Ergänzt wird die Fotoausstellung durch Archivalien und Objekte aus dem Haus der Familie, wie zum Beispiel bislang nicht publizierte Briefe von Erich Sander oder seine Totenmaske, eine einzigartige Hinterlassenschaft.
cpw

Die Ausstellung "Erich Sander als Häftling und Gefängnisfotograf im Zuchthaus Siegburg 1935-1944" wird bis zum 31. Januar 2016 gezeigt.

NS-Dokumentationszentrum
ELDE-Haus
Appellhofplatz 23-25
50667 Köln
Tel. 0221/2212-6332
Öffnungszeiten
DI-FR 10-18 Uhr
SA, SO 11-18 Uhr


 


  

LOST

IN 
NOTHINGNESS

 

SANDRA 

ACKERMANN

 

24.03. - 06.05.2017
 

GALERIE VOSS

 


 

 

 

 

Ein NEWSLETTER über die Kunst im Rheinland. Für Künstler, Galeristen, Kunstliebhaber, für alle Macher und Kreativen, die es interessiert.

NEWSLETTER
rheinische.ART
(erscheint cirka 4 x im Jahr)

(Registrieren)

 

 

Die 
rheinische.ART
empfiehlt:

Mit GOOGLE ins Museum.

Das Google Art Projekt zeigt Meisterwerke aus den Museen dieser Welt.

► mehr

 

 

 


 

 

LASSEN SIE SICH DIE
"RHEINISCHE ART."
ÜBERSETZEN ...