rheinische ART
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rheinische ART 07/2015

Archiv 2015

VENEDIG/KÖLN
Der Schlüssel zum Verständnis

 

Die japanische Künstlerin Chiharu Shiota (* 1972) überrascht mit ihrer Installation „The Key in the hand“ die Biennale-Besucher in Venedig. Viele hören ihren Namen dort zum ersten Mal und fragen sich: Wer ist Chiharu Shiota? Wer es nicht nach Venedig schafft hat die Möglichkeit, eine Auswahl ihrer Arbeiten im japanischen Kulturinstitut in Köln zu sehen.

 

Chiharu Shiota Installationsansicht von In Silence im CentrePasquArt, Biel (Schweiz), 2008 Foto©Japan Foundation

 

In der Lagunenstadt macht Chiharu Shiota im japanischen Pavillon sichtlich Furore – und zwar mit der raumgreifenden Installation „The Key in the Hand“, die für Aufruhr sorgt und Besuchermassen in den schlichten Bau des Corbusier-Schülers Takamasa Yoshizaka lockt. Die Decke des Pavillons wurde in unzähligen Schritten mit rotem Faden zugeknüpft, wie ein Spinnengewebe. Schlüssel, welche die Künstlerin überall auf der Welt fand oder geschenkt bekam, wurden nach und nach in das Gewebe eingearbeitet. Zur Mitte des Raumes nimmt die Dichte der Schlüssel zu, ihr Gewicht zieht das Gewebe nach unten bis es den Bug eines alten Holzbootes bedeckt.
     

Chiharu Shiota Installationsansicht von Dialogue From DNA am Manggha Centre of Japanese Art and Technology in Krakau, Polen, 2004, Foto© Japan Foundation

 

Allein optisch ragt ihre materialüppige Installation aus der bisweilen modisch spröden Vieldeutigkeit Venedigs heraus. Was ihre Werke dabei wirklich besonders macht, ist die mit der visuellen Opulenz verbundene unmissverständliche Klarheit der Aussage. Stets sind es die „Ur-Dinge“, die Shiota beschäftigen und die der Ursprung aller Kunst sind: Die stets aktuelle Frage nach der eigenen Identität, die Suche nach Heimat und nicht zuletzt das Mysterium des Todes.

 

Chiharu Shiota Teil der Ausstellung "Letters of Thanks" im Museum of Art Kochi, Kochi / Japan. 2013, Foto© Japan Foundation

 

Die Arbeit mit Fäden hat sich zum Markenzeichen der in Berlin lebenden Japanerin entwickelt. Während in ihrem Frühwerk noch stärker der Einfluss ihrer Professoren Marina Abramovich und Rebecca Horn nachwirkt, entwickelt Shiota heute eine ganz eigenes symbolisches Repertoire und eine eigene Ästhetik. Alltägliche und doch bedeutungsschwere Dinge stehen im Zentrum ihrer Arbeiten, seien es Blut, Betten, Spiegel oder eben – Schlüssel.

 

Chiharu Shiota Follow the Line,Metallrahmen und rote Fäden, 265 x 240 x 450 cm, 2015, Foto© Japan Foundation

 

„Follow The Line“ Noch bis Ende November ist die von der Japan Foundation initiierte und von Hitoshi Nakano kuratierte großartige Schau „The Key in the Hand“ auf der 56. Biennale – und damit auf dem „roten Teppich“ der Kunstwelt - zu sehen. Die in Köln präsentierte kleine, aber feine begleitende Schau in der Niederlassung der Japan Foundation bietet hingegen einen Überblick über Shiotas Schaffen der frühen und letzten Jahre und eröffnet somit einen weiter gespannten Zugang zu Shiotas kreatives Schaffen. Die Künstlerin, die mit ihren netzartigen Konstruktionen aus Stofffäden Bekanntheit erlangte, vermag in diesem Kontext auch durch ihre frühen Performances zu überraschen – radikale Selbstversuche, die an die verstörenden Darstellungen des Wiener Aktionismus erinnern.
     Ihre späteren, reiferen Arbeiten sind ganz unverkennbar selbstständig und „neu“ - die optische Reichhaltigkeit ihrer Installationen und der stete Bezug auf Grundsätzliches werden immer deutlicher. Im Zentrum der Schau steht die eigens angefertigte und namensgebende Installation „Follow the Line“ von 2015. Dazwischen überrascht eine schlichte Videoarbeit mit dem Titel „How did you come into the world“, in dem sie Kinder nach den Erinnerungen an ihre jeweilige Geburt befragt - und erstaunliche Antworten erhält.
RMW

 

Die Ausstellung „Chiharu Shiota – Follow the Line“ ist noch bis zum 31. Juli 2015 in Köln zu sehen und wird danach im Instituto Giapponese di Cultura in Rom gezeigt.
Japanisches Kulturinstitut (The Japan Foundation)
Universitätsstraße 98
50674 Köln
Tel. 0221 / 94 05 58 0
Öffnungszeiten
MO - FR 9 - 13 / 14 - 17 Uhr
SA 10 - 17 Uhr


 Ab dem 7. Juli 2015 ist von Chiharu Shiota ein Künstlerraum im Düsseldorfer K21 zu sehen. Für das Haus hat die Künstlerin mit A Long Day und State of Being (Dress) zwei neue Arbeiten gestaltet.

 

 

 

 

 

 


 

 

 

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