rheinische ART
Start | | Über uns | Kontakt | Impressum | Anzeigen/Banner

rheinische ART 02/2015

Archiv 2015

DER BRUEGHEL-CLAN

Keine ganz normale Familie

 

Vier Generationen an der Staffelei, eine wahre Künstlerdynastie also. Die flämische Brueghel-Familie aus Antwerpen zählt zu den bedeutenden Malergeschlechtern des 16. und 17. Jahrhunderts. Ihre Werke wurden bereits von Zeitgenossen hoch geschätzt. Heute sind sie ein Teil des kulturellen Erbes Europas und Höhepunkte in den berühmtesten Museen und Sammlungen der Welt. 

 

Pieter Brueghel der Jüngere Die Schmeichler, um 1592, Maastricht, Privatsammlung, Foto © Joseph Guttmann, New York

Auf dem originalen Rahmen steht diese Zeile: „OM DAT DOOR MUNEN SACK VEEL GELTS COMT GESLOPEN DAER OM WORDE ICK VAN AL DE WEERELT IN T GAT GHECROPEN 1592“ („Solange das Geld in Strömen in meinen Beutel fließt, kriecht mir jedermann in den Arsch 1592“)

 

In Paderborn bietet eine Ausstellung – wie sie zwischen Rhein und Weser bisher noch nicht zu sehen war – eine Übersicht über das vielfältige Schaffen der Brueghels und der wichtigsten Künstler in ihrem Umkreis. Sie führt mit über 140 Gemälden, Zeichnungen und Druckgraphiken durch vier Generationen des Wirkens dieser Malerfamilie. Es ist eine Schau, die mehr offenbart als Schönheit in Blumenbouquets oder Landschaften.

     Sie lässt auch erahnen, wie in Antwerpen - dem Kunst-Hot-Spot vor und nach 1600 – die großen Maler und Ateliers sich organisierten, wie sie produzierten, kooperierten, rationalisierten: Kunstproduktion und -handel basierten in der flämisch-niederländischen Renaissance auf einem ausgeklügeltem Wirtschaftssystem, marktgerecht ausgerichtet mit hohem Vernetzungsgrad. Networking à la Brueghel & Co.

 

Familiäres Malernetzwerk Da der fortpflanzungsfreudige Clan in rund 150 Jahren zahlreiche Talente und erfolgreiche Malernachkommen hervorbrachte und sich weit verzweigte, sind Übersicht und gute Strukturierung der Verwandtschaftsverhältnisse erforderlich. Im Paderborner Museum Schloss Neuhaus wird klar, welcher Brueghel - oder Bruegel, Breughel, Breugel, die Schreibweise ist anerkannterweise schwankend - wann was auf die Leinwand brachte. Ein lehrreicher Rundgang.

 

Pieter Bruegel der Ältere und Frans Huys Bewaffneter Dreimaster mit dem Sturz des Ikarus, ca. 1561/62, Kupferstich, Privatsammlung, USA, Foto © Joseph Guttmann, New York


Generation 1: Der Bauern-Breughel Der künstlerische Stammvater der späteren Großfamilie war Pieter Brueghel der Ältere (1525/30-1569), einer der herausragendsten Maler des 16. Jahrhunderts in Nordeuropa. Seine Werke, die vielfach in Form von Druckgraphiken Verbreitung fanden, hatten einen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der gesamten flämisch-niederländischen Landschafts- und Genremalerei. Besonders bekannt wurde dieser Basis-Brueghel, der auch „der Drollige“ oder „Bauern-Brueghel“ genannt wird, bereits sehr früh für seine Darstellungen des bäuerlichen Lebens, wie sie sich in den „Bauernhochzeiten“ bzw. „Bauerntänzen“ finden.
     Kunsthistorisch gesehen war dieser Urahn mit seinem scharfen Blick auf die Lebenswirklichkeit gewöhnlicher Menschen und der Darstellung des Alltags seiner Zeitgenossen ein echter Wegbereiter. In den früheren Werken hatte er sich noch auf konventionelle und dabei vor allem auf religiöse Themen konzentriert, wie es die große Dominanz religiöser Ikonografie in den vorherigen Jahrhunderten vorgab. Später hingegen standen Menschen, die sonst bestenfalls als Staffage im Hintergrund auftauchten, im Mittelpunkt seiner Kunst. 40 Werke von ihm sind heute erhalten. Berühmt sind die sogenannten „Wimmelbilder“, Kompositionen mit zum Teil mehr als 100 Personen. Verblüffend darin: In der äußerst komplexen Bildsprache des Meisters ist auch das kleinste Detail noch ein Bedeutungsträger. Es sind gemalte Geschichten, die der Besucher da sieht. Spannend, erheiternd, faszinierend, zu viel für den schnellen Blick. Pieter Brueghel d.Ä. braucht Zeit!

 

Pieter Brueghel der Jüngere Rückkehr von der Kirmes, 1619/1636, Fürstenberg-Stiftung Eggeringhausen

 

Generation 2: Die Söhne Sein namensgleicher Sohn Pieter Brueghel der Jüngere - auch als „Höllen-Brueghel“ (1565-1638) bekannt - orientierte sich sehr stark am Werk des Vaters und war im Wesentlichen als dessen fast serienmäßig arbeitender Kopist tätig, während sein drei Jahr später geborener Bruder Jan Brueghel der Ältere - Zusatztitel „Blumen-Brueghel“ (1568-1625) - einen anderen Weg einschlug. Er entwickelt einen durchaus eigenständigen Stil. Vorrangig befasste er sich mit naturgetreuen Blumenstücken, kleinformatigen Landschaftsbildern sowie detailreichen Allegorien, es sind wegweisende Arbeiten für die flämische Barockmalerei.

 

Jan Brueghel der Ältere und Jan Brueghel der Jüngere Stillleben mit Tulpen und Rosen, 1610, USA, Privatsammlung, Foto © Joseph Guttmann, New York

 

Bekannt wurde dieser Brueghel-Spross nicht zuletzt dank seiner außerordentlichen Fähigkeit, materiell-stoffliche Qualitäten wiederzugeben, was ihm auch den weiteren Spitznamen „Sammet-Brueghel“ eintrug. Er gilt auch als Vorreiter einer realistischen Landschaftsdarstellung, die den Betrachter mitten ins Geschehen wirft. Die Szenerie ist bei ihm perspektivisch konsequent auf einen Fluchtpunkt ausgerichtet und kommt dem Zuschauer noch mehr entgegen, indem der Künstler von einer hochformatigen zu einer horizontalen Darstellungsweise wechselt. Auch damit wurde Jan Brueghel der Ältere stilbildend.


Generation 3: Die Söhne der Söhne Die zwei männlichen Nachkommen Jans, also Kindeskinder des Stammvaters Pieter, wurden ebenfalls angesehene Künstler: Jan Brueghel der Jüngere (1601-1678) setzte die Familientradition in der väterlichen Werkstatt fort und folgte im Großen und Ganzen dem malerischen Vorbild seines geachteten Vaters.

     Dagegen konzentrierte sich Bruder Ambrosius Brueghel (1617-1675), Dekan der Lukasgilde, als Barockmaler fast ausnahmslos auf die Gattung des Blumen-Stilllebens. Übrigens: Tochter Anna Brueghel (1619-1656) ehelichte standesgemäß und ökonomisch klug den Maler David Teniers d. J., Peter Paul Rubens war Trauzeuge. Teniers verstand sich auf maß- und humorvolle Bauernbilder, bei denen es an Trunk-, Tanz- und Schlägereiszenen aber auch nicht mangelte.

 

Jan Brueghel der Jüngere Flämisches Dorf im Winter mit Schlittschuhläufern, um 1630–1635, Schweiz, Privatsammlung, Foto © Joseph Guttmann, New York

 

Generation 4: Söhne, Söhne... und Schwiegersöhne Jan Brueghel d.J. hatte mit seiner Frau Anna Maria Janssens elf Kinder. Von den sieben männlichen Nachkommen wurden fünf ebenfalls Maler. Namhaft waren insbesondere die Urenkel Jan Pieter, Abraham und Jan Baptist. Sie bildeten die letzte Generation der Maler-Dynastie, zu der schließlich auch die Schwiegersöhne Jan van Kessel der Ältere und David Teniers der Jüngere zu zählen sind. Keiner der Nachkommen von Stammvater Pieter Brueghel dem Älteren erreichte allerdings dessen Erfolg und künstlerisch herausragende Bedeutung für die flämische Malerei.
     Viele bekannte Maler Antwerpens standen in enger, meist auch geschäftlicher Beziehung zu den Brueghels, beispielsweise Joos de Momper, Peter Paul Rubens und Lucas van Valckenborch. Konkurrenz hin oder her: Wenn es galt, Käuferwünsche zu realisieren und etwas zu verdienen, dann war es durchaus üblich, auf „Augenhöhe“ zu kooperieren und Spezialkönnen zu liefern: plastische Blumenstillleben etwa oder Tierbilder, Putten-Leiber oder Landschaften, die dann gemeinsam die Werke zierten.

 

Jan van Kessel der Ältere Flusslandschaft mit Fischern, Privatsammlung, Großbritannien, Foto © Joseph Guttmann, New York

 

Das thematische Spektrum der Schau, gegliedert in fünf Kapitel, ist breit gefächert: Von den „Sieben Todsünden“ des Hieronymus Bosch, dem großen Vorbild von Pieter Brueghel dem Älteren, über Flusslandschaften und Genreszenen von Vater und Sohn Pieter, Allegorien und Sinnbilder, mythologische und christliche Darstellungen, Früchte- und Blumenstillleben, daneben subtile Zeichnungen von Dörfern, Städten und Häfen.
     Es handelt sich um eine Ausstellung auf internationalem Niveau – nicht nur im Hinblick auf die Bedeutung des Themas, sondern auch bezogen auf die Provenienzen der Leihgaben. Sie stammen aus über 40 privaten sowie öffentlichen Sammlungen Europas und Amerikas. „Die Brueghel-Familie“ wird in Deutschland ausschließlich in Paderborn zu sehen sein.

 

► Es existieren mehrere Schreibweisen für den Familiennamen. Erste Signaturen finden sich als Brueghel, später Breughel und Bruegel. Die Gründe für die Änderungen sind nicht bekannt. Der Ausstellungstitel in Paderborn bezieht sich auf die ursprüngliche Signatur des Stammvaters Pieter Brueghel.

Klaus M. Martinetz

 

Die Ausstellung „Die Brueghel-Familie“ wird bis zum 21. Juni 2015 gezeigt.

Städtische Galerie in der Reithalle
Schloss Neuhaus, Paderborn

Im Schlosspark 12
D- 33104 Paderborn
Tel. 05251 / 881076
Fax 05251 / 881061

Öffnungszeiten:
DI-SO 10 – 18 Uhr
DO bis 22 Uhr

 

 

 


 

 

  

KATE WATERS 

"Whistling In The Dark"

 

bis 11.11.2017

GALERIE VOSS

 


 

 

 

 

 

Ein NEWSLETTER über die Kunst im Rheinland. Für Künstler, Galeristen, Kunstliebhaber, für alle Macher und Kreativen, die es interessiert.

NEWSLETTER
rheinische.ART
(erscheint cirka 4 x im Jahr)

(Registrieren)

 

 

Die 
rheinische.ART
empfiehlt:

Mit GOOGLE ins Museum.

Das Google Art Projekt zeigt Meisterwerke aus den Museen dieser Welt.

► mehr

 

 

 


 

 

LASSEN SIE SICH DIE
"RHEINISCHE ART."
ÜBERSETZEN ...