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rheinische ART 12/2014

Archiv 2015

KÖLN 1914
Metropole zwischen Aggression und Avantgarde

 

Hurrageschrei und Blumenschmuck an Gewehrläufen! In den Städten, so suggerieren historische Fotografien, gab es eine überbordende „August-Begeisterung“ angesichts des heraufziehenden Waffengangs. In Wirklichkeit war die Bevölkerung eher zwiegespalten und viele sahen den Krieg mit Sorge und Angst. Demonstrationen gegen Mobilmachung, Aufrüstung und verbale Kriegstreiberei waren keine Seltenheit.

 

Anzeige „Köln am Rhein/die Metropole des Rheinlandes“, 1914 (Privatbesitz Werner Durth)

 

Für die Bürger gab es zu Beginn des Ersten Weltkriegs zunächst zwei deutlich getrennte Schauplätze: die „Front“ und die „Heimat“. Die Stadt Köln, 1914 der logistische Knotenpunkt für die Westfront und ein Zentrum des beginnenden Luftkriegs, nahm auf Grund ihrer exponierten geografischen Lage eine besondere Rolle ein.

 

Werbeplakat für ein Wettfliegen des "Kölner Club für Luftschiffahrt e.V.", 1909. Quelle: Katalogbuch des LVR zur Ausstellung "1914 - Mitten in Europa", Das Rheinland und der Erste Weltkrieg; Köln/Essen 2014

 

Die Kommune zählte rund 600.000 Einwohnern, war eine der größten Städte im Deutschen Reich und lag im „frontnahen“ Bereich. Wie in kaum einer anderen deutschen Stadt stießen hier die Grundwidersprüche der Epoche - „Aggression“ und „Avantgarde“ - aufeinander. Das Kriegsgeschehen veränderte das gesellschaftliche Leben in ihr radikal und verwischte zunehmend die Grenzen zwischen Front und Heimat.

     Denn das Furchtbare eines hochtechnisierten modernen Krieges erlebten nicht nur die Soldaten an vorderster Linie, sondern auch die Menschen in den frontnahen Städten der Rheinprovinz. Bombenangriffe wurden auf deutscher wie auf gegnerischer Seite zu einer neuen Begleiterscheinung des Krieges. In Trier, Düsseldorf und Köln gab es schon 1914 Angriffe auf Luftschiffhäfen und Bahnhöfe. Ab 1916 galt für viele Landesteile an Rhein und Ruhr Verdunkelungspflicht, um feindlichen Fliegern die Orientierung zu erschweren.

     Wie sich dieser erste „totale“ Krieg auf eine Stadt auswirkte, belegt eindrucksvoll die Ausstellung „Köln 1914. Metropole im Westen“, die an drei Standorten präsentiert wird, aber mit unterschiedlichen Blickwinkeln auf 1914 und die Folgen schaut: auf den Alltag, die Kultur und die Wirtschaft.

 

Christbaumspitze mit dem Bildnis Kaiser Wilhelms II., 1914 (KSM/Landeshauptarchiv Koblenz)

 

Kölnisches Stadtmuseum: Alltagsleben Köln war eine pulsierende Großstadt auf dem Weg in die Moderne. Auch wenn soziale Gegensätze noch Politik und Stadtgesellschaft prägten, ging es den meisten Menschen besser als je zuvor und es schien weiter aufwärts zu gehen. Dann veränderte der Krieg alles. Das Leben im Frieden und der Einschnitt des Krieges werden in Themenräumen präsentiert: Arbeit und Wirtschaft, Karneval, Freizeit, Sport und Vergnügen, Luftfahrt und Verkehr, Festung und Militär, Religiosität und gesellschaftliches Leben – alle Bereiche zeigen die tiefgreifenden alltäglichen Veränderungen. „Es sind insbesondere die persönlichen Geschichten und Biografien, die einen lebendigen Eindruck vom Leben der Kölnerinnen und Kölner im Jahr 1914 vermitteln“, so Mario Kramp, Direktor des Stadtmuseums. In der Ausstellung spielt aber nicht nur das Alltagsleben eine Rolle: Auch städtische Lazarette und Kriegsgefangenenlager stehen im Fokus der Präsentation wie das Frontgeschehen. Denn zahllose Kölner waren im Krieg im Einsatz.

 

Heinz Kroh, „Hohe Straße“, Öl auf Leinwand, (Ausschnitt) 1914. Foto: © Kölnisches  Stadtmuseum / Rheinisches Bildarchiv Köln

 

Museum für Angewandte Kunst (MAKK): Kulturleben Das MAKK zeigt die künstlerischen Aspekte großstädtischen Lebens. Köln stand 1914 in der Blüte seiner kulturellen Entwicklung und war reges Zentrum einer Intellektuellenszene. Seit 1903 formierten sich in kurzer Folge Künstlervereinigungen, die nicht nur als Ausstellungsplattformen dienten, sondern auch zu Lesungen, Vorträgen und Diskussionsrunden einluden. Vielfältige Unterstützung leisteten die Museen, von denen es bis zum Kriegsbeginn 14 gab. Zu den führenden Häusern gehörte etwa das Walraff-Richartz oder das 1909 von Frieda und Adolf Fischer gegründete Museum für Ostasiatische Kunst, das 1913 öffentlich wurde (mehr).

 

Alice Guszalewicz als „Brünnhilde“ in „Götterdämmerung“, Fotografie Blum & Höffert, Köln 1911 (Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln)


Die bürgerliche Kultur wurde ferner besonders im 1902 eröffneten Opernhaus am Habsburger Ring, dem größten des Reichs, und im Schauspielhaus zelebriert, wo die Bühnenstars gefeiert wurden. Und die Gürzenich-Konzerte der Kölner Concert-Gesellschaft waren die herausragenden Ereignisse der städtischen Musikwelt. Kultureller Höhepunkt sollte die im Mai 1914 eröffnete Werkbundausstellung (mehr) werden, die die lokalen wie internationalen Bestrebungen der Zeit in Bezug auf Architektur, Bildende Kunst und Kunsthandwerk bündelte.

 

Dose „Armee-Kakao“ der Firma Stollwerck in Form einer Geschosspatrone, Blech, um 1900; Foto: © Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln

Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA): Wirtschaftsleben „Wer sich Köln und dem Ersten Weltkrieg widmet, muss sich auch mit wirtschaftlichen Auswirkungen beschäftigen“, betont Ulrich S. Soénius, Direktor des Wirtschaftsarchivs. Das RWWA ist Leihgeber für die beteiligten Museen und zeigt gleichzeitig in einer kleinen Schau, wie die Kölner Wirtschaft auf den Krieg reagierte. Als Beispiele werden sehr bekannte lokale Unternehmen wie der Schokoladenproduzent Stollwerck, die Motorenfabrik Deutz AG oder der Kabelhersteller Felten & Guilleaume (Carlswerk AG) vorgestellt. Im Fokus stehen hier neben Feldzeitschriften, Feldpost-Briefen und Fotos auch die Produkte der Unternehmen, in denen sich der Krieg widerspiegelt.

 

 Die Ausstellung mit ihren drei Standorten ist Teil des Verbundprojekts „1914 – Mitten in Europa. Das Rheinland und der Erste Weltkrieg“, mit dem der Landschaftsverband Rheinland (LVR) an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor rund 100 Jahren erinnert.

bra

 

Die Ausstellung ist an allen drei Standorten bis zum 19. April 2015 zu sehen.

Kölnisches Stadtmuseum

Zeughausstraße 1

50667 Köln
Tel. 0221 - 221 22398
Öffnungszeiten
Di 10 - 20 Uhr (Feiertage 10 -17 Uhr) Mi - So 10 - 17 Uhr

 

Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK)

An der Rechtschule
50667 Köln
Tel. 0221 - 221 23860
Öffnungszeiten
Di - So 11-17 Uhr

 

Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln

Gereonstraße 5 - 11

50670 Köln
Tel. 0221 - 1640 800
Öffnungszeiten
Mo - Do 9 - 16.30 Uhr Fr 9 - 15.30 Uhr

 

 

 


 

 

 


  

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