rheinische ART
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rheinische ART 08/2012

 

ARCHIV 2012
Porzellanlithophanien – ein früher Modeartikel

 

Schönheit durch Gegenlicht

 

 

Licht und Schatten: Ein Stövchen, das sich ganz die besonderen Effekte der Lithophanie zu eigen macht. Foto: Christoph Göttert / Hetjens

 

Eine eigene Bildwelt in Porzellan. Hier ein Ständer mit Lithophanie. Foto Hetjens Museum

Es sind wahre Kunstwerke mit zarten und lichtdurchlässigen Gravuren. Einst begehrte Fensterhänger oder zu Lichtschirmen, Lampen und Stövchen zusammengefügt. Die dünnen Reliefplatten aus Porzellan, Lithophanien genannt, hatten wegen ihrer Transparenz im Durchlicht Ähnlichkeit mit einem Diapositiv – ein dekoratives, populäres und gefragtes Accessoire im 19. Jahrhundert. Das Düsseldorfer Hetjens-Museum erinnert an eine nahezu vergessene Technik.

 

DAS ERSTE Patent auf ein „Lichtschirmbild“ wurde 1827 in Frankreich dem Diplomaten Paul-Charles-Amable de Bourgoing erteilt. Schnell stellten sich die meisten Porzellanmanufakturen in Europa auf die ungewöhnliche Variante der feinkeramischen Brandware ein. Und schon ein Jahr nach der Patentierung gelang es dem Direktor der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin (KPM), Georg Friedrich Christoph Frick (1781-1848), das neue Medium technisch entscheidend zu verbessern. Dadurch erreichte Frick, dass die KPM später als eigentlicher Erfinder der Technik gefeiert wurde. Die Produktion der illuminierten Bilder stieg rasant an, denn die Bildmotive trafen den Nerv der Zeit. In eindrucksvoller Weise spiegelten sie die Wohn- und Lebenswelt des aufstrebenden Bürgertums, die von Bildungseifer, Reiselust, aber auch der Sorge um die Familie geprägt war.

 

Leuchtender Stein

 

Eine Lithophanie ist in der Regel eine dünnwandige Platte aus transluzentem Material, ursprünglich Porzellan, später aber auch Glas. Ihr voraus geht die Graveurarbeit auf einer Wachsmatrize mit einem anschließenden Gipsüberzug. Das Fachwort entstammt dem Griechischen und kombiniert „Lithos“ (Stein) und „Phänin“ (ans Licht bringen), frei übersetzt bedeutet es so viel wie „leuchtender Stein“. Die Lithophanie benötigt eine Lichtquelle, die sie rückwärtig beleuchtet. Ohne Gegenlicht ist das Objekt völlig unscheinbar. Die verschiedenen Bildeffekte werden durch unterschiedliche Materialstärken und Gravuren erzeugt, die wiederum den Lichteinfall beeinflussen und Schattierungen erzeugen.

   Mit Beginn des 20. Jahrhundert verlieren die Bildwelten in Porzellan an Beliebtheit, Sachlichkeit dominiert und auf Funktion ausgerichtete Waren bestimmen die Nachfrage. In Deutschland wird erst nach dem Zweiten Weltkrieg die Lithophanie-Herstellung wieder gepflegt. Es ist vor allem die alte, traditionsreiche „Porzellanmanufactur Plaue“ in Thüringen, die heute Lithophanieleuchten fertigt. Wenn auch das moderne städtische Leben von elektrischem Licht beherrscht wird, zeigt die Ausstellung doch die Faszination, die durch die historischen Licht-Bilder ausgelöst wird.

 

Licht und Schatten: Schattenspiel-Film. Foto Hetjens-Museum

 

Die Schau ist Bestandteil der gemeinsamen Sonderausstellung „Magie von Licht und Schatten“, die vom Düsseldorfer Filmmuseum und dem Keramikmuseum Hetjens ausgerichtet wird.

Klaus M. Martinetz

 

Die Ausstellung "Magie von Licht und Schatten - Leuchtende Bildwelten in Porzellan" kann bis zum 6. Januar 2013 besucht werden.

Hetjens-Museum Düsseldorf
Deutsches Keramikmuseum

Schulstr. 4
40213 Düsseldorf
Tel. 0211-89 94210

Öffnungszeiten:
DI 11 - 17 Uhr
MI 11 - 21 Uhr
DO - SO 11 - 17 Uhr

 

 

 

 

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