rheinische ART
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rheinische ART 02/2012

 

ARCHIV 2012
Per Kirkeby und Kurt Schwitters im Bozar, Brüssel

 

Per Kirkeby: Untitled, 2011 Tempera on canvas 200 x 160 cm, © Galerie Michael Werner

 

Kurt Schwitters Lysaker 1939, oil on plywood, 85,5 x 78 cm, © Kurt und Ernst Schwitters Foundation, Foto Hannover: Kurt Schwitters Archives at the Sprengel Museum, Fotograf: Michael Herling / Aline Gwose

 

Nordische


Seelen

 

 

Der dänische Maler, Schriftsteller, Architekt und Bildhauer Per Kirkeby und der Avantgarde-Künstler, Dadaist und Grafiker Kurt Schwitters gemeinsam in einer Exposition – wie passt das zusammen? Dazu noch die Assoziation verbotener, versteckter oder gar unheimlicher Bilder, zu sehen im berühmten Brüsseler „Palais des Beaux-Arts“! Es bedarf schon eines Blicks in die Geschichte, um zu verstehen, was hier gewollt ist. In der Retrospektive im Bozar werden 180 Werke von Kirkeby und 15 Landschaftsbilder von Schwitters gezeigt.

 

„Per Kirkeby und die verbotenen Bilder von Kurt Schwitters“ titelt die Schau. Der klärende Blick muss weit zurück reichen, bis in das Jahr 1961. Der heute renommierte und vielseitige dänische Künstler Per Kirkeby (*1938) war damals 23 Jahre jung und am Beginn seiner Karriere, als er auf die vorwiegend in den 1930er Jahren geschaffenen außergewöhnlichen Landschaftsbilder des gebürtigen Hannoveraners Kurt Schwitters (1887-1948) stößt.

 

Liebe zur Landschaft

 

Es sind die unbekannten Seiten des deutschen Malers, Lyrikers und Schriftstellers, die Kirkeby faszinieren: figurative Bilder, die eine Liebe zur Landschaft signalisieren, von Schwitters geschaffen bei zahlreichen Aufenthalten in Westnorwegen und im Raum Oslo. Zunächst als Tourist, ab 1937 nach seiner Flucht vor den Nationalsozialisten als Emigrant dortselbst.

   In Deutschland als „entartet“ bezeichnet, flieht Schwitters 1940 erneut vor seinen Landsleuten, nun von Norwegen nach England. Seine bis dahin geschaffenen Landschaftsbilder zeigen eine für ihn fremde Allgegenwart der Natur. Sie stehen damit völlig außerhalb des Zeitgeistes und auch konträr zu Schwitters bis dato vertretenen Kunstauffassung, etwa seine MERZ-Schriftenreihe und -Collagen, den Dadaismus, die Assemblagekunst sowie provokante Prosa- und Gedichtsammlungen - darunter das Lautgedicht Sonate in Urlauten oder Ursonate.

   Schwitters Landschaften, so sieht es Kirkeby, sind „verbotene Bilder“. Verboten im Sinne von „falsch“ zur Zeit ihrer Entstehung: denn sie wirken auf ihn konventionell, unspektakulär, altmodisch, degeneriert – mehr den ökonomischen Zwängen des Exil-Malers entsprungen als seinen kreativen Vorstellungen. Kirkeby ist fasziniert vom drastischen Stilwandel des Avantgarde-Künstlers und verfasst ein Buch über Schwitters Landschaftsmalerei. Gleichwohl, so lässt Kirkebys Vita erkennen, stellen diese Werke für ihn selbst wichtige Entwicklungsschritte in der bildenden Kunst dar, schaffen Inspiration – Kirkeby fühlt in der Liebe zur (nordischen) Landschaft eine Seelenverwandtschaft mit dem Maler.

 

Natur und Abstraktion

 

Per Kirkeby: Viel später, 1991-1992, Oil on canvas, 300 x 500 cm, © Louisiana Museum of Modern Art

 

Der Dialog zwischen Natur und Abstraktion, Landschaft und Architektur ist in Kirkebys Arbeit allgegenwärtig. Bis heute hat der führende dänische Avantgardist einen selbständigen und ungewöhnlichen künstlerischen Weg verfolgt. Als Maler und Bildhauer hat er mit vielen verschiedenen Medien (Faserplatten, Leinwand, Tafeln, Papier, Bronze) gearbeitet; in der Architektur mit ambitiösen Blockstrukturen. Landschaften, Sedimentierungen und Schichten sind zentrale Elemente seiner bildenden Kunst.

   Sie haben ihre Wurzeln in den naturwissenschaftlichen Studien des Künstlers, der promovierter Geologe ist und an Expeditionen in die Arktis und nach Grönland teilgenommen hat. Seine mitunter monumentalen Arbeiten erinnern in ihren farblichen Strukturen an geologisch-wissenschaftliche Erdschnitte oder Aufschlüsse, in deren Sedimentschichten der Betrachter einen Blick in die Vergangenheit zu erkennen glaubt.

 

Per Kirkeby

© Helene Sandberg

 

„Schwitters ist der verkannteste Künstler unseres Jahrhunderts, mit Sicherheit. Selbst in Deutschland ist seine wahre Größe gar nicht bewusst.“ (Per Kirkeby, 1994)

„Ich fühlte mich frei und musste meinen Jubel hinausschreien in die Welt. Aus Sparsamkeit nahm ich dazu, was ich fand, denn wir waren ein verarmtes Land. …. Ich nannte es MERZ.“ (Kurt Schwitters, 1930)
 

 

 

 

Per Kirkeby war Mitglied der radikalen Experimentellen Kunstschule („Eksperimenterende Kunstskole“) in Kopenhagen. Minimalistische, konzeptuelle und Pop-Art-beeinflusste Arbeiten bestimmten seine frühen Jahre. Er nahm unter anderem an Happenings und Fluxus-Veranstaltungen mit Nam June Paik, Joseph Beuys und Jörg Immendorff teil. Im Rheinland schuf Kirkeby mehrere Gebäude als Architekturskulpturen. Sie befinden sich unter anderem auf dem nach ihm benannten Feld im Kulturraum der Insel Hombroich bei Neuss (mehr).

 

Kurt Schwitters begann 1918 mit ersten Collagen, die er aus zufällig gefundenen Abfällen gestaltete. Später ergänzte er diese mit literarischen Texten zu einer eigenständigen Dada-Richtung unter der Bezeichnung „MERZ“. Der Begriff „Merz“ entstand bei einer Collage aus einer Anzeige der „Kommerz und Privatbank“ und hat Assoziationen zu „Kommerz“, „ausmerzen“, „Scherz“, „Nerz“, „Herz“ und dem Monat März, der für den Frühlingsanfang steht.
    Als MERZ definierte Schwitters ab 1919 seine Technik, Reklamepapiere, Zeitungsausschnitte und Abfall zu Bildern und Collage-Skulpturen im Sinne eines Wiederaufbaus zu kombinieren. Die internationale Anerkennung seines Lebenswerkes erfolgte erst nach seinem Tod. Mehrere Werke Schwitters wurden posthum 1955, 1959 und 1964 auf den Kasseler documenta-Ausstellungen gezeigt.

K2M/ bra


Die Ausstellung „Per Kirkeby und die verbotenen Bilder von Kurt Schwitters“ (Per Kirkeby and the „Forbidden Paintings“ of Kurt Schwitters) ist bis zum 20. Mai 2012 zu sehen.

BOZAR – Palast der Schönen Künste
Palais des Beaux-Arts Bruxelles
23 rue Ravenstein/ Ravensteinstraat 23
1000 Brüssel
Tel.: 0032 2 507 82 00

Öffnungszeiten:
DI - SO 10-18 Uhr
DO 10-21 Uhr

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der Michael Werner Gallery.

 

Im Museum Küppersmühle / Duisburg ist die Ausstellung „PER KIRKEBY - Maler - Forscher - Bildhauer - Poet“ vom 16. März - 28. Mai 2012 zu sehen.

 


©rheinische-art.de

 

Originalgrafik

KÜNSTLER- 
Yin Ming-Ming

 

 


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