rheinische ART
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rheinische ART 05/2020

TADAO ANDO
Großmeister des Béton fin

 

Die Sammlung des Multimilliardärs François Pinault zieht in Paris in das Gebäude des neuen Museums „Bourse de Commerce“.

 

Ein neues Schauhaus in Paris. Die alte Getreide- und Handelsbörse Bourse de Commerce für die Pinault Collection. Photo © Patrick Tournebœuf/Tendance Floue for the Pinault Collection, Paris 2020

 

Dass es in diesen kulturgebeutelten Zeiten noch eine Museumseröffnung gibt, ist bemerkenswert. Das neue Haus, ein neoklassizistisches Baudenkmal der Sonderklasse, soll ab Juni 2020 der Öffentlichkeit zugänglich sein.

 

Außenansicht der Bource de Commerce in der Rue de Viarmes im Hallenviertel. Foto © Musée Bource de Commerce, Pinault Collection Paris 2020

 

Historische Ansicht der Getreidebörse mit der Metallkuppel, die 1838 eröffnet wurde. Farblithographie von Arnout nach Chapuy. Carnavalet Museum, Paris. Fotoquelle Wikipedia gemeinfrei

 

Es präsentiert ausschließlich Werke zeitgenössischer Künstler aus der Pinault-Kollektion. Die zehnjährige Renovierung verantwortet der japanische Star-Architekt Tadao Ando, der als der berühmteste Baumeister aus dem fernöstlichen Inselsstaat gilt.

     Die denkmalgeschützte ehemalige Pariser Getreide- und Handelsbörse (Bourse de Commerce) war für ihn wie geschaffen. Ando ließ im Inneren des historischen Gemäuers einen Beton-Zylinder errichten, dessen Innen- als auch Außenwände auf einer Gesamtfläche von 3.000 Quadratmetern, unterteilt in Einzelflächen von 100 bis 600 Quadratmetern, Schauflächen für Kunstwerke bieten. Sie können über eine Wendeltreppe erstiegen werden.


Zu den Schmuckstücken dieses neuen Kunsttempels gehört die Panoramafreske in der Gebäude-Kuppel. Dieses alte Fresko aus dem 19. Jahrhundert mit einer Höhe von zehn und einer Länge von 140 Metern wurde sachgerecht wiederhergestellt. Über einen Rundweg auf dem Ando-Zylinder kann das riesige „Panorama des Handels“ – die Motive zeigen entsprechende ökonomische Vorgänge – von den Besuchern besichtigt werden. Gleichzeitig wird eine attraktive Aussicht auf die Stadt geboten.

 

Tadao Ando bei der Eröffnung der Langen Foundation Neuss 2004. Foto © Christopher Schriner Bildquelle CC BY-SA2.0 Wikipedia

 

Tadao Ando ist in der rheinischen Provinz wohlbekannt. Ob es nun Zufall ist oder nicht: Drei seiner Bauten stehen jeweils in der Nähe des Rheinstroms und symbolisieren Weltklasse-Architektur.

     Von dem Japaner stammen der „klösterliche Konferenzpavillon“ auf dem Vitra-Gelände in Weil am Rhein, das Kunst- und Ausstellungshaus der Langen Foundation auf der ehemaligen NATO-Raketenstation bei Neuss und das Steinskulpturenmuseum von Bad Münster am Stein im Nahetal. Dieses Spezialmuseum ist weltweit das einzige seiner Art und von Ando als „Museum in der Landschaft“ konzipiert.

  

 

Tadeo Ando Langen Foundation auf der ehemaligen NATO-Raketenstation bei Neuss. Betonwände, Glasmäntel und Betonriegel sind in die Topografie des Ortes eingefügt und bieten spannende Blickachsen. Foto © rheinische Art 2020

 

Tadao Ando (*1941) ist einer der weltweit bekanntesten zeitgenössischen Architekten. Seine Schöpfungen zeichnen sich durch eine strenge, fast asketische Modernität aus, seine Lieblingswerkstoffe sind Glas und vor allem Feinbeton (béton fin). Dass Ando schon früh von dem Jahrhundertbaumeister Le Corbusier (mehr) und dessen Modernismus im Rohbeton-Stil, dem béton brut oder Brutalismus, inspiriert wurde wie ebenso von den Gebrüdern Taut (mehr), wird er nicht müde zu betonen.

     Mit Le Corbusier verbindet ihn noch mehr. Wie dieser hat Ando nie eine Akademie oder Universität besucht, sondern sich das Wissen als Autodidakt im Selbststudium und auf Architekturreisen in Europa, USA und Afrika angeeignet.

     Ando ist ein Minimalist. Seine Architektur, so hebt er hervor, könne nicht von der Natur getrennt werden. Zwar betonen seine Gebäude eine akkurate, geometrische Bestimmtheit in der Form gegenüber dem Organischen der Natur. Gleichzeitig streben sie aber, wie er anmerkt, stets nach einer „Verschmelzung von Architektur und Natur“, mittels derer er die Grenzen der Baukunst zu durchbrechen sucht.

 

Bad Münster am Stein Das Haus für die Fondation Kubach-Wilmsen ist in einer ursprünglichen Bauweise errichtet. Es besteht aus Lehmwänden, Holzfachwerk und Schieferdach, harmonisch in die Landschaft eingefügt. Foto © Shigeo Ogawa, Fondation Kubach-Wilmsen Steinskulpturenmuseum

 

Für Ando steht fest: „Man leiht sich den Ort, an dem man baut, von der Natur aus.“ Seine im ländlichen Raum realisierten Projekte wie etwa der Beton-Komplex auf dem Ex-Militärgelände bei Neuss kommentiert er eher amüsiert und erfreut. Er hätte mehrfach das Glück und die Gelegenheit gehabt, Architekturen entwerfen zu können, die Teil der Natur seien. Damit offenbart der Baumeister seine zutiefst von der japanischen Tradition beeinflusste Denkweise, die Elemente der Moderne und des Althergebrachten in faszinierender Schlichtheit zu kombinieren versteht.

 

Animation des Tadao Ando Campus + Tower. Ein neues Leuchtturmprojekt für die Stadt Düsseldorf? Foto © Tadao Ando Campus+Tower, EuroAtlantic AG, 2020

 

Noch auf dem Reißbrett: Andos Pläne für das erste CO2-neutrale Bürohochhaus. Es soll in der NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf errichtet werden. Der Tadao Ando Campus+Tower, so die bislang verwendete Bezeichnung für das Terrain, wird im Norden der Stadt nahe des Verkehrsknotens „Mörsenbroicher Ei“ liegen und ein neues Wahrzeichen der Stadt werden.

rART/cpw

 

Der aus Osaka stammende Tadao Ando hat, und das ist für die Branche einzigartig, alle wichtigen internationalen Architektur-Preise gewonnen: den Pritzker-Preis (mehr), die japanische Auszeichnung Praemium Imperiale, den Carlsberg Architektur-Preis und den Kyoto Preis. Seit 1969 unterhält er sein eigenes Büro, Tadao Ando Architect & Associates in seiner Heimatstadt.

 

 

Museum
Bourse de Commerce - Pinault Collection

2 rue de Viarmes
75001 Paris
Tel.. +33 (0) 1 55 04 60 60
Öffnungszeiten:
Die Eröffnung ist für Juni 2020 geplant

 

 

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