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rheinische ART 10/2015

 

Verlockung des Verbotenen: "Wenn du dies nicht ungeöffnet lässt hängen, dann siehst du meine braune Wangen." Unbekannter Südniederländer Diptyque Satyrique (satirisches Diptyque) etwa um 1500, Tafelbild, 58,5 x 44 cm, Foto© Collection artistique de l´Université de Liège, Foto Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam, 2015

 

Archiv 2015

WILDE ZEITEN

Säufer, Huren und Halunken

 

Der Bürger wollte mit Kunst immer schon gut unterhalten werden. Gerne mit Szenen aus dem Alltag, vor allem aus der Abteilung „verdorbene Welt“. Mit Bildern die Lust, Laster, Spott, Schadenfreude oder doch wenigstens Humor zeigten.

 

Nachdem das "Petit Palais" in Paris bis Mai mit einer erfolgreichen Schau das lasterhafte Leben im barocken Rom ausbreitete (mehr), legt jetzt das "Museum Boijmans Van Beuningen" in Rotterdam mit ähnlichen Genrebildern aus dem flämischen-niederländischen Kulturkreis nach. 

 

Das größte Museum in Europas größter Hafenstadt bietet mit der Ausstellung Die Entdeckung des alltäglichen Lebens – Von Bosch bis Bruegel einen kurzweiligen Blick auf die Malerei vor Beginn des „Goldenen Zeitalters“ der Niederlande, als sich ab der Mitte des 15. Jahrhunderts die berühmten und geschäftstüchtigen Maler - aber auch zahlreiche unbekannte Meister - mit dem Alltäglichen eine neue Inspirationsquelle erschlossen.
      Schöne Frauen, ehrwürdige Kirchenmänner oder edle Gesichter von Honoratioren wichen derben Sittenbildern mit Kartenspielern, Trunkenbolden, Bettlern, Krüppeln, Dieben, lüsternen Bauern oder Handwerkern und Bordellbesuchern.
 

Pieter Bruegel d.Ä. Bauer und Vogeldieb, 1568, Tafelbild, 59,3 x 68,3 cm. Schadenfreude war eines der beliebtesten Motive der Maler. Foto© Kunsthistorisches Museum Wien, Foto Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam, 2015  

 

Spott und deftiger Humor waren allgegenwärtig, wie stets im wirklichen Leben. Wenn auch die Darstellung geselligen Beisammenseins mit allen unsittlichen Auswüchsen gut fürs Geschäft war, hatte diese Genremalerei doch in den Augen vieler Kunstfreunde lange den Ruf einer „minderwertigen Gattung“. Die Ausstellung ist zwar kein wirklich harter Tobak, aber es geht durchaus heftig zur Sache und ist nichts für sehr zarte Kunstseelen. Denn es wimmelt in den Bildern von optischen Derbheiten. Es seien „...politisch inkorrekte Werke auf höchstem Niveau“, wird Kurator Peter van der Coelen zitiert.


Zeit-Bild Und gerade dies ist das so bemerkenswerte wie faszinierende an der Schau, die rund 80 Exponate umfasst. Die flämischen und niederländischen Maler warfen einen schonungslosen und unsentimentalen Blick auf ihre Zeitgenossen, pinselten hemmungslos Anstößiges, Ausschweifendes, Spöttisches wie auch Lustiges auf Leinwand oder Holz, zur Erbauung der Käufer und Betrachter. Die stammten in der Regel aus der wohlhabenden Mittelschicht und der aufstrebenden Bürgerschaft und liebten den Blick auf die „unmoralischen“ unteren Stände und das vulgäre Spelunkenmilieu.

 

Pieter Bruegel d.Ä. Die Krüppel, 1568, Tafelbild, 20,3 x 17,8 cm Foto© Louvre, Paris, Foto Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam, 2015. Das Bild kann anhand der Kopfbedeckungen unter anderem als Darstellung unterschiedlicher Stände aufgefaßt werden: rote Krone (König), Barett (Bürger), Helm (Soldat), Mütze (Bauer) und Mitra (Bischof).

 

Hochkarätiges  Um dieses interessante Zeit-Bild dem Museumbesucher zu vermitteln, hat "Boijmans Van Beuningen" Meisterwerke aus der ganzen Welt zusammengetragen. Von einem der Malerstars jener Zeit, Pieter Bruegel der Ältere (1525/30-1569), auch als „Bauern-Bruegel“ berühmt (mehr), stammen allein sechs Gemälde der Ausstellung. Dabei ist bekannt, dass dieser Stammvater des verzweigten Bruegel-Clans vergleichsweise wenig produzierte. Noch nie zuvor seien so viele Bruegels zusammen in Rotterdam zu sehen gewesen, betont das Museum stolz.

 

Phillip Galle Kopf eines Narren, etwa 1560, Kupferstich, 37,0 x 29,3 cm © Collection Noord Holland Archief, Haarlem. Foto Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam, 2015

 

Die Herbstausstellung in Rotterdam präsentiert in der Tat eine Auswahl hochkarätiger Gemälde und Drucke. Es sind Kunstwerke, die wie ein Spiegel der Gesellschaft wirken, mit Ironie und Selbstironie geschaffen. Der moralische Zeigefinger taucht so gut wie nie auf, dafür viele Darstellungen mit Humor und Schadenfreude, die auch heute noch für den einen oder anderen Lacher sorgen.


Absolute Spitzenklasse ist ohne Zweifel Hieronymus Bosch´ Triptychon „Der Heuwagen“ von etwa 1515, das der Prado in Madrid ausgeliehen hat. Das kostbare Altarbild des niederländischen Malers sei, so die Kuratoren, überhaupt das erste Mal seit 400 Jahren außerhalb der spanischen Metropole zu sehen. Es ist ein Meisterwerk mit viel Symbolik, einige Szene erinnern an die sieben Todsünden.

     Zwischen den Flügelbildern „Garten Eden“ links und der „Hölle“ rechts steht ein Heuwagen, gezogen von dämonischen Figuren - weder Mensch noch Tier - als Sinnbild des verwerflichen Materialismus, an dem sich Kirchen- und Weltfürsten gierig vergreifen, aber auch das Volk. Dahinter verbirgt sich vermutlich das alte flämische Sprichwort: „Die Welt ist ein Heuhaufen, ein jeder pflückt davon, soviel er kann“ (De wereld is een hooiberg – elk plikt ervan, wat hij kan krijgen).
K2M

 

Die Ausstellung „Die Entdeckung des alltäglichen Lebens – Von Bosch bis Bruegel“ endet am 17. Januar 2016.
Museum Boijmans Van Beuningen

Museumsplatz 18

CX Rotterdam

Tel +31 10 441 9400

Öffnungszeiten

DI - SO 11 - 17 Uhr

 

 

 

 

 

 

 


 

  

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