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rheinische ART 05/2020

Archiv 2020

WIR KAPITALISTEN
Money, Money, Money


Geld, Geld, Geld…regiert die Welt, schmetterte Liza Minnelli im grandiosen Film und im Musical Cabaret von 1972. Vier Jahre später nahm sich die schwedische Pop-Gruppe ABBA des Kapitalismus an und lieferte den Ohrwurm „Money, money, money. Must be funny in the rich man's world“.

 

Achtfacher Escudo von Philipp V. Lima (Vizekönigreich Peru), 1717 © Deutsche Bundesbank, Frankfurt am Main. Fotoquelle Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH 2020

 

Das Thema ist irgendwie unendlich, gobal, oft als „naturgegeben“ und unausweichlich definiert und systemrelevant. In der Bonner Bundeskunsthalle kann der Besucher – wenn das Haus nach der Corona-Zwangspause wieder eröffnet – noch bis Mitte Juli die Schau „Wir Kapitalisten“ sehen.

 

Evelyn de Morgan Die Verehrung des Mammon,1909 © De Morgan Foundation, Guildford. Fotoquelle Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH 2020

 

Poster für das Kapitalismus Game Text/Design: Playersjourney UG/Studio Mahr © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH Motiv: Karl Marx © Public domain

 

Der Kapitalismus wird als kulturgeschichtliche Erscheinung gesehen und aus diversen Perspektiven beleuchtet. Den Besucher erwartet somit ein kulturhistorischer Rundumschlag in Sachen Geld, Investitionen, Reichtum, Globalisierung, Rationalisierung und „typische kapitalistische Dynamiken wie ungebremstes Wachstum und schöpferische Krisen“, betonen die Kuratoren in Bonn.


Rechtzeitig übrigens gibt es auch einen Blick auf den großen Revolutionär und Vordenker Karl Marx aus Trier, an dessen 202. Geburtstag am 5. Mai erinnert wird.

     Marx, der „Einsame Prophet“ wie er oft genannt wird, hatte im Kapitalismus sein Leib-und-Magen-Thema gefunden. Der Rheinländer, dem die Heimat abhandengekommen war und der als Flüchtling und Staatenloser Jahre zubrachte (mehr), war unzweifelhaft der Erste, der das unheimliche und übermächtige Wesen des Kapitalismus, das bis zum heutigen Tage die Geschicke der Menschheit lenkt, beschrieben hatte und anklagte.

     In seiner Bestseller-Schrift „Das Kapital“ von 1858 geißelte er diese Gesellschaftsform als entfesseltes System und sagte einer globalisierten Welt Finanzkollapse, ökonomische Zusammenbrüche und andere systembedingte Krisen voraus.

     Da lag er durchaus richtig. Von Corona war zu seiner Zeit jedoch noch keine Rede, da ließen eher die Pest (mehr) und andere Seuchen das gesellschaftliche Gerüst erbeben.

 

Daniela Rossell Ohne Titel (Ricas y famosas, Reich und berühmt), 2002 © Tate, London, courtesy the artist and Greene Naftali, New York, Daniela Rossell. Fotoquelle Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH 2020

 

Angela Merkels Mobiltelefon Siemens S55, 2003 © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn. Fotoquelle Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH 2020

 

Hans Maler zu Schwaz Porträt von Anton Fugger,1525 © Staatliche Kunsthalle, Karlsruhe. Fotoquelle Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH 2020

 

Klaus Staeck Macht euch die Erde untertan, 1987 © Edition Staeck. Fotoquelle Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH 2020

 

Mit rund 250 Objekten aus Kunst, Geschichte und Alltagskultur ermöglicht die Schau eine Annäherung an ein komplexes Thema von hoher gesellschaftlicher Relevanz und großer Lebensnähe, wie die Bundeskunsthalle erläutert.

     Die „DNA des Kapitalismus“ sei in einem übertragenen Sinne längst Teil unserer eigenen DNA geworden. Die Fragen der Ausstellung lauten: Wie formt der Kapitalismus die Identität und Geschichte des einzelnen Menschen, zum Beispiel hinsichtlich Individualität, Zeitempfinden und materiellem Eigentum? Und kann – oder will – die Gesellschaft etwas ändern?


Was den Kapitalismus für eine so große Ausstellung interessant macht: er ist mehr als ein ökonomisches System. Er ist eine Gesellschaftsordnung, deren Ursprung in Westeuropa liegt. Seit Jahrhunderten prägt kapitalistisches Denken das Leben, die Kultur, die Zivilisation und die Mentalität dieses Raumes.

     Historisch herausragende Entwicklungen waren die Gründung von Finanzinstituten in den mittelalterlichen Stadtrepubliken Norditaliens. Ferner der ertragreiche Fernhandel Hollands, Deutschlands und Englands, durch den bürgerliche Gewerbetreibende - wie etwa die schwäbischen Fugger - zu einer Führungsschicht aufstiegen. Der massive Ausbau neuer Transport- und Kommunikationswege und ab dem 19. Jahrhundert eine beschleunigte industrielle Güterproduktion, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts einen Höhepunkt erreichte, taten ihr übriges.


Ab den 1970er-Jahren gewannen neue Formen der Dienstleistungsgesellschaft, des Finanzkapitalismus und der deregulierten Märkte zunehmend an Bedeutung.

     Zu Beginn des 21. Jahrhunderts zeigte eine weltweite Krise die Grenzen dieses Neoliberalismus auf. Durch die historische Dimension seiner Evolution über viele Jahrhunderte ist der Kapitalismus von der Modernisierung und Entwicklung der Lebenswelt nicht zu trennen.

     Während seines Siegeszuges hat er nicht nur weitere Weltteile erobert, sondern auch immer tiefer in die menschlichen Lebenssphären eingegriffen, alle Lebensbereiche durchdrungen und beträchtlichen Einfluss auf das Denken, Fühlen und Dasein genommen.

     Oder wie es der Kulturwissenschaftler Mark Fisher nach Fredric R. Jameson (*1934), dem US-amerikanischen Marxisten und Literaturkritiker, 2009 provokant formulierte: „Es ist einfacher, sich das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus.“
rART/cpw


Die Ausstellung WIR KAPITALISTEN VON ANFANG BIS TURBO endet am 12. Juli 2020.
Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland
Museumsmeile Bonn
Friedrich-Ebert-Allee 4
53113 Bonn
Tel. 0228 / 9171–200
Öffnungszeiten:
DI – MI 10 – 21 Uhr
DO – SO 10 – 19 Uhr

 

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