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rheinische ART 11/2021

WOLFGANG-HAHN-PREIS
Schnipsel, collagiert


Der Kölner Künstler Marcel Odenbach ist Träger des Wolfgang-Hahn-Preises 2021 der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig in Köln. Mit dieser Auszeichnung reiht er sich ein in die Liste der Preisträger mit so klangvollen Namen wie Betye Saar, Haegue Yang, Michael Krebber / R.H. Quaytman oder Mike Kelley.

 

Marcel Odenbach Schnittvorlage, 2020, Fotokopien auf Papier, 29,7 x 42 cm, © Courtesy Marcel Odenbach und Galerie Gisela Capitain, Köln, VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Saša Fuis


Die Preisverleihung ist immer mit einem Ankauf künstlerischer Arbeiten für die Sammlung des Museum Ludwig verbunden. Von Marcel Odenbach (*1953 in Köln) erwirbt die Gesellschaft seine „Schnittvorlagen“.

 

Diese „Schnittvorlagen“ sind etwas Besonderes. Eigentlich führen sie ein Zwitterleben zwischen Entwurf und Werk und sind über Jahrzehnte entstanden. Durchaus erfüllen sie die Funktion eines fortlaufenden Bildarchivs, das alles aufzeigt, was den Künstler Jahr für Jahr bewegte – gedanklich wie emotional -, und das als Collagen aus schwarz-weißen Bilderschnipseln die Informationen visuell bereithält. Vielleicht darf man das Konvolut als bildhaftes Tagebuch betrachten, denn die Arbeiten sind Blatt für Blatt sehr persönlich. Dies ist auch der Grund, weshalb Mayen Beckmann als Vorsitzende der Gesellschaft dem Künstler für die Möglichkeit des Ankaufs ausdrücklich dankte, und Yilmaz Dziewior, Direktor am Museum Ludwig, seine Freude darüber keinesfalls zu verbergen suchte:
     „Wir sehen es als großen Vertrauensbeweis, dass Marcel Odenbach uns mit den Schnittvorlagen seine vielleicht persönlichsten Arbeiten, die die Essenz seines künstlerischen Schaffens bilden, überlässt. Denn gerade die Archive von Künstlerinnen und Künstlern sind nach meiner Auffassung zentral für den Zugang zu ihrem Werk. Wobei es sich bei Odenbachs Schnittvorlagen auch um bedeutende eigenständige Werke handelt“.

 

Marcel Odenbach Schnittvorlage, 2006, Fotokopien auf Papier, 29,7 x 42 cm, © Courtesy Marcel Odenbach und Galerie Gisela Capitain, Köln, VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Saša Fuis

 

Die 117 Blätter im Format DIN A3 stellen nach Angaben des Hauses die aktuelle Arbeitsgrundlage des Künstlers dar. Jedes Blatt ist einem Thema gewidmet. Odenbach ordnet darauf gedanklich oder visuell korrespondierende Motive an, die er Zeitschriften, Prospekten und vielen anderen Quellen entnommen hat. Die Collagen werden weiterbearbeitet und fließen in neue Werke ein, in denen sich der Künstler mit sozialen und politischen Prozessen auseinandersetzt: Konstruktionen von Gender und kultureller Identität, Kolonialisierung, Globalisierung. Die Arbeitsweise entspricht seinem konzeptuellen Ansatz des Findens, Montierens, Collagierens und Überblendens.

 

Die Schnittvorlagen werden bis Februar 2022 in einer Ausstellung im Museum Ludwig gezeigt. Sie waren zuvor nie öffentlich zu sehen und werden danach – und das ist ungewöhnlich genug - zurück an ihren Ursprungsort gebracht: ins Atelier des Künstlers. Dort sollen sie ihm weiterhin als Arbeitsgrundlage, Bildspeicher und Archiv per Dauerleihgabe zur Verfügung stehen. Und vielleicht finden sie dort, so wird es von Odenbach zumindest nicht ausgeschlossen, ihre Fortführung.

 

Marcel Odenbach, Köln 2021, Foto: Jürgen Schulzki, Köln

 

Über den Künstler Marcel Odenbach, 1953 in Köln geboren, lebt in Köln, Berlin und Cape Coast in Ghana. Seine erste institutionelle Einzelausstellung hatte der Künstler bereits während seines Studiums 1978 bei der Stiftung De Appel in Amsterdam. Es folgten Einzelausstellungen unter anderem im Kölnischen Kunstverein (1979), im Institute of Contemporary Arts Boston (1986), im Centre Georges Pompidou Paris (1987), im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart Berlin (2006), im Kunstmuseum Bonn (2013), im Tel Aviv Museum of Art (2016) und in der Kunsthalle Wien (2017).
Bis zum Frühjahr 2021 lehrte Odenbach Film und Video an der Kunstakademie Düsseldorf. Noch bis zum 9. Januar 2022 ist Odenbachs Werk in der Retrospektive Marcel Odenbach: „so oder so“ in der Düsseldorfer Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K21 sehen.
ruwoi

 

Die Ausstellung „Wolfgang-Hahn-Preis 2021 – Marcel Odenbach“ ist bis zum 20.02.2022 zu sehen.
Museum Ludwig
Heinrich-Böll-Platz
50667 Köln
Tel. 0221 / 221 26165
Öffnungszeiten
DI-SO 10-18 Uhr
Jeden ersten Donnerstag im Monat 10 - 22 Uhr

 

Katalog Der umfangreiche Katalog Marcel Odenbach. Wolfgang-Hahn-Preis 2021, hrsg. von Carla Cugini, mit Texten von Susanne Pfeffer und Yilmaz Dziewior, erscheint im Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, 264 Seiten, 117 Abbildungen s/w (4c gedruckt), Format (Breite x Höhe) 29,5 x 20,8 cm, Buchhandelspreis: 25 Euro.


► Über den Wolfgang-Hahn-Preis Der Wolfgang-Hahn-Preis wird jährlich von der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig vergeben, 2021 zum 27. Mal. Mit der Auszeichnung sollen vorrangig zeitgenössische Künstler geehrt werden, die sich in der Kunstwelt durch ein international anerkanntes Œuvre bereits einen Namen gemacht haben, in Deutschland aber noch nicht so bekannt sind, wie sie es verdienen. Das Preisgeld in Höhe von maximal 100.000 Euro setzt sich aus den Beiträgen der Mitglieder zusammen und fließt in den Erwerb eines Werks oder einer Werkgruppe der Künstler für die Sammlung des Museum Ludwig. Mit dem Preis verbunden sind vom Museum Ludwig organisierte Ausstellungen der erworbenen Arbeiten der Preisträger sowie die Herausgabe begleitender Publikationen.
     Der Name des Preises ehrt das Andenken an den passionierten Kölner Sammler und Gemälderestaurator Wolfgang Hahn (1924–1987), der sich in vielfältiger Hinsicht für die Kunst der europäischen und amerikanischen Avantgarde in Köln engagierte. Seinem vorbildlichen Wirken als Sammler, als Gründungsmitglied der Gesellschaft und als Leiter der Restaurierungswerkstätten des Wallraf-Richartz-Museum / Museum Ludwig fühlt sich die Gesellschaft für Moderne Kunst verpflichtet.

 

 

 

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