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rheinische ART 10/2015

Archiv 2015

SELFIE
Ego Update

 

Seit einiger Zeit liegt sie auf dem Schreibtisch: Die Pressemappe der Ausstellung Ego Update im NRW-Forum in Düsseldorf. Es ist die erste Schau, die der neue Leiter des Hauses, Alain Bieber, konzipiert hat. Ich war da, habe sie mir angesehen, fühlte mich unterhalten, spritzig und dynamisch wie die Schau ist, doch der Eindruck einer Kunstausstellung war wenig omnipräsent. Und nun auch noch das: Besucher drehen die Pressemappe nach einiger Zeit um, legen den Titel nach unten. Zu sehen bleibt nur noch die weiße Rückseite.

 

Impression der Ausstellung EGO UPDATE im NRW-Forum Düsseldorf. Foto© rART

 

Eine Daueransicht des Titels ist auch mir nicht genehm, aber – was für eine Reaktion. Dem neuen grafischen Auftritt des Hauses folgend, der übrigens sehr gut gefällt, ist der Titel in freie Felder unterteilt, die je nach Anlass entsprechend mit Inhalt gefüllt werden sollen. Im aktuellen Fall ist es ein „Selfie“ und zeigt eine junge Frau, die ihren Rock lüftet um ihren Intimbereich mit dem Smartphone zu fotografieren. Darunter steht zu lesen: Die Zukunft der digitalen Identität.

 

Arvida Byström Untitled, Instagram Sculptures © Arvida Byström

 

Andreas Schmidt Andy Warhol aus Fake Fake Art (2012) © Andreas Schmidt

 

Alain Bieber, Kurator der Ausstellung, huldigt der Selfie-Kultur auf seine Weise. Sein Pullover trägt sein Konterfei über und über. Das hat was ... Foto©rART

 

Kalt lässt es den Betrachter also nicht, das Selfie. Doch was will diese junge Frau mit ihrer doch sehr persönlichen Pose sagen? Vermutlich nichts. Zumindest mir nichts und meinen Besuchern auch nicht. Es ist ein Selbstportrait von Arvida Byström.

     Das digitale Netz ist voller Selfies, die ein jeder sich angucken kann, wenn er Lust hat. Dieser anonyme Voyeurismus hat Millionen Anhänger, das ist bekannt, und es sind wohl auch Millionen, die in sozialen Netzen ihr Ich narzistisch produzieren und „teilen“. Ihr Sujet sind sie selbst. Es ist ein Massenphänomen in unserer Gesellschaft, ein Hype, der da stattfindet, etwas, das in Mode ist, aber dem Gesetz der Mode folgend auch unausweichlich der Vergänglichkeit unterliegt.

 

Alain Bieber hat 23 internationale und nationale Positionen zusammen getragen, die zeigen, was derzeit in den Netzen so feilgeboten wird. Darunter sind Autoportraits wie von Martin Parr (mehr), der den Betrachter aus einem Haifischmaul zurück betrachtet, Fakes, die als Fälschungen wahre Szenerien mit bekannten Persönlichkeiten vortäuschen wie bei Andreas Schmidt oder Alison Jackson, die Andy Warhol, Angela Merkel, Königin Elisabeth und andere optisch aufs Sofa oder in eine Badewanne setzen. Übrigens Andy Warhol: mit seinen zahlreichen Selbstportraits dürfte er wohl die Selfie-Kultur vorweggenommen haben! Und dann gibt es massenhaft „Fuß-Selfies“, die Erik Kessels zusammengetragen hat, oder Blicke in Kehlen fremder Menschen, deren Münder zum Schrei geformt sind, und, und, und ... Mit dabei ist Profanes, Witziges, Intimes, Träumerisches ... im Charakter mal aufdringlich, überraschend, ästhetisch, auch hemmungslos.

 

Impression der Ausstellung EGO UPDATE im NRW-Forum Düsseldorf. Foto© rART


Zeitgeist Doch die Selfie-Kultur, sie ist im Abschwung begriffen. Zumindest in dieser Form. Der Zeitgeist ist dabei, diese in vollem Tempo zu überholen (Technik first – die Netzbetreiber bauen derzeit ihre Netze für schnellere Geschwindigkeiten und bitgewichtige Inhalte aus. Der Film und nicht mehr das Foto wird die Selfie-Kultur wohl bestimmen). Deshalb darf man auch erstaunt sein, in einer dem Untertitel nach zukunftsgewandten Foto-Ausstellung eigentlich nichts Neues zu sehen. Alain Bieber danach gefragt antwortet dieser diplomatisch und bemerkt, dass etwas „alt“ ist, sobald es „im Museum ist“. Nun ist sein Haus kein Museum, sondern ein Ausstellungshaus – doch das nur am Rande. Bieber empfiehlt einen Blick in das Begleitprogramm zum Thema „Ego update“.

 

Nicolas Ritter Moviestill aus “The Cloud” (2015) © Nicolas Ritter

 

Die Zukunft der digitalen Identität, hier lässt sie sich erahnen. Die Ausstellung darf man als analogen Standpunkt einer gesellschaftlichen Strömung verorten. Zur kommenden Zeit im NRW-Forum gehören ungewöhnliche Performances, eine Cyborg-Messe namens Science + Fiction, die die Verschmelzung von Mensch und Maschine auf der Agenda hat und das Partnerprojekt „Streaming Egos – digitale Identitäten in Europa“ mit dem Goethe-Institut. Diese Aktion konzentriert sich ausgehend von der Grundfrage der Menschheit „Wer bin ich?“ auf die kollektive Version dieser Frage mit „Wer sind wir?“
Irmgard Ruhs-Woitschützke

 

Die Ausstellung „EGO UPDATE. Die Zukunft der digitalen Identität“ ist bis zum 17. Januar 2016 zu sehen.
NRW-Forum Düsseldorf
Ehrenhof 2
40479 Düsseldorf
Tel. 0211 / 8926690

Öffnungszeiten

DI - SO 11 - 20 Uhr

FR 11 - 22 Uhr

 

 

 


 

 

  

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