rheinische ART
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rheinische ART 01/2022

Archiv 2021

ETHNOLOGIE
Ainu-Revival


Gab es auf dem japanischen Archipel eine indigene Bevölkerung, bevor die japanische Kolonisierung einsetzte? Seit 2009 ist die Frage höchstoffiziell geklärt: Sprache und Tanz als identitätsstiftende Momente der Ainu wurden von der UNESCO zu „Immateriellen Kulturgütern“ erklärt.

 

Ainu-Frau beim traditionellen Maultrommelspiel; ein fast vergessenes Instrument („Mukkuri“) aus einer alten Vergangenheit. Foto © National Ainu Museum, Bildquelle Rautenstrauch-Joest-Museum Köln

 

Die Ethnie der Ainu gilt als Urbevölkerung vor allem Nordjapans, die vorzugsweise als Jäger-Sammler-Fischer-Gemeinschaft auf den Inseln Hokkaido und Sachalin lebten. Anthropologische Forschungen gehen davon aus, dass der Volksstamm sich aus der prähistorischen Jōmon-Kultur entwickelte und von 14.000 bis 300 v.Chr. auch in anderen Teilen der Inselregion siedelte.

 

Fotografische Arbeit „Porträt Haruzo Urakawa“ aus „Ainu Neno an Ainu“ © Laura Liverani 2012; Bildquelle Rautenstrauch-Joest-Museum Köln

 

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Ainu von Japan kolonisiert, umgesiedelt, diskriminiert und ausgebeutet. Und erst über 100 Jahre später besann man sich wieder mehr auf ihre Traditionen.

     Dies leitete eine Revitalisierungsbewegung ein, die im Jahre 2008 zu ihrer Anerkennung als indigene Gruppe und 2019 zur offiziellen Anerkennung als Minderheit mit eigenen Rechten in Japan führte.

     Vorläufiger Höhepunkt dieser Entwicklung: 2020 wurde das erste Ainu-Museum auf der Insel Hokkaido eingeweiht. Heute leben offiziell bis zu 200.000 Menschen in Japan, die sich als Ainu oder Utari bezeichnen. Ainu bedeutet in der Sprache dieser Volksgruppe „Mensch“, Utari „Kamerad“.

 

Ainu von der Insel Ezo (Hokkaidō) in traditioneller Tracht. Aus: Die Gartenlaube, Leipzig 1880. Nach japanischen Photographien auf Holz übertragen von Adolf Neumann. Bildquelle Wikipedia gemeinfrei.

 

Obergewand (attush) aus Ulmenbast aus dem 19. Jh., Vorderseite; © Rheinisches Bildarchiv (RBA), Fotografin: Anja Wegner, rba d055073; Bildquelle Rautenstrauch-Joest-Museum Köln

 

Das Kölner ethnologische Rautenstrauch-Joest- Museum (RJM) zeigt eine Ausstellung mit Schwerpunkt auf der aktuellen Revival-Bewegung in Japan. „Eine Seele in Allem – Begegnungen mit Ainu aus dem Norden Japans“ lautet der Titel.

     Die Schau liefert einen Blick auf die Historie dieser Völkerschaft, auf seine Glaubensvorstellungen, bei denen zum Beispiel der Bärenkult – ein zentrales Ritual des klassischen Schamanismus – eine wichtige Rolle spielt, sowie auf den Wandel von Stereotypen. Sie bietet gleichzeitig einen Eindruck von der Schönheit der materiellen Kultur.

     Ein besonderes Exponat dieser ungewöhnlichen Präsentation stellt ein besticktes Ainu-Gewand aus Rindenbast dar.

 

Der Besuch einer japanischen Delegation im Herbst 2019, welche „Ainu-Sammlungen“ in europäischen Museen dokumentierte, war Anlass für die Kölner Ausstellung. Sie wurde gemeinsam mit einer Vielzahl von Ainu-Aktivisten, Wissenschaftlern und Künstlerinnen entwickelt, um die Stimmen der Ainu hörbar zu machen.

     Gezeigt werden neben den traditionellen Objekten dieser Urbevölkerungskultur auch zeitgenössische künstlerische Positionen, darunter Arbeiten der Ainu-Aktivistin Mayunkiki. In ihren Videos reflektiert sie, was es bedeutet „Ainu“ zu sein und damit Teil einer gesellschaftlichen Minderheit in Japan.

     Die Auseinandersetzung mit ihrer Tradition der Tatauierung von Frauen, also das Einstechen und Färben der Haut, und die Reaktionen der Gesellschaft wie auch ihrer eigenen Familie dokumentierte sie akribisch.

     Beeindruckende Ainu-Porträts der alten wie auch der jungen Generationen stammen von der italienischen Dokumentarfotografin und Regisseurin Laura Liverani. Sie setzen einen Kontrapunkt zu den historischen Porträts dieser Menschengruppe in der Foto-Sammlung des RJM. Die fotografischen Selbstinszenierungen vermitteln auf sensible Weise die Verankerung in der Gegenwart und zugleich ein erstarktes Bewusstsein der Traditionen.
K2M


 Die Ausstellung ist in Kooperation mit dem National Ainu Museum, Hokkaido und der Japan Foundation Köln kuratiert worden.
► Eine große und exquisite eigene Sammlung zur Kultur der Ainu besitzen die Staatlichen Ethnographischen Sammlungen (SES) Dresden. Sie kooperieren mit der Ainu Foundation Sapporo (mehr)

 

Die Ausstellung „Eine Seele in Allem - Begegnungen mit Ainu aus dem Norden Japans“ ist bis zum 20. Februar 2022 geöffnet.
Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt
Cäcilienstraße 29-33
50667 Köln
Tel 0221 / 221-31356
Öffnungszeiten
DI – SO 10 – 18 Uhr
DO 10 – 20 Uhr

 

Weiterführende Informationen
► Nationales Ainu Museum Hokkaido (hier)

 

 

 

 

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