rheinische ART
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rheinische ART 10/2011

 

 

Archiv 2011: aus "Besuchenswert"

Von Seladongglasur bis Sake-Set

 

Japanische Keramik einst und jetzt

 

 

KAWABATA, Fumio, Vasenobjekt, 2003
Unglasiertes Steinzeug aus marmoriertem Ton mit Feuerschnur-Dekor

 

Ein Japan-Jahr ohne eine umfangreiche Würdigung des Faszinosums Keramik kann es nicht geben. Und so greift auch das Hetjens-Museum in Düsseldorf das Thema auf und bietet mit der breit angelegten Sonderschau „Japanische Keramik zwischen Tradition und Moderne“ eine überaus interessante Sichtweise auf die Tonwaren Nippons. Historische Objekte werden moderner Japan-Keramik gegenübergestellt.

 

DIE gestalterische Vielfalt in der Keramikszene Japans spiegelt sich in der Düsseldorfer Ausstellung wider und verdeutlicht darüber hinaus das bis heute charakteristische Nebeneinander von töpferischer Tradition und Moderne.

 

Teekeramik

 

Japans Tonwarenproduktion ist seit 12 Jahrtausenden belegt. Die heute verwendeten Formen haben immerhin eine Geschichte von annähernd tausend Jahren. Großen Einfluss auf die Formgebung hatte die seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundert populär gewordene Teekeramik. Die in jener Zeit entwickelten Gefäßtypen wie Teeschalen, Frischwasserbehälter und Teepulverdosen sind eng mit dem Zen-Buddhismus verknüpft. Dieser speziellen Töpferphase, die als Momoyama-Epoche (1573-1615) bezeichnet wird, hatte einen enormen Einfluss auf die spätere Keramikproduktion. Im Rahmen des Japan-Jahres hatte die Stiftung Keramion Frechen bereits im Sommer der Momoyama-Epoche und der Teezeremonie eine interessanten Ausstellung gewidmet (mehr).

 

Altes neu interpretiert

 

HOSHINO Kayoko, Vasenobjekt, 2006
Unglasiertes Steinzeug mit Kamm- und Silberdekor

 

Die moderne japanische Töpferei orientiert sich nach wie vor stark an traditionellen Vorbildern, was sich in Formentypen und Dekoren wie auch der Verwendung althergebrachter Techniken ausdrückt. Deutlich ist zudem der bis heute prägende Einfluss des Zen-Buddhismus, denn gerade die Teekeramik ist in ihrer kunstvollen Natürlichkeit nicht ohne den buddhistischen Kontext zu verstehen.

   Ein Augenmerk der Hetjens-Ausstellung liegt deshalb auf der Keramik und den Gerätschaften für die traditionelle Teezeremonie. Das Museum zeigt ferner die große Bandbreite an zeitgenössischen Glasuren und Dekortechniken. Hierzu gehören Glasur-Neuinterpretationen der tausend Jahre alten Seladongglasur wie auch der leuchtend tiefroten Kupferreduktionsglasur. Neben kunstvollen Reliefstrukturen, Ritzungen, Intarsien und Applikationen wird daneben deutlich, dass die neuzeitliche japanische Töpferei oft auf Glasuren und Dekore verzichtet und nur die durch Brand und Ascheflug entstehenden Spuren auf den gebrannten Tonwaren zulässt.

   Die Ausstellung lenkt den Blick auch auf den Formenreichtum der Gebrauchskeramik, die sich in ihrer Funktion von der europäischen deutlich unterscheidet. Klassische Objekte sind hier Hüftflaschen und Sake-Sets zum Genuss von Reiswein. Die ausgestellten Stücke stammen überwiegend aus einer rheinischen Privatsammlung, die 2010 an das Museum für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen Berlin als Schenkung übergeben wurde. Eine Auswahl aus dieser Kollektion ist im Hetjens-Museum ausgestellt, ergänzt durch Exponate des eigenen Bestandes.

Klaus M. Matinetz


Im Zuge der ab 1861 mit der Meiji-Zeit einsetzenden japanischen Staatsmodernisierung und der wachsenden Handelstätigkeiten kam der aus Göttingen stammende deutsche Wissenschaftler Gottfried Wagener im Jahre 1868 nach Japan. Gottfried Wagener (1831-1892) war Professor für Physik an verschiedenen Instituten in der alten Kaiserstadt Kyoto und für Chemie an der Universität Tokio. Er spielte unter anderem eine entscheidende Rolle bei der Modernisierung der japanischen Handwerkskunst und der industriellen Produktion von Keramik. Wagener, der häufig als „Vater der modernen Keramik Japans“ bezeichnet wird, leitete die ersten internationalen Präsentationen Japans auf den Weltausstellungen in Wien (1873) und Philadelphia (1876). Der Chemiker war ferner Gründungsmitglied des Tokyo Institute of Technology. Mit dem jährlich vergebenen „Gottfried Wagener Prize“ (German Innovation Award) werden innovative Forschungsprojekte junger japanischer Wissenschaftler ausgezeichnet.

 

Die Ausstellung "Japanische Keramik zwischen Tradition und Moderne" ist bis zum 29. Januar 2012 zu sehen.

Hetjens-Museum/ Deutsches Keramik Museum
Schulstraße 4
Düsseldorf
Tel. 0241 / 1807-104

Öffnungszeiten:
DI,DO,FR,SA, SO 11-17 Uhr
MI 11-21 Uhr