rheinische ART
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rheinische ART 12/2020

Archiv 2020

JOSEF HOFFMANN
Puristisch, kubistisch


Ob exklusive Leuchten, Möbel, Schmuck oder schönes Geschirr: revolutionäres Design aus der Wiener Werkstätte GmbH ist so gut wie zeitlos. Zu den Spitzenreitern gehören Entwürfe von Josef Hoffmann.

 

 Josef Hoffmann Sanatorium Westend, Purkersdorf, Fassade, 1905. Foto © Museum für angewandte Kunst (MAK) Wien, Wolfgang Woessner

 

Der Architekt, Gestalter und Lehrer Josef Hoffmann wurde im Dezember vor 150 Jahren in dem zu Österreich-Ungarn gehörenden Mähren geboren.

 

Portrait Josef Franz Hoffmann, Architekt, Innenarchitekt und Kunsthandwerker, um 1930, Fotograf unbekannt. Foto © IMAGNO/Austrian Archives Mediennr. 00125719

 

Offener Innenhof (Patio) des Österreichischen Hauses von Josef Hoffmann auf der Kölner Werkbundausstellung 1914 mit Springbrunnen des Designers und Bühnenbildners Oskar Strnad, 1914. Foto © Wikipedia gemeinfrei 

 

Er ist eine der zentralen Figuren der „Wiener Moderne“ und der internationalen Lebensreformbewegung.

     Als unermüdlicher Designer habe er auf der Basis handwerklich geprägter sowie künstlerisch ambitionierter Bau- und Produktkultur „ein exemplarisches Modell moderner Lebensweisen“ kultiviert. So das Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK), das 2021 mit einer großen Ausstellung das Gesamtwerk Hoffmanns dokumentieren wird.


In Wien gilt der 24. Mai 1897 mit der Gründung der Secession als Geburtsstunde der Moderne (mehr). Neunzehn Künstler verließen damals mit Gustav Klimt (mehr) an der Spitze aus Protest das traditionelle Künstlerhaus und gründeten die „Vereinigung bildender Künstler Österreichs, Secession“.

     Die progressiven Kreativen wollten sich nicht mehr dem historistischen Geschmack und politischen Willen beugen. Einer der Mitbegründer: der 27jährige Josef Franz Hoffmann (1870–1956).

     Er gehörte zu den bedeutendsten Baumeistern und Entwerfern seiner Zeit. 1903 war er mit Koloman Moser und dem Industriellen Fritz Wärndorfer Mitinitiator der Produktionsgemeinschaft Wiener Werkstätte. Ebenso war er an der Gründung des Österreichischen und Deutschen Werkbundes beteiligt. Auch im Rheinland machte sich Josef Hoffmann einen Namen. Er entwarf den Österreichischen Pavillon für die legendäre Kölner Werkbundausstellung 1914 (mehr).

 

 

Josef Hoffmann  Palais Stoclet, Straßenfassade des luxuriösen Wohnhauses im Jugendstil in der Brüsseler Avenue de Tervuren, 1914. Fassadenbekleidung in weißem Turilli-Marmor aus Norwegen, eingefasst mit wulstförmigen schwarz oxydierten Kupferstäben. Foto © Museum für angewandte Kunst (MAK) Wien 2020


Internationales Renommee erlangte Hoffmann, als nach seinen Plänen ab 1905 das Palais Stoclet in Brüssel gebaut wurde. Das heutige UNESCO-Welterbe war sein wichtigstes Architekturprojekt neben dem gleichzeitigen Bau des Sanatoriums Purkersdorf (1904–1905) bei Wien.

     In Belgiens Metropole sollte er jedoch nicht nur eine Villa planen. Der vermögende Auftraggeber Adolphe Stoclet, Erbe eines Bank- und Industrieimperiums, wünschte eine künstlerische Ausgestaltung zu einem Gesamtkunstwerk. Und das war die Villa nach Fertigstellung 1911 mit dem Mosaik-Fries von Gustav Klimt im Speisezimmer („Die Erwartung“ und „Die Erfüllung“).

     

Josef Hoffmann Anhänger für die Wiener Werkstätte, 1907. Foto © Museum für angewandte Kunst (MAK) Wien, Katrin Wißkirchen 2020

Kubus Sessel von Josef Hoffmann (Nachbau), Entwurf von 1910. Foto © Hersteller Classic Design.com

 

Josef Hoffmann Trinkglas Serie B von 1912, ein Klassiker, der bis heute nachgefragt wird. Foto © J. & L. Lobmeyr GmbH Wien 

 

Aber Erfolg schafft bekanntlich nicht nur Freunde. Der Architekt Hoffmann galt als Erzrivale des gleichaltrigen Baumeisters Adolf Loos. Beide, in Wien residierend, verband offenbar eine gepflegte Abneigung.

     Insgesamt war Hoffmann fünf Jahrzehnte überaus erfolgreich tätig und entwarf so gut wie alles, von Textil-, Mode- und Möbelprodukten bis hin zu Schmuck und Gebäuden. Darunter vieles für namhafte Unternehmen wie etwa den k.u.k.- Hoflieferanten Lobmeyr.

 

Seine puristische, kubistisch-strenge Formensprache wird auf Anregungen zurückgeführt, die er während eines einjährigen Aufenthalts in Italien erlangte. Dort war Hoffmann von den kastenförmigen, weiß gekälkten Landhäusern beeindruckt.

     Gestalterisch fanden diese Stilelemente extremen Ausdruck etwa in Ledersesseln, die zum Beispiel aus 92 schwarzen Lederkuben zusammengenäht waren. So was hatten die Innenarchitekten des Kaiserreichs noch nicht gesehen! Und sein Schöpfer musste sich einige Jahre lang als „Quadratl-Hoffmann“ verspotten lassen.

     Aber diese Sitzmöbel wurden Klassiker. Die radikal schmucklosen Entwürfe kamen ab 1970 aus der Versenkung, nachdem sich amerikanische Raumgestalter und Wohnkultur-Fans für die Möbel aus der Hoffmann-Ära begeisterten.

     In seinen Schaffensjahren ab 1924 verlegte sich der Architekt auf den Wiener Wohnungsbau. In der NS-Zeit realisierte er unter anderem den Bau eines „Hauses der Wehrmacht“. Gleichwohl wurden ihm während dieser Zeit keine Ehrungen zuteil. Seine Haltung zum Regime wurde daher im Nachhinein als ambivalent charakterisiert.
K2M


Aus Anlass des 150. Geburtstags präsentiert das Museum für angewandte Kunst (MAK) Wien ab Dezember 2021 mit der Ausstellung JOSEF HOFFMANN. Fortschritt durch Schönheit erstmals umfassend dessen Gesamtwerk. Die ursprünglich ab Dezember 2020 geplante Ausstellung wurde um ein Jahr verschoben.