rheinische ART
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rheinische ART 07/2020

JOSEPH BEUYS
… und Italien

 

Die südliche Sonne hat auch ihn nicht kalt gelassen: Joseph Beuys. Das Museum Schloss Moyland widmet dieser Beziehung wie Leidenschaft, die ganz konkret Kunst hervorbrachte, eine Ausstellung.

 

Giuseppe “Buby” Durini: René Block, Joseph Beuys, Klaus Staeck und Lucio Amelio bei der Mahlzeit, Rom, 1972. Foto: © Buby Durini Archive De DOMIZIO DURINI, Museum Schloss Moyland, Joseph Beuys Archiv

 

Anlass ist der 99. Geburtstag des Künstlers in diesem Jahr. Die „Schnapszahl“ hätte ihm, der 1986 verstarb, vielleicht gefallen. Vielleicht wäre sie ihm aber auch gleichgültig gewesen und er hätte sein Augenmerk auf den 100. Geburtstag 2021 gerichtet.


Das tuen nun andere für ihn, denn das kommende Jahr ist Beuys-Jahr. Das Land Nordrhein-Westfalen teilte mit: „Joseph Beuys gehört zu den weltweit bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts … vor 34 Jahren ist er gestorben, doch seine Ideen sind hochaktuell. Sein 100. Geburtstag im Jahr 2021 bietet Anlass für rund 20 Museen und Kulturinstitutionen des Landes Nordrhein-Westfalen, den im Rheinland geborenen Künstler, sein komplexes Wirken und seine internationale Ausstrahlung zu würdigen, neu zu entdecken und kritisch zu befragen. ‚beuys 2021. 100 jahre joseph beuys‘ ist ein Projekt des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf als Träger … `Mit ‚beuys 2021‘ wollen wir den ‚Mann mit dem Filzhut‘ und sein Werk würdigen, ihn neu entdecken und seine Denkanstöße in die heutige Zeit übersetzen`, so Schirmherr Ministerpräsident Armin Laschet.“

 

Fabio Donato: Joseph Beuys in der Villa Orlandi, Capri, September 1971, Foto: © Fabio Donato, Museum Schloss Moyland, Joseph Beuys Archiv

 

Die Präsentation in Moyland » … hier ist meine Heimat – Beuys in Italien« umfasst 95 Werke mit Fotografien, Plakaten, Multiples, Objekten und Dokumenten, die einen Einblick in die Aktivitäten geben, die Beuys in Italien entfaltet hat. Darunter die frühe Lithografie „Adriatischer Weinmarkt“ (1946/47) sowie eine Auswahl von Arbeiten auf Papier aus den 1950er Jahren und Werke aus den 1970er und -80er Jahren.

     Beuys´ Faszination für Italien entwickelte sich, als er 1943 als junger Soldat, zum ersten Mal in Italien, für mehrere Monate in Foggia in Apulien stationiert war. Der Aufenthalt in der süditalienischen Provinz hinterließ einen bleibenden Eindruck. Das besondere Verhältnis zu Italien zeigt sich in Ausstellungen des Künstlers unter anderem in Neapel, Rom und auf der Biennale von Venedig sowie in zahlreichen Projekten und Werken, die mit Italien in Verbindung zu bringen sind.
1973 zeigte Beuys in einer großen Ausstellung internationaler Kunst in einer Tiefgarage unter dem Stadtpark Villa Borghese in Rom eine Installation mit dem Titel „Arena“ - Dove sarei arrivato se fossi stato intelligente? („Wo wäre ich hingekommen, wenn ich intelligent gewesen wäre?“). Die Installation bestand aus einhundert schweren Metallrahmen, in denen Beuys Fotografien eigener Werke, Installationen und Aktionen zu einer Art künstlerischer Biografie zusammengestellt hatte. In der Präsentation „Beuys in Italien“ werden davon 15 gezeigt.
     Berühmt und ebenfalls sehr einprägsam ist das Multiple „Capri-Batterie“, das Beuys 1985 bei seinem letzten Aufenthalt auf Capri schuf. Eine sonnengelbe Glühbirne ist mit einer echten Zitrone kombiniert: Strom und Erleuchtung aus der Natur!

 

Mimmo Jodice: Joseph Beuys bei den Gipslöwen, Piazza dei Martiri, Neapel, 1975, Foto: © Mimmo Jodice, Museum Schloss Moyland, Joseph Beuys Archiv


Beuys Mäzene und Gönner waren das Ehepaar Durini aus Bolognano, einem winzigen Ort nahe Pescara in den Abruzzen. Zwischen 1972 und 1985 verbrachte Joseph Beuys dort als ihr Freund und Gast jährlich mehrere Wochen, um sein langfristiges künstlerisch-ökologisches Projekt „Difesa della Natura“ zu betreiben. Es waren jene Jahre, in denen Beuys agrare Erneuerung, ökologisches Denken und Umweltschutz, quasi frühes „grünes Gedankengut“ in Veranstaltungen und Aktionen propagierte.
     Die kunstsinnigen Landgutbesitzer Baron Buby Durini und dessen Gattin Baronessa Lucrezia, trugen – der Faszination der Künstlerpersönlichkeit erlegen – eine der größten privaten Beuys-Sammlungen zusammen. 2011 zeigten sie diese Arbeiten unter dem Titel „Difesa della Natura“ im Kunsthaus Zürich. Das Sammlerpaar überließ dem Schweizer Haus ihre gesamte Beuys-Kollektion als Schenkung. Die Durinis hatten dem Museum bereits 1992 das außerordentliche Werk „Olivestones“ von Beuys geschenkt.

     Die Zürcher Zeitung bemerkte (13.05.2011) dazu : „Dass die Zürcher Institution in den Genuss dieser Zuwendung kommt, verdankt sie nicht zuletzt der engen Beziehung ihres früheren Kurators Harald Szeemann und dem Engagement des ehemaligen Direktors Felix Baumann. Ein weiterer Grund für die grosszügige Schenkung mag darin liegen, dass «die Italiener Beuys nie geliebt haben», wie Lucrezia De Domizio bemerkte.“
     Vielleicht haben sie ihn nicht geliebt, respektiert aber sicherlich.
Irmgard Ruhs-Woitschützke

 

Die Ausstellung „Beuys in Italien“ ist bis zum 13. September 2020 zu sehen.
Museum Schloss Moyland
Am Schloss 4
47551 Bedburg-Hau
Tel. 02824 / 9510-60
Öffnungszeiten
DI – FR 11 – 18 Uhr
SA + SO. 10 – 18 Uhr

 

 

 

 

 

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