rheinische ART
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rheinische ART 04/2021

NATUR-INSTALLATION
Die Ein-Baum-Show

 

Der Schweizer Künstler Klaus Littmann hat es wieder getan! Er hat Natur und Kunst erneut in einer Installation verbunden – dieses Mal mit einem einzigen Baum.

 

Sitzreihen wie die Jahresringe eines Baumtammes: Planzeichnung der begehbaren Kunstintervention „Arena für einen Baum“ auf dem Basler Münsterplatz. Fotoquelle Kulturstiftung Basel H. Geiger/ KBH.G. Foto © Klaus Littmann 2021

 

Schau-Erlebnis Arena für einen Baum. Begehbare Kunstintervention von Klaus Littmann, Münsterplatz Basel, 2021. Präsentiert von KBH.G © Gerhard Maurer

 

„Arena für einen Baum“ heißt die begehbare Kunstintervention auf dem Münsterplatz in Basel. „Die Natur selbst ist ein gewaltiges Gesamtkunstwerk – also kann man ihr auch einmal ein kleines widmen“, erklärt Littmann sein durchaus aufwändiges Werk rund um ein einziges Gewächs.

      Dieses ist tatsächlich der Hauptakteur und das einzige Exponat: 50 Personen bietet die Arena einen Sitzplatz mit Blick auf die Pflanze. Die Phyto-Manege ist nach innen und außen, optisch wie physisch durchlässig und kann täglich von 11 bis 20 Uhr betreten werden.
     Klaus Littmann ist zwar ein Experimentator, aber keinesfalls ein Neuling auf dem Gebiet der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Natur.

 

299 Bäume in der „Kraterarchitektur“ des Klagenfurter Wörthersee-Stadions: „For Forest – Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ 2019. Foto © Klaus Littmann 2021

 

Erst 2019 hatte er mit dem Projekt „For Forest – Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ in dem völlig überdimensionierten Klagenfurter Wörthersee-Fußballstadion 299 Bäume gepflanzt und damit die internationale Kunst- und Kulturszene entzückt (mehr). Mehr noch: Die Mischwaldbepflanzung „in der Kraterarchitektur eines Stadions“, gedacht als Mahnung vor der Naturvernichtung, traf den Nerv der Zeit und den der Menschen rund um den Globus. Der Schweizer ist zutiefst überzeugt: „Menschen brauchen die Natur“.

 

Klaus Littmann (*1951) lebt und arbeitet in Basel. Er studierte von 1970 bis 1976 an der Düsseldorfer Kunstakademie unter anderen zwei Jahre bei Joseph Beuys. Foto © Klaus Littmann 2021

 

Vorbild Beuys Heutige Teilansicht der documenta Sozial-Plastik „7.000 Eichen. Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ in Kassel, gepflanzt zwischen 1982 und 1987. Foto © Stiftung 7000 Eichen

 

Jetzt wird ab dem 27. April in Basel diese Art von Kreativität in einer zweiteiligen Aktion weitergeführt, präsentiert von der Kulturstiftung Basel H. Geiger KBH.G. Den Auftakt markiert die Ein-Baum-Show als temporär begehbare Kunstintervention auf dem Basler Münsterplatz.

     Es folgt eine Ausstellung namens "Tree Connections", die sich neben Littmanns Arena-Projekt vor allem dem Baum als vielfältigen Topos in der Kunstgeschichte widmet – von seiner Rolle als bloße Staffage im 19. Jahrhundert bis hin zum Star des Umweltschutzes heute.

 

Littmanns raumgreifende, ökologisch-ökonomisch und sozial unterfütterte Großprojekte haben Vorläufer. Der Schweizer sieht sich selbst in der Tradition des spektakulären „Verhüllungspaares“ Christo und Jeanne-Claude. Das Künstler-Duo hatte zum Beispiel 1998 bei der Aktion „Wrapped Trees“ in Riehen bei Basel 178 Bäume des Berower Parks der Fondation Beyeler in Polyestergewebe eingewickelt
     Noch deutlicher wird der Einfluss seines Lehrmeisters Joseph Beuys. Bei ihm an der Düsseldorfer Kunstakademie studierte Littmann einst in jungen Jahren.

     Der Meister vom Niederrhein sorgte zwischen 1982 und 1987 mit einer groß angelegten urbanen Bauminstallation im Rahmen der documenta in Kassel für große Aufregung. Der Titel dieser sozialen Plastik: „7.000 Eichen. Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“. Für den Weitblick und den künstlerischen Mut ist ihm die Stadt Kassel offenbar heute noch dankbar. Gepflegt wird die einzigartige Raum-Zeit-Skulptur von einer Stiftung.
     Ohne Zweifel war diese Pflanzaktion Ausdruck von Beuys´ grünem Denken und seinem Engagement und seiner Sympathie für die damals junge und aufstrebende politische Gruppierung „Bündnis 90/ Die Grünen“, die Beuys mitbegründete. Die Protagonisten damals: die Friedensaktivistin und Partei-Mitbegründerin Petra Kelly und der Ex-Generalmajor und Politiker Gert Bastian.

Vorbild Beuys  Aktion „Die Heimholung des Joseph Beuys“ im Oktober 1973. Der Akademieprofessor wird von seinen Studenten in einem blauen Einbaum über den Rhein in Düsseldorf geschippert. Foto © Winfried Göllner; LAV NRW R, RWB 21713, 4

 

Und wenn man so will, platziert Littmann seine neue, singuläre und temporäre Naturkunde-Aktion auf dem stark frequentierten Baseler Münsterplatz rechtzeitig zum 100. Geburtstag des Kunstidols Joseph Beuys in diesem Jahr (mehr). Denn die Ein-Baum-Show erinnert an ein ebensolch singuläres Ereignis im Herbst des Jahres 1973, also vor gut 48 Jahren. Zufall oder Kalkül?

     Auf jeden Fall ließ sich Beuys in jenem Jahr, nachdem er von NRW-Wissenschaftsminister Johannes Rau, seinem Dienstherren, fristlos als Kunstprofessor der Düsseldorfer Kunstakademie entlassen worden war, in einer spektakulären Paddelaktion über den Rhein schippern. In einem „Einbaum“, angetrieben von seinen Jüngern. Die wollten ihren Lehrmeister wieder in der Hochschule zurück haben. Daher ging das Happening mit dem Einbaum unter viel Medienrummel als die „Heimholung des Joseph Beuys“ in die Kunstgeschichte ein.
cpw


 Die Ausstellung "Tree Connections" zeigt eine Sammlung von 75 Kunstwerken, von denen die meisten aus Schweizer Privatsammlungen stammen und noch nie öffentlich gezeigt wurden. Die Ausstellung gibt erstmals einen Einblick in diese ansonsten sehr privaten und reichen Kollektionen. Darunter sind Meisterwerke von Hans Arp, Günther Uecker, Tony Cragg, Jannis Kounellis, Sol Lewitt, Giuseppe Penone, David Nash, Christo, Meret Oppenheim und Joseph Beuys.


Die Kunstintervention „Arena für einen Baum“ ist vom 27. April bis 24. Mai 2021 begehbar.
Kunst- und Ausstellungsprojekt von Klaus Littmann
Münsterplatz
4056 Basel / Schweiz
Öffnungszeiten: Täglich 11 – 20 Uhr

 

Die Ausstellung „Tree Connections – von Christian Friedrich Gille bis Christo“ wird vom 11. Mai bis zum 11. Juli 20021 gezeigt.
Kulturstiftung Basel
H. Geiger/ KBH.G

Spitalstraße 18
4056 Basel/ Schweiz
Tel +41 61 2620166
Öffnungszeiten tgl. 11-18 Uhr
außer Dienstag

 


 

 

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