rheinische ART
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rheinische ART 12/2011

 

 

Archiv 2011: aus "Kunst erleben"

Morgan Fisher im Museum Abteiberg und eine Hommage an Blinky Palermo

 

Translations: Farbe

 

Der Amerikaner Morgan Fisher wurde in den frühen 1970er Jahren als Experimentalfilmer bekannt. Er produzierte Werke, die nur durch das Medium Film möglich wurden und die in jenen Jahren auch aufgrund ihrer Neuheit enorme Aufmerksamkeit erfuhren. Noch heute sind seine Videos durch ihre Konzentration auf Ding, Zeit und Farbe von einer nachhaltigen Eindringlichkeit geprägt.

 

FISHER untersuchte das Massenmedium Film und ging den Weg von der darstellenden Installation filmischer Machart hin zur ganz realen Installation mit Gemälden. Seine Bilder sind monochrome Farbfelder, die er großformatig in Beziehung zueinander bringt und die den Blick des Betrachters auf die Wirkung von Farbe und Fläche lenkt. Er ist kein Buntmaler sondern jemand, der mit den Gestaltungsmöglichkeiten und Darstellungsvariationen von Farbe experimentiert.

 

New Pendant Pair Paintings / New Alien Pendant Pair Paintings, 2011

 

   Sein Verhältnis zur Architektur wird auf eine ganz besondere Weise deutlich. Das Museum Abteiberg ist als Museumshaus u.a. bekannt durch seinen Erbauer Hans Hollein, der als Bildender Künstler, Designer und Architekt universal unterwegs ist. Die Planung für das Museum Abteiberg begann 1972, die Bauphase endete 1982 und 1985 wurde es mit dem internationalen Architekturpreis "Pritzker Award" ausgezeichnet. Die architektonischen Besonderheiten der Treppenkonstruktionen inspirierten Fisher zu den drei Skulpturen „Stairs“. Es sind Abformungen der Museumstreppen, die losgelöst von ihrer Vorlage als funktionslose Schalen auf dem Boden liegend eine offene Rauminstallation bilden.

 

Stairs, 2011


Blinky Palermo
 

Sixteen Walls, 2011 - eine Hommage von Morgan Fisher an Blinky Palermo

 

Seine Kunst im Museum Abteiberg zu zeigen, hat für Fisher aber noch einen weiteren Grund. Es ist die kürzliche Wiederentdeckung einer Wandmalerei von Blinky Palermo (1943 – 1977) in Mönchengladbach, die 1970 entstand. Palermo (mehr) unterhielt in dieser Zeit in der Stadt sein Atelier und der Unternehmer Rolf Hoffmann, damaliger Vorsitzender des Museumsvereins, beauftragte den Künstler mit einer Wandarbeit in seinem Büro im damaligen Van Laack-Gebäude.

   Es wurde eine streng reduzierte Arbeit, die, wie die anderen 27 Wandarbeiten Palermos auch, im Laufe der Jahre überstrichen wurde. Diese Arbeit soll nun restauriert werden und dürfte dann die einzige Wandarbeit Palermos sein, die noch existiert.
   Die wiederentdeckten Spuren Palermos regten Fisher, der seiner besonderen Bewunderung für die Genialität des Künstlerkollegen durchaus Ausdruck verleiht, zu einer Arbeit im Museum an, die in Relation zu und mehr noch als Hommage an Blinky Palermo zu verstehen ist. Fisher: „Palermo schaffte es, die Begriffe von moderner Malerei zu erweitern und ihr den Weg für völlig neue Möglichkeiten zu eröffnen.“

Irmgard Ruhs-Woitschützke

 

Mit „Translations“ realisiert das Museum Abteiberg eine Ausstellung, in der die fundamentale Auseinandersetzung mit Malerei zum Thema wird, die das Werk Morgan Fishers seit den späten 1990er Jahren bestimmt. Die Ausstellung ist noch bis zum 5. Februar 2012 zu sehen.


Städtisches Museum Abteiberg
Abteistr. 27
41061 Mönchengladbach
Tel. 02161 / 252637

Öffnungszeiten:
DI – SO 11 – 18 Uhr

 

Programm zur Ausstellung:
Sonntag, 22. Januar, 12 Uhr: Über Raum und Zeit: Palermos Wandzeichnungen und Wandmalereien, Vortrag von Dr. Susanne Küper
Sonntag, 5. Februar, 12 Uhr: Um 1970 in Mönchengladbach - Rolf Hoffmanns Auftrag an Blinky Palermo, Marcel Broodthaers, Andy Warhol und andere mehr. Finissage des Museumsvereins Mönchengladbach mit Erika Hoffmann-Koenige.

 

Palermos Spuren

 


Die Wandmalerei besteht aus schmalen horizontalen und vertikalen Streifen. Bisher wurden von ihr nur kleinste Bereiche freigelegt, um die vom Künstler gebrauchten Farben bestimmen zu können. Auf sie bezieht sich Morgan Fisher bei seiner Arbeit "Sixteen Walls" im Museum.

   Noch gibt es in dem ehemaligen Büro, ein hoher, schmaler Raum, nicht allzuviel zu schauen, aber eine Geschichte zu erleben. Der Raum wird nach der Sanierung in Privatbesitz sein. Ob die Wandmalerei nach ihrer Restauration auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird, ist noch nicht geklärt.

ruwoi

 

 

©Fotos: Museum Abteiberg (4)/ Kukulies (3), rArt (1)