rheinische ART
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rheinische ART 09/2020

PLANTS AND ALIENS
Auf zur Pflanzenklappe


Die Herausforderung ist altbekannt. Eine Reise steht an, vielleicht auch ein Aufenthalt im Ausland. Wohin dann mit Yucca, Elefantenfuß und dem kleinen grünen Kaktus?

 

Zimmerpflanzen können weiterleben: Im Adoptionsbüro oder über das Internet werden pflanzliche Individuen zur Adoption angeboten. Foto © botanoadopt® MUSEUM TEMPORÄR 2020

 

Die Zimmerpflanze als Belastung, der die Vernachlässigung droht? Das muss nicht sein. Es gibt Lösungen für das Problem, selbst für jene Zeitgenossen, denen der grüne Daumen fehlt und die eine schnelle und schmerzfreie Trennung von ihrem Gewächs anstreben.

 

Eine Pflanzenklappe®, die erste bekannte weltweit, nimmt auch im Temporären Museum von Mülheim an der Ruhr ungeliebte Pflanzen anonym entgegen. Foto © botanoadopt®“ MUSEUM TEMPORÄR 2020

 

Botanoadopt® heißt die Initiative, die seit über zehn Jahren Topfpflanzen an neue Besitzer vermittelt. Es ist ein Langzeit-Projekt des Frankfurter Künstlerduos 431art, das von Torsten Grosch und Haike Rausch geleitet wird.

     Das Kernstück des Konzepts von botanoadopt®, deren Name wettbewerbsrechtlich als Markenzeichen eingetragen ist, bildet die Pflanzenklappe®, in die vernachlässigte Topfgewächse anonym eingestellt werden können. Eine Idee, die sich an die bekannte „Babyklappe“ anlehnt.

     Nachdem ein Gewächs in den temporären Behälter gestellt worden ist, wird es von botanoadopt® übernommen, fotografiert, mit individueller Biografie und einem Namen versehen. Danach kommt die heimatlose Pflanze in ein Adoptionsbüro oder per Internet zur Weitervermittlung.

     Auf diese Weise konnte 431art in den letzten Jahren deutschlandweit ein Netzwerk, verteilt auf mehrere Städte, errichten, über das bislang über tausend Pflanzen ein neues Zuhause finden konnten.


Die Personifizierung von Pflanzen diene nicht der Verniedlichung, betonen die Künstler. Vielmehr sei dies als Teil der künstlerischen Utopie von botanoadopt® zu verstehen, in der alle Pflanzen als gleichberechtigte Lebewesen definiert werden und den Stellenwert von pflanzlichem Leben für sauerstoffabhängige Lebewesen verdeutlichen. Das selbst gesetzte Ziel, mit dem Projekt die Sichtweise von pflanzlichem Leben befragbar zu machen, werde mit den Stilmitteln Humor und Kontextverschiebung umgesetzt.

 

Wer seine Pflanzen nicht (mehr) pflegen kann oder will, kann sie in andere Hände geben. So kommen traurige Yuccas zu neuen Pflegeeltern. Foto © botanoadopt® MUSEUM TEMPORÄR 2020


Flankiert werden die Hilfsmaßnahmen des botanoadopt®-Teams von Ausstellungen. Die Schauen bieten unter anderem fotografische Pflanzenportraits, speziell für die Expositionsräume geschaffene Installationen sowie Videoarbeiten, etwa zu den Themen Pflanzenschutz und Nachhaltigkeit.

     Derzeit weisen Grosch und Rausch im Temporären Museum von Mülheim an der Ruhr mit einer Ausstellung in „subtil-humorvoller Weise“, wie es heißt, auf ein wichtiges und in der öffentlichen Diskussion bisher weitgehend vernachlässigtes Thema hin: Die Bedeutung von pflanzlichem Leben für die menschliche Existenz und als Grundlage für Zukunftsfähigkeit.

     „Mit seiner partizipativen Arbeitsweise an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft steht das Künstlerduo 431art exemplarisch für einen aktuellen Trend der zeitgenössischen Kunst, in Form von Projekten zu arbeiten und ausgehend von Alltagsfragen in die Gesellschaft hineinzuwirken,“ so Museumsleiterin Beate Reese.

 

Botanoadopt® erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter das Qualitätssiegel Projekt N 2017 des deutschen Nachhaltigkeitsrates sowie Einladungen zu internationalen Konferenzen in Istanbul, London und Zagreb.
bra

 


Die Ausstellung „PLANTS AND ALIENS ׀ botanoadopt®431art │Torsten Grosch und Haike Rausch kann bis zum 24. September besucht werden.
MUSEUM TEMPORÄR
Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr

Schloßstraße 28-30
45468 Mülheim an der Ruhr
Tel. 0208 / 4550
Öffnungszeiten
DI –FR 10 – 18 Uhr
SA, SO 10 – 14 Uhr

 

 

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