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rheinische ART 01/2013

 

ARCHIV 2013

Preußen und Köln 1815 - 1871

 

Wie „dat hillije Kölle“

 

zur modernen Großstadt wurde

Von Simon Hopf

 

Nach der Inbesitznahme des Rheinlands durch das Königreich Preußen erlebte Köln im 19. Jahrhundert eine stürmische Entwicklung. Der Historiker Jürgen Herres beleuchtet diese spannende Epoche in einer lesenswerten Neuerscheinung.

 

AM 5. April 1815 wurde das bis dato rund 20 Jahre französisch besetzte Rheinland vom preußischen König, Wilhelm III., offiziell in Besitz genommen – und dies, noch bevor Napoléon Bonaparte bei Waterloo die entscheidende Niederlage beigefügt werden sollte. Das Kriegsgeschrei war mithin noch nicht verklungen, als Ende April 1815 in Köln am Rathaus unter Festgeläut der preußische Adler aufgestellt wurde, wenige Tage später folgte die Verlesung des königlichen Besitzergreifungspatents. Für Mitte Mai wiederum waren weitere Feierlichkeiten angesetzt. Während sich „die Preußen“ also auf diese Weise ebenso formell wie machtbewusst in der alten Stadt installierten, notierte ein Kölner Lehrer lapidar: „Dem Rheinuferbewohner ist es eigentlich gleichgültig, wer ihn beherrscht, wenn er nur gut und gerecht beherrscht wird.“ Was aber die neuen Obrigkeiten betraf, na ja: „Unter 20 ist kaum einer der unter Preussens Zepter zu leben wünscht.“
   Die Kölner hatten sich freilich zu fügen, nicht ahnend, dass ausgerechnet unter diesen neuen Vorzeichen ihre Stadt einen enormen Aufbruch und Wandel durchmachen würde, der „dat hillije Kölle“ in Richtung Moderne katapultierte. Welche Veränderungen unter „Preussens Zepter“ eintraten, lässt Jürgen Herres nun detailreichst lebendig werden. Mit seinem Buch „Köln in preußischer Zeit. 1815-1871“, das als Band 9 der Reihe „Geschichte der Stadt Köln“ im Greven Verlag erschienen ist, geht er dieser Epoche auf hunderten von Seiten buchstäblich auf den Grund.
   Es ist ein dicker Wälzer, fürwahr, aber die einmalige Verdichtung, mit der hier knapp 60 entscheidende Jahre der Stadtentwicklung beleuchtet werden, rechtfertigt, dass man das Buch nicht mal eben so zur Hand nehmen kann, ohne körperlich rasch zu erlahmen. Man sollte also seine Vorkehrungen treffen, um sich angemessen und ausdauernd in das Werk vertiefen zu können. Wer sich der Mühe unterzieht, will im Zweifelsfall gar nicht mehr aufhören, seinem Lesedrang zu folgen. Es ist einfach interessant – zumal für Rheinländer im Dunstkreis der Metropole – diese vor allem dank des Eisenbahnanschlusses an Fahrt aufnehmende Zeit noch einmal Kapitel für Kapitel nachzuvollziehen.

 

Preußens Wohltat: Karneval und Dombau

 

"Der kölsche Held Karneval im Jahre 1824"

 

Dombau zu Köln

 

Das Knirschen im preußisch-kölnischen Gebälk, das schon 1815 zu hören war, setzte sich übrigens noch eine Weile fort, da nicht zuletzt die Bestimmung Kölns als Festung der räumlichen Expansion viele Jahre ganz klare Grenzen setzte. Darüber hinaus gab es etliche weitere Konfliktfelder, die hier nicht nähergehend vertieft werden sollen; genannt sei nur das Stichwort „Kölner Ereignisse“. Dass unter den Preußen indessen die Rahmenbedingungen gegeben waren, den Karneval ab 1823 zu neuer Blüte zu führen und die Fertigstellung der über Jahrhunderte unvollendeten Kathedrale (mehr) tatsächlich in Angriff zu nehmen, sollte den Kölnern indessen nachhaltig Dank abnötigen. Denn was wäre Köln im 21. Jahrhundert ohne diese beiden „Highlights“???
   Jürgen Herres hat eine Vielzahl neuer Dokumente erschlossen und zum Sprechen gebracht. In der Presseinformation zur Veröffentlichung des reich illustrierten Buches heißt es dazu treffend: „Im Dialog mit den zeitgenössischen Quellen werden private Briefe, Zeitungskorrespon­denzen und Flugblätter genauso wie interne Aktenvermerke herangezogen. Die zahlreichen Zeitgenossen, die zu Wort kommen, eröffnen eine Vielzahl von spannenden Perspektiven. Es ist eine Darstellung, die in allen historischen Bereichen – Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Religion – neues Wissen über diese so wichtige Ära der Kölner Stadtgeschichte darbietet.“

 

Preußen hin oder her - der Kölner blieb sich treu


Insbesondere Zitate wie das eingangs aufgeführte und das nun folgende geben der Lektüre des Buches die Würze und setzen Akzente dahingehend, wissenschaftliche Betrachtungen mit amüsanter Note abzurunden. Herres verweist auf den Berliner Schriftsteller Franz von Elsholtz, der bezüglich Kölscher Eigenarten um 1820 notiert hatte, den Kölner charakterisiere eine „Behaglichkeit über den eigenen Zustand“ und eine „selbstzufriedene Vorliebe […] für das heimische Wesen“ sowie eine „Neigung zum Widerstande gegen Alles, was von außen her stören“ könnte. – Mag sich die Stadt also auch in den vergangenen 200 Jahren gewaltig verändert haben, so möchte man doch denken: Der Kölner an und für sich ist sich doch mental weitestgehend treu geblieben.

 

Jürgen Herres: Köln in preußischer Zeit. 1815–1871 (Geschichte der Stadt Köln, Band 9), 520 Seiten mit 126 Abbildungen (Greven Verlag Köln, 2012), Leinen mit Schutzumschlag, 60 Euro (ISBN 978-3-7743-0452-9)
 

 

 

 

 

 

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