rheinische ART
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rheinische ART 01/2013

 

ARCHIV 2013

Michael Werner Kunsthandel zeigt Antonius Höckelmann

 

Umfassende Realität von Plastik

 

 

  Antonius Höckelmann, Zeichnungen 332 - 335

 

Seine Arbeiten wurden 1977 erstmals auf der documenta 6 und fünf Jahre später erneut auf der documenta 7 gezeigt. Institutionelle Ausstellungen fanden beispielsweise in der Kunsthalle Bern 1975 und Mitte der 1980er Jahre im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen sowie im Hamburger Kunstverein statt. Der Michael Werner Kunsthandel in Köln präsentiert nun Zeichnungen von Antonius Höckelmann, die sich allein durch den gedanklichen Ansatz des Künstlers bereits von der gemeinen Vorstellung von Zeichnung als Vorskizze abheben.


„Die Zeichnung […] deutet die umfassende Realität von Plastik an und der Beschauer hat mehr das wichtige Gefühl sich innerhalb von plastischen Formen zu bewegen und nicht nur eine Plastik von außen anzustarren oder sich nur durch das Monstrum beeindruckt zu fühlen.“ (Antonius Höckelmann, in: Kunstforum international 1974, Bd. 10)

 

Nachdem Antonius Höckelmann (1937-2000) eine Ausbildung zum Holzbildhauer 1957 abgeschlossen hatte, studierte er bis 1961 an der Hochschule für Bildende Kunst in Berlin bei Karl Hartung. Bereits in den Folgejahren schuf er Plastiken, die an organische Formen erinnern. Knorpelwerk, Knollengebilde und Wurzelwucherungen werden nicht selten assoziiert, doch nie ging es ihm dabei um Naturimitationen. Stets zeichnete er parallel die erdachten Konturen auf Papier. Diese Arbeiten dienten nicht als Skizzen im klassischen Sinne. Es waren eigenständige Formfindungen, zu denen er erst auf Basis der plastischen Entwürfe finden konnte. Plastik und Zeichnung haben sich bei ihm von Beginn an gegenseitig beeinflusst.
   Oft entwickelte der Künstler in thematischen Serien, die ein geradezu obsessives Festhalten an bestimmten Problemstellungen erkennen lassen und die ihn durchaus selber haben betreffen können. So zeigt ein Werkblock seine Auseinandersetzung mit den gerichtlichen Nachbarschaftsstreitigkeiten, damals ausgelöst durch die vermeintlichen Ruhestörungen seines kleinen Sohnes. Gerichtsskizzen, Zitate aus Schriftsätzen und die Darstellung von Beweismaterialien verdichten sich zu teils verworrenen Bildgefügen.
   Trotz der thematischen Absurdität verliert sich Höckelmann nie in der ironischen Distanz. Zugrunde liegende Themenkreise sind ohnehin nur ein untergeordneter Aspekt seiner Kunst, die sich allein rational nicht ergründen lässt und eine unentwegte Reflexion auf Darstellungs- und Formwerdungsprozesse ist. Man spürt, wie er in den Überlagerungen, Überschneidungen und Durchdringungen seiner Formen aufgeht, immer ihrem Ursprung nachforschend und neugierig auf das, was sich ihm in der weiteren Entwicklung zeigen wird, um die Gesetzmäßigkeiten des „plastischen Kosmos auf der Fläche“ (Theo Kneubühler) des Papiers zu erforschen.


Mit gut 90 Arbeiten bietet die Ausstellung einen Überblick über Höckelmanns Werke aus den späten 1960er bis in die 1980er Jahre.
ruwoi

 

Die Ausstellung „Antonius Höckelmann“ ist bis zum 2. März 2013 zu sehen.
Michael Werner Kunsthandel
Gertrudenstraße 24-28
50667 Köln
Tel. 0221 / 925 4620
Öffnungszeiten
DI–FR      10–18 Uhr
SA           11–16 Uhr

 

 

 

 

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