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rheinische ART 03/2020

FOTO-PIONIER
F.A. Oppenheim und die Akropolis


Wenn von Antike, Archäologie und Oppenheim die Rede ist, denkt mancher unwillkürlich an den Orientalisten und Tell Halaf-Entdecker Max von Oppenheim aus Köln.

 

F.A.Oppenheim Akropolis, Athen. Erechtheion. Die Karyatiden, 1853 Salzpapier auf Karton, 23,6, x 32,3 cm Museum Ludwig, Köln Reproduktion: Rheinisches Bildarchiv Köln

 

Bekanntlich gelang Max von Oppenheim 1899 die aufsehenerregende Ausgrabung des Siedlungshügels im heutigen Syrien.

     Aber 35 Jahre zuvor machte bereits ein anderes Mitglied des weitverzweigten Clans von sich Reden: Felix Alexander Oppenheim (1819–1898) aus der Königsberger Linie der Familie.

 

F. A. Oppenheim Akropolis, Athen. Friedliche Pallas, 1853 Salzpapier auf Karton, 27 x 21 cm Museum Ludwig, Köln Reproduktion: Rheinisches Bildarchiv Köln

 

Im Jahr 1854 erschien sein großformatiger Bildband „Atheniensische Alterthümer“ mit 42 Aufnahmen. Eines von nur noch zwei weltweit erhaltenen Exemplaren ist Eigentum des Museum Ludwig in Köln, das zweite befindet sich im J. Paul Getty Museum in Los Angeles.

     Jetzt zeigt das Museum Ludwig erstmals diesen fast vergessenen Foto-Pionier und dessen frühe Ablichtungen aus Athen. „Stille Ruinen. F. A. Oppenheim fotografiert die Antike“ titelt die Präsentation.

     Sie ist aus zwei Gründen interessant. Zu einem geht es um die Objekte selbst. Denn die viel beschworene „stille Größe“ der antiken Relikte, wie Oppenheim sie 1853 fotografierte, verdeckte nämlich nicht die Spuren von Plünderung und Zerstörung. Oppenheim feierte im Albumtext die „hohe Meisterschaft“ der antiken Skulpturen, beklagt aber auch das „Wühlen in fremden Ländern“ und die Entführung von Fundstücken im Rahmen der Antikenbegeisterung. Der Bezug zu den derzeitigen Diskussionen um den rechtmäßigen Besitz von Altertümern ist hinlänglich erkennbar.

 

F. A. Oppenheim Akropolis, Athen. Fries des Parthenon, 1853 Salzpapier auf Karton, 19,5 x 20,7 cm Museum Ludwig, Köln Reproduktion: Rheinisches Bildarchiv Köln
 

Der andere Aspekt betrifft die technische Seite der Oppenheim-Arbeiten. Mitte des 19. Jahrhunderts steckte die Negativ-Positiv-Fotografie als Handwerkskunst noch in den Anfängen. Es dominierte die auf Fotoplatten basierende arbeitsreiche Daguerreotypie, vor allem in der Portraitfotografie.

     Mehrere neue Verfahren wie die Ambrotypie (mehr) kamen in kurzer Zeit auf. Um 1851 machte Oppenheim in Paris eine Ausbildung bei dem künstlerischen Fotografen Gustave Le Gray. Er nutzte die neue Technik der Salzpapier-Fotografie, auch Kalotypie genannt. Als Negativ-Positiv-Verfahren ermöglichte sie beliebige Mengen von Abzügen, die damit einem größeren Interessenten- und Kundenkreis angeboten werden konnten. Oppenheim wurde durch die Nutzung der Salzpapier-Technik zu einem der Pioniere der neuen, jungen Kunstgattung Fotografie.


Ob er sich möglicherweise von den Bildbänden des französischen Schriftstellers, Journalisten und Fotografen Maxime Du Camp (1822–1894) hatte inspirieren lassen, bleibt unklar. Der hatte bereits kurz vorher, im Jahre 1852, gemäß der Devise „Der Orient ist Trend“, 152 Salzpapieraufnahmen in einem viel beachteten Bildband in Frankreich auf den Markt gebracht.
cpw

 

► Felix Alexander Oppenheim war Jurist und stammte aus einer vermögenden Königsberger Bankiersfamilie. Sein Faible für die Fotografie war einem eher unrühmlichen Vorgang geschuldet. Oppenheim gehörte zum Freundeskreis um den späteren Wortführer der deutschen Arbeiterbewegung Ferdinand Lassalle. 1847 wurden Oppenheim, sein Verwandter Arnold Mendelssohn und Lassalle in Aachen in den sogenannten „Kassetten-Diebstahl“ verwickelt. Dem Trio wurde Diebstahl und Manipulation angelastet. Die Tat stand in Zusammenhang mit einer Klage der Gräfin Sophie von Hatzfeld, deren Rechtsbeistand Oppenheim war, gegen ihren Ehemann wegen Verschwendungssucht. Ein Prozess in Köln brachte Oppenheim zwar einen Freispruch, eine Juristenkarriere war allerdings wegen der großen Öffentlichkeit passé. Oppenheim verließ das Land, reiste viel und widmete sich der Fotografie.

 

Die Ausstellung „Stille Ruinen. F. A. Oppenheim fotografiert die Antike“ endet am 14.6.2020.
Museum Ludwig
Heinrich-Böll-Platz
50667 Köln
Telefon 0221 / 221-26165
Öffnungszeiten:
DI – SO 10 – 18 Uhr
jeden ersten DO 10 – 22 Uhr

 

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