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rheinische ART 07/2011

 

 Archiv 2011: aus "Übrigens"

 

Spektakuläre Trabaktion. Auch

dafür wird Totilas geliebt

 CHIO in Aachen: Ein Pferd bewegt

 

 

Totilas

Ein Kunstwerk auf vier Beinen

 

 

Einer stiehlt allen die Show. Das schwarze Bewegungswunder lockt mit seinem Charme und seiner Noblesse die Zuschauer an das 60 x 20 Meter große Sandviereck. Wenn Totilas seine Bühne betritt, wird es entweder ganz still  oder es brandet erst einmal Applaus auf. Die Leute erheben sich von ihren Sitzen und spenden tosend Beifall. Er hat noch nichts getan, außer da zu sein. Um diese Reaktion zu erklären, muss man wohl ganz tief in die Pathos-Kiste greifen: Vielleicht ist es ein Dankeschön dafür, dass es ihn gibt.

 

 

Und Totilas? Er genießt souverän, badet in der Welle der Zuneigung – und liefert das, was seine Fans von ihm erwarten. Spektakuläre Trabaktionen, Pirouetten auf dem Punkt gesprungen, erhabene Versammlung, Passagen, die ihm zu eigen scheinen wie eine Grundgangart, und Piaffen, die ihn auf der Stelle tanzen lassen.


Und dazu, als wäre das noch nicht genug, ist er auch noch schön.


Wunderpferd wird er genannt, Ausnahmepferd, Jahrhundertpferd. Keine Frage, er ist ein Star. Er hat eine eigene (eigentlich zwei!) Facebookseiten, wo sich seine internationale Fangemeinde austauscht, TV-Sender übertragen plötzlich die sonst so stiefmütterlich behandelten Dressurwettkämpfe, er hat eine eigene Pflegerin, die neben seiner Box schläft, einen jungen begabten Reiter (Matthias Alexander Rath) und namhafte Besitzer (Paul Schockemöhle und Ann Kathrin Linsenhoff), denen die Leidenschaft, dieses Pferd zu besitzen, zehn Millionen Euro wert war.
   Totilas, der weltweit den Dressursport revolutioniert, setzt völlig neue Maßstäbe. Mit ihm hat eine neue Ära begonnen. Er ist der Pferd gewordene Traum aller Pferdezüchter und Reiter.

 

Wurzeln auch in Deutschland

 

Totilas gilt als holländisches Pferd, doch ein Blick in sein Pedigree verrät, dass seine Wurzeln bis nach Deutschland reichen. Seine Mutter ist die Gelderländer Stute Lominka und sein Vater kein geringerer als der Trakehnerhengst Gribaldi, selber Sieger in Grand Prix-Prüfungen und Siegerhengst der Trakehner Körung 1995.
 

Der Trakehner-Hengst Gribaldi, Vater des Wunderpferdes Totilas  Foto Trakehner-Verband

   Die Trakehner Rasse ist die älteste Reitpferderasse Deutschlands und das Hauptgestüt Trakehnen in Ostpreußen, 1732 gegründet, legendär. Nach dem Zweiten Weltkrieg ihrer Heimat verlustig geworden, werden Trakehner Pferde in Deutschland bundesweit (und im Ausland) nach den Prinzipien der Reinzucht gezüchtet. Ihr Zeichen: die doppelte Elchschaufel (mehr).
   Ersteigert wurde Gribaldi 1995 auf der Auktion des Trakehner Hengstmarktes in Neumünster von der Hengststation van Uytert in Heerewaarden, wo er der auch internationalen Züchterschaft zur Verfügung stand. Zu den Siegerschleifen wurde Gribaldi übrigens von dem Holländer Edward Gal geritten, der auch seinen Sohn Totilas ausbildete und ihn auf der internationalen Bühne so überaus erfolgreich vorstellte.
   Züchter von Totilas sind Jan und Anna Schuil, die ebenfalls zu den überzeugten Anhängern der ostpreußischen Pferde zählen. Und dass sie dem Fohlen, das 2000 in ihrem Stall geboren wurde, den Namen Totilas gaben, hat ebenfalls mit Trakehnen zu tun. Erkennend, dass ein überragendes Hengstfohlen in ihrem Stall steht, nannten sie dieses nach einem der ganz großen Vererber der Trakehnerzucht: Totilas (geboren 1938 in Trakehnen, von Pythagoras aus der Tontaube von Pilger). Es gibt Leute, die das vermessen nennen, aber das Jahrhundertpferd Totilas ist fürwahr ein würdiger Träger dieses Namens.
   Auch der jetzige Besitzer Paul Schöckemöhle erkannte die Vererbungsleistung Gribaldis und als Hengsthalter und Züchter holte er Anfang 2010 den Hengst nach Deutschland. Doch bevor dieser in seiner Hengststation wirken konnte, ging der Hengst unter unglücklichen Umständen ein. Gribaldis züchterische Bilanz kann sich indes sehen lassen: Allein der Trakehner-Verband weist acht gekörte Söhne aus, beim KWPN, dem holländischen Verband, wurde der Rapphengst mit den Prädikaten Keur und Preferent ausgezeichnet und er ist Vater zahlreicher, sehr erfolgreicher Dressurpferde wie beispielsweise Painted Black, dem mehrfachen Grand-Prix-Sieger unter Anky van Grunsven.

 

2010 verändert sich für Totilas alles

 

Im selben Jahr, die Geschichte ist bekannt, kaufte Schockemöhle Totilas. Seitdem hat der Hengst noch eine weitere Aufgabe, und zwar im professionellen Deckgeschäft. Als Partnerin gewann Schockemöhle Ann Kathrin Linsenhoff, deren Stiefsohn Matthias Alexander Rath nun der neue Reiter ist. Noch erfährt das Paar Rath /Totilas viel Skepsis, doch die Fachleute wissen: sehr kurz war die Zeit zum Kennenlernen und Zusammenarbeiten. Reiten ist eine Kunst. Siegen kann man nur mit dem Partner Pferd - und Totilas ist ein Ausnahmesportler. Das Ziel sei denn auch, so bekundete der Vermarkter des Pferdes Michael Mronz (der auch der geschäftsführende Gesellschafter des CHIO in Aachen ist), in einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger (mehr), eine Teilnahme an den Olympischen Spielen im nächsten Jahr in London.
   Doch die internationale Bühne ist jetzt in Aachen bereitet. Immerhin wartet der CHIO in diesen Tagen als „Weltfest des Pferdesports“ allein in der Dressur mit 67 Startern aus 17 Nationen mit 97 Pferden auf. Die deutsche Mannschaft bilden Isabell Werth, Matthias Alexander Rath, Annabel Balkenhol und Christoph Koschel. Als die besten Pferde der Welt werden genannt: Totilas, Parzival, Ravel und Mistral Hojris.

Irmgard Ruhs-Woitschützke

 

Update 17.07.2011: Das Paar Rath/Totilas hat hat alles gewonnen, was es in Aachen in der Dressur zu gewinnen gibt!

 

©rheinische-art.de

 



 

 

 

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