rheinische ART
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rheinische ART 12/2011

ARCHIV 2011: aus "Geschichte"

Verehrt von Puschkin, Tschaikowski und noch heute

 

 

Titelblatt einer illustrierten Ausgabe von

Heines Gedicht "Disputation"

aus dem Jahr 1929

 

Ein zeitloser Star.

 


Russlands Blick auf

 

Heinrich Heine

 

 

Nirgendwo außerhalb Deutschlands ist Heinrich Heine so populär wie in Russland. 1827 wurde die erste russische Übersetzung eines Heine-Gedichts gedruckt. Im Laufe der Zeit sind rund 4.500 Gedichtübersetzungen und sechs Gesamtausgaben seiner Werke in russischer Sprache erschienen. Und die Heine-Begeisterung reißt bis in die heutige Zeit nicht ab. Berühmte russische Autoren, Komponisten und Politiker ließen sich von Heine inspirieren. Mit der Ausstellung „Russkij Gejne. Der russische Heine“ illustriert das Düsseldorfer Heine-Institut jetzt "Russlands Blick auf Heinrich Heine".

 

HEUTE DARF durchaus von einer russischen Heine-Tradition ausgegangen werden. Denn der Dichter aus Düsseldorf war schon im 19. Jahrhundert nicht nur Vertreter einer fremden Literatur, - er wurde als "Russkij Gejne", als "russischer Heine", zum integralen Bestandteil der russischen Kultur. Am Beispiel Heine wurden wichtige innerrussische Debatten geführt wie etwa die Diskussion zwischen „Ästheten“ und „politischen Dichtern“. Als Heine zwischen 1933 und 1945 literarisch aus Deutschland verbannt war, druckte man ihn in Russland, veröffentlichte Biographien und Abhandlungen und kämpfte „mit Heine“ gegen den deutschen Faschismus.

 

Titelblatt einer russischen Heine-Gesamtausgabe von 1904

   Die namhaftesten russischen Schriftsteller, vielfach selbst Verfasser von Weltliteratur, ließen sich von Heine inspirieren. Dazu zählen Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts wie Puschkin und Lermontow, Turgenew und Dostojewski. Auch die russischen Musiker haben sich an der Ausbildung der Tradition des "Russkij Gejne" beteiligt. In den 1860er-Jahren war es "Die Gruppe der Fünf" um Rimski-Korsakow und Musorgski, die sich intensiv mit der Heine-Vertonung beschäftigten. C.Cui, ein weiteres Mitglied der Gruppe, schrieb eine Oper auf den Text des Dramas "Ratcliff" von Heine, die 1869 uraufgeführt wurde. Auch Tschaikowski hat einige berühmt gewordene Heine-Lieder beigesteuert, genau wie der bekannte Salon-Komponist und Klaviervirtuose Anton Rubinstein.

   Im 20. Jahrhundert hat sich dieses Interesse fortgesetzt, was in der Ausstellung durch seltene Erstausgaben und musikalische Handschriften veranschaulicht wird. Eine seltsame Erscheinung hat sich darüber hinaus unter die russischen Heine-Vertoner gemischt: die Düsseldorfer Musikerin Agnes Overbeck, die von einem Aufenthalt in St. Petersburg als Mann unter dem Namen Eugen Borisowitsch Lhwoff-Onegin zurückkam und fortan als "russischer Komponist" auftrat. Auch von
ihr befindet sich eine Partitur in der Ausstellung.

 

Heines Blick auf Russland

 

Die Ausstellung nimmt zugleich die Perspektive Heines auf Russland in den Blick. Der Dichter gelangte für sein Russlandbild kaum über die zeittypischen Klischees hinaus, die, wie immer bei ihm, höchst vergnüglich formuliert sind. Sein Bruder Maximilian dagegen, der seit 1829 als Militärarzt in Russland lebte, hatte einen genauen Einblick in die russischen Verhältnisse und vergeblich versucht, seinem Bruder sein differenziertes, aber sehr konservatives Russlandbild zu vermitteln.

 

Bild von der Einweihung des Heine-Denkmals in Petrograd am 17.11.1918 in der Zeitschrift "Plamja"


Ein ganz erstaunliches Phänomen ist, dass bereits 1919 zwei Heine-Denkmäler in Russland existierten. Lenin persönlich hatte den Namen Heines auf die Liste jener Persönlichkeiten gebracht, denen im Rahmen der "Monumentalpropaganda" genannten Initiative Denkmäler gesetzt werden sollten, um die Geschichte der Revolution zu veranschaulichen.
    Beide Denkmäler, die bis heute spurlos verschwanden, sind in der Ausstellung als Großfotos vertreten. Zu sehen ist auch eine mysteriöse Inschrift, die man auf der Tapete jenes Zimmers fand, in dem 1918 die Zarenfamilie Romanow und ihre Bediensteten ermordet wurden. Dort stand mit Bleistift und auf Deutsch der Schluss aus Heines Ballade geschrieben: "Belsatzar war in selbiger Nacht/Von seinen Feinden umgebracht."

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Erarbeitet wurde die Ausstellung vom Heine-Institut in Zusammenarbeit mit dem Moskauer A.S. Puschkin-Museum. Sie findet im Rahmen der Städtepartnerschaft Düsseldorf-Moskau statt. Präsentiert werden rund 300 Exponate (Erstausgaben, Bilder und Handschriften) aus dem Bestand des Moskauer Museums, des Heine-Instituts und der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz zu Berlin. In einem 100 Seiten starken Begleitband mit vielen Abbildungen werden die wichtigsten Aspekte der Beziehungen Russlands zu Heine und Heines zu Russland dargestellt.

 

Die Ausstellung „Russkij Gejne. Der russische Heine“ ist bis zum 29. Januar 2012 zu sehen.
Heinrich-Heine-Institut
Bilker Str. 12-14
40213 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 89-92902

Öffnungszeiten
DI - FR 11 - 17 Uhr
SA 13 - 17 Uhr
SO 11 - 17 Uhr

 

© Fotos: Heine Institut Düsseldorf

 

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