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rheinische ART 07/2020

Archiv 2020

BOLLWERK-ARCHITEKTUR
Fortifikation als Favorit


Die einst gewaltige Großfestung Koblenz, Sinnbild der „Erbfeindschaft“ zwischen Kaiseradler und Trikolore, hat viel touristisches Potenzial und soll weiter in Wert gesetzt werden.

 

Johann Adolf Lasinsky Rheinromantik in der Malerei. Die Anfang des 19. Jahrhunderts errichtete preußische Festung Koblenz Ehrenbreitstein, Gemälde von 1828 (Floß bei der Durchfahrt durch die Koblenzer Schiffbrücke 1828) Fotoquelle © Wikipedia, gemeinfrei 

 

Eine Generationenaufgabe, wie es heißt. Die rund 20 Forts, Schanzen, Festen und Fleschen der Stadt, offiziell als „Festung Koblenz und Ehrenbreitstein“ bezeichnet, bildeten ein System von preußischen Festungswerken, die zwischen 1815 und 1834 erbaut wurden. Die Verteidigungsanlage war eine der größten ihrer Art in Europa.

 

Lorenz Clasen Germania auf der Wacht am Rhein, Historiengemälde von 1860 zur deutschen National- und Rheinromantik. Bildquelle © Wikipedia, gemeinfrei


Ausschlaggebend für Preußens wehrtechnisches Engagement damals: die strategisch wichtige Lage der Stadt am Zusammenfluss von Rhein und Mosel und Frankreichs Blick auf den deutschen „Schicksalsstrom“.

     Zur Erinnerung: Der französische Komponist und Offizier Rouget de Lisle komponierte in Straßburg für die französische Rheinarmee 1792 die „Marseillaise“, bis heute Nationalhymne. Frankreich sah den Rhein stets als natürliche Grenze zu seinem östlichen Nachbarn.

     Unter dem Eindruck der sogenannten Rheinkrise 1840/41, in der Frankreich von Preußen den Rhein als seine Ostgrenze forderte, nahm der deutsche Nationalismus in Form von politischen Gedichten und Liedern zu.


Von den Koblenzer Befestigungen sind bis heute einige Bauwerke teilweise erhalten, andere im Laufe der Zeit jedoch durch Schleifung und spätere Abrisse fast völlig verschwunden, wie zum Beispiel die Feste Kaiser Alexander.

     Zwischen den einzelnen Fortifikationen, die sich auf den umliegenden Höhenzügen und in den tiefergelegen Arealen ringförmig um die Stadt gruppierten, erleichterten Blickachsen die gegenseitige Sicherung.

 

Blick von der Festung Ehrenbreitstein auf das Deutsche Eck am Zusammenfluss von Rhein und Mosel. Foto © Koblenz Touristik 2020

 

Die Stadt Koblenz plant nun aktuell, diese einstigen Blickachsen wiederherzustellen und neben der bekannten und vielseitig genutzten Festung Ehrenbreitstein auch andere historische Bollwerke wieder erlebbar zu machen. Weitere Ziele sind die Schaffung von historischen Kulissen für Kultur-Events und Theateraufführungen.

     Das gesamte Festungssystem ist seit 2002 Teil des UNESCO Welterbes Oberes Mittelrheintal und in das UNESCO-Förderprogramm für Welterbestätten aufgenommen worden. Darüber hinaus steht es auf der Liste der Denkmäler mit nationaler Bedeutung. Die Festungsanlagen Kaiser Franz sowie Asterstein und Konstantin sind seit Jahren Teil verschiedener Förderaktivitäten, die zum Ziel haben, Geschichtsfragmente der Koblenzer Festungen aufzuwerten und neu zu erschließen.
rART/Claus P. Woitschützke

 

Koblenz´Blick richtet sich dabei eindeutig auf die Bundesgartenschau 2029. Sie wird im Oberen Mittelrheintal stattfinden, stark dezentralisiert entlang der 67 Kilometern langen Wirtschafts- und Kulturachse zwischen Koblenz im Norden und Bingen sowie Rüdesheim im Süden. Im Koblenzer Stadtteil Lützel wurde bereits die alte Feste Kaiser Franz freigelegt. Das einsturzgefährdete Gemäuer muss noch gesichert und saniert werden. Der neue „Festungspark Kaiser Franz“ soll, so sehen es die Planungen vor, bis Ende Jahres 2020 fertig sein.


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