rheinische ART
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rheinische ART 08/2020

ENGELS 2020
Ein Gespenst geht um!


Gefürchtet war es zunächst in Europa um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Das Gespenst hieß Kommunismus und dessen Protagonisten kamen aus Deutschlands Westen, aus der preußischen Rheinprovinz.

 

Engels-Denkmal in Wuppertal. Die überlebensgroße Statue ist ein Werk des chinesischen Bildhauers Zeng Chenggang. Sie wurde 2014 errichtet und ist ein „Geschenk der Volksrepublik China aus Anlass des Besuchs des stellvertretenden Ministerpräsidenten, des chinesischen Staatsrats Ma Kai im Engels-Haus am 28. November 2010". Bildrechte Foto © Stadt Wuppertal Medienzentrum 2020

 

Wer es angesichts ständiger Corona-Infos noch nicht gemerkt hat: Es ist Engelsjahr!

 

Friedrich Engels zwischen 1857 und 1859. Bildrechte Foto © Stadt Wuppertal Medienzentrum 2020

 

Gruppenbild Karl Marx, Friedrich Engels und die Töchter Jenny, Eleanor und Laura Marx, 1864. Foto © International Institute of Social History (Amsterdam), Fotograf unbekannt. Bildquelle Stadt Wuppertal Medienzentrum 2020

 

Erinnert wird an den 200. Geburtstag des aus dem heutigen Wuppertal-Barmen stammenden vermögenden Fabrikantensohnes und großen Denkers Friedrich Engels (1820–1895). Ein Unternehmer in Sachen Baumwolle und ein Multitalent. Ein Mann, der auch als Philosoph und Sozialkritiker, Schriftsteller, Journalist, Revolutionär und Visionär hervortrat.


Die Sonderausstellung „Friedrich Engels – Ein Gespenst geht um in Europa“ im Historischen Zentrum Wuppertal ist – neben der Wiedereröffnung des Engels-Hauses zum 200. Geburtstag am 28. November – das große Highlight des Jubiläumsjahres.

     Was es mit dem Gespenst nun auf sich hat? Der Satz „Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Kommunismus“ leitet das von Friedrich Engels und Karl Marx verfasste Kommunistische Manifest von 1848 ein. Es endet mit dem berühmten kämpferischen Aufruf „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“

     In vielen anderen Schriften setzte sich Friedrich Engels mit den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen und Verwerfungen der Industrialisierung im 19. Jahrhundert auseinander.

     Zusammen mit dem nur zwei Jahre älteren Karl Marx (1818–1883 mehr) hatte er eine Kritik und Theorie des Kapitalismus formuliert, die bis in die heutige Zeit wirkmächtig ist.


Auffällig wurden die beiden Ur-Kommunisten hierzulande in den zurückliegenden Jahren allerdings nicht durch ihre ideologischen Visionen. Eher als Reise- oder Etappenziele.

     Denn in den Vor-Corona-Zeiten waren ihre Geburtsorte, Karl Marx in Trier und Friedrich Engels in Barmen, regelrechte Pilgerorte für kommunistisch-sozialistisch orientierte Touristen etwa aus der Volksrepublik China und anderen ähnlich organisierten Ländern dieser Welt.

     Neben den ausgabefreudigen Besuchern, die auch immer dem Erwerb von Devotionalien zugetan waren, gab es völlig andere, überaus bemerkenswerte Zuwendungen aus dem ideologisch anders denkenden Reich der Mitte: Im Jahr 2014 zum Beispiel eine Engels-Statue für die rheinisch-bergische Metropole Wuppertal (mehr).

     Friedrich Engels, dem nun dort eine umfangreiche Schau gewidmet ist, gehört ohne jeden Zweifel zu den bedeutendsten Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts, die die Geschichte bis heute beeinflusst haben.

 

Blick in die Ausstellung. Foto © Gerd Neumann, Stadt Wuppertal, Medienzentrum 2020

 

Die Ausstellung richtet einen historischen Blick auf seine Person. Auf den vermögenden Unternehmer wie den “Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus“, den politischen Umwälzer wie den vorausschauenden Volkswirtschaftler. Aber auch auf den pflichtbewussten Sohn, treuen und großzügigen Freund und geselligen Gastgeber. Sie schildert sein bewegtes Leben zur Zeit der „industriellen Revolution“, das ihn von Wuppertal-Barmen aus nach Bremen, Berlin, Paris, Brüssel, Köln, Manchester und London führen sollte.

 

Karl Marx Das Kapital, Band I, 3. Auflage, Hamburg 1888. Bildquelle Foto © Stadt Wuppertal Medienzentrum 2020

 

Straßenschild Friedrich-Engels-Allee Wuppertal. Bildrecht Foto © Stadt Wuppertal Medienzentrum 2020

 

Eine Schlüsselrolle nahm Paris ein. Dorthin hatte sich nämlich Karl Marx mit seiner angetrauten Jugendliebe, der Sozialistin Jenny von Westphalen (die allerdings gebürtig aus Salzwedel stammte) nach dem Verbot seiner Rheinischen Zeitung in Köln zurückgezogen und sich mit dem ebenfalls dort exilierten Düsseldorfer Dichter Heinrich Heine angefreundet (mehr).

     Engels besuchte ihn dort. Die Herren kannten sich bereits durch die gemeinsame Arbeit bei der Rheinischen Zeitung, vertieften ihre Bande und intensivierten ihre Zusammenarbeit. Drei Jahre später traten Marx und Engels gemeinsam dem „Bund der Gerechten“ bei. Jahrzehnte später schließlich sollten ihre beiden Namen untrennbar mit der kommunistischen Ideologie verbunden sein, denn Engels wurde Mitautor am Bestseller „Das Kapital“.

     Mit vielen Schaustücken, Bildern und vor allem zeitgenössischen Fotos werden Ereignisse und die Lebens- und Arbeitswelt auf dem Weg in die Moderne gezeigt, wie auch Engels sie wahrgenommen hat.

 

Top-Exponate der Sonderausstellung sind Erstausgaben bedeutender Schriften von Friedrich Engels sowie originale Handschriften, Karikaturen und Manuskripte, die – multimedial inszeniert – das vielseitige Denken Engels` verdeutlichen. Hinzu kommen persönliche Gegenstände des Barmeners und eine Vielzahl an Austellungsteilen, die Einblick geben in Leben, Werk und Persönlichkeit des berühmtesten Sohns der heutigen Stadt Wuppertal.
rART/bra


Der Besuch ist nur unter Einhaltung strikter Hygienemaßnahmen möglich. Es gibt keine Tageskasse. Tickets müssen vorher online über das Ticketsystem Wuppertal Live (www.wuppertal-live.de/Client/historischeszentrum) gekauft werden. Die Karten sind an ein 20-minütiges Zeitfenster zum Eintritt gebunden. Die Länge des Ausstellungsbesuchs ist nicht reglementiert.

 

Die Sonderausstellung „Friedrich Engels – Ein Gespenst geht um in Europa“ endet am 20. September mit dem 7. Wuppertaler Geschichtsfest - 200 Jahre Friedrich Engels.

Kunsthalle Barmen/Haus der Jugend
Geschwister-Scholl-Platz 4-6
42269 Wuppertal
Tel 0202 – 5 63 6571
Öffnungszeiten
DI, MI, FR 9 – 17 Uhr
DO 13 – 19 Uhr
SA, SO 10 – 18 Uhr

 

 

 

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