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rheinische ART 04/2015

Archiv 2015

GÜNTHER UECKER
Sediment seiner Arbeit


Er wird weltweit rezipiert, man kennt ihn quasi überall, in China, Russland, Japan, USA, Israel… Ein Blick auf die jüngste Ausstellungstätigkeit bestätigt seine Internationalität. 2013 zeigte er in Isfahan und im letzten Jahr, 2014, in Havanna. Sein großes Thema ist die Humanität, seine bekanntesten Mittel Nägel und Worte. Jetzt hat er seine Wort- und Nagelwerke an die Wände des K20 der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf gehängt und ein schepperndes Monstrum namens Terrororchester gleich mitgeliefert.

 

Günther Uecker: Bildhauer, Aktionskünstler, Klangkünstler, Minimalist, Konzeptkünstler, Poet ... und sicherlich ein sehr politischer Mensch. Foto ©rART


Uecker Der Name ist Programm und für die Veranstalter und den Künstler Verpflichtung zugleich. Wie kann man dem vielschichtigem Œuvre des Künstlers gerecht werden? Was kann, soll, will, muss man zeigen? Angesichts der Fülle und Möglichkeiten und der Qual der Wahl kamen die Verantwortlichen zu dem Schluss, ein Sediment seiner künstlerischen Aktivitäten zu bringen, denn eine Retrospektive „ist unmöglich“, wie die Direktorin der Kunstsammlung und Kuratorin der Ausstellung, Marion Ackermann, bemerkte.
     In enger Zusammenarbeit mit Günther Uecker wurde das Ausstellungskonzept entwickelt. Knapp drei Jahre nahmen sich die Beteiligten Zeit und entschieden sich letztendlich für vier thematische Säulen.

 

In der Grabbe Halle hängen die "Verletzungswörter" und der "Brief an Peking". Foto ©rART

 

Grabbe Halle Da ist zum einen seine „Wort-Kunst“ mit der Arbeit „Verletzungswörter – Die Verletzung des Menschen durch den Menschen“ (1992/2015). Es sind wandhoch gehängte, geschriebene Bilder, die Verletzendes in vielen Sprachen benennen und im besten Sinne eine Vereinbarung sind, „sich nicht zu erschlagen“, wie Uecker hierzu anführt. Der „Brief an Peking“ von 1994 besteht auch aus beschriebenen riesigen Leinwänden, zwischen denen der Besucher, weil in den Raum hinein gehängt, wandeln kann.
     Zu hören ist Uecker-Kunst hier ebenfalls: die sogenannte „Leutekunst“, wie die Kuratorin Stefanie Jansen es benannte, ist mit dem Terrororchester (1968/82) vertreten. Dieses besteht so ziemlich aus allem, was genervte Eltern ihren Kindern wegnehmen, wenn sie mit dem Löffel auf die Töpfe schlagen: im Falle Uecker sind dies krachende Steine, scheppernde Koch- oder Waschutensilien, die ihre sehr authentische Lautstärke quasi auf Knopfdruck preisgeben. Der Druck mit dem Fuß auf einen der vielen roten Knöpfe auf der bodennahen Schalttafel genügt.

 

Mitmachen erwünscht beim "Terrororchester". Foto ©rART


Seit Jahrzehnten begleitet der Satz „Wo die Sprache versagt, da beginnt das Bild" Ueckers Wirken und so lässt der Künstler die Sandmühle von 1970 neben dem Terrororchester ruhig ihre Bahnen ziehen. Fast meditativ kreiseln Schnüre immer gleich durch den Sand, unermüdlich im Schaffen und Ausgraben ihres Weges.

 

Die "Sandmühle" dreht sich beständig. Es ist die Zeit, die das Werk unmerklich verändert. Foto ©rART


Klee Halle In der größten Ausstellungshalle des Hauses ist seine "Nagelkunst" zusehen. Hier befinden sich brillante Nagelreliefs und in verschiedenen Kojen didaktisch aufbereitet alles das in Kurzform, was das Œuvre Ueckers über das Gezeigte hinaus ausmacht. Und das ist sehr, sehr viel. Dazu gehören neben Fotos und Briefen die filmischen Aufnahmen seiner so berühmten Performances, die er in den 60er Jahren auch in den Gassen der Düsseldorfer Altstadt realisierte. Seine ZERO-Zeit (mehr), in der er zusammen mit seinen ebenso bekannten Künstlerkollegen Heinz Mack (mehr), Otto Piene (mehr) und anderen in der Nachkriegszeit die Stunde Null in der Kunst ausrief, wird unter anderem mit dem „Lichtregen“ exemplarisch dokumentiert.

 

Unzählige Male hat er sie realisiert: Nagelarbeiten. Die im K20 gezeigten gehören einer sehr persönlichen Reihe an. Sie sind, so Uecker "meine Biografie". Im Vordergrund das Bild "Hommage à Yves Klein I" von 1962. Es stammt aus einer Kölner Privatsammlung. Foto ©rART

 

Die vielfach aus privaten Sammlungen zusammen getragenen Nagelbilder sind von einer großen Intensität und tragen Daten aus den letzten Jahrzehnten. Für Uecker sind sie „Felder“, in denen er einmal im Jahr die neuere Vergangenheit und seine aktuelle Befindlichkeit nagelnder Weise festgehalten hat. Diese „Felder“ seien auch seine Biografie, erklärt der Bildhauer, und er habe manche lange nicht wiedergesehen. Und es sei ihm eine persönliche Freude, ihnen hier an diesem Orte, in der Kunstsammlung NRW, die er so sehr schätzt, so komplex zu begegnen. Für ihn sei es, als „würde ich mich selbst betrachten“.


Botschaft Uecker war immer und ist nach wie vor ein politischer und gesellschaftlich engagierter Künstler. Seine scheinbar unerschöpfliche Energie ist die eines Missionars, der eine Botschaft hat. Und das internationale Parkett empfängt den in Mecklenburg geborenen mit Respekt. Die Resonanz auf seine künstlerischen Positionen gegen empfundene Missstände ist groß. Er versteht es einfach, Menschen mit dem zu begegnen, was sie bewegt. Seine Tonalität trifft den Kern.
     Dieses Gespür haben seine zahlreichen Auslandsreisen und die Begegnung mit den Kulturen anderer sicherlich verfeinert. „Eigene Erfahrungen dienen der Weltkorrektur“, sagte Uecker anlässlich der Pressekonferenz, und weiter: „Die Quelle der Kunst liegt außerhalb der Kunst.“ Die Lesart seiner Arbeit ist daher so unterschiedlich wie der aktuelle und kulturelle Hintergrund der Betrachter.

 

Installationsansicht der Ausstellung „Uecker“ mit Blick in die Klee Halle.
Foto Nic Tenwiggenhorn © Kunstsammlung NRW


Ueckers Wirken und Wirkung in der globalen Welt hat Marion Ackermann von ganz anderen als heimischen Rezipienten in Worte fassen lassen. Eine aktuelle Ausgabe, als Fortsetzung der von 1968 bis 1983 erschienenen Uecker-Zeitung, lässt junge Kunsthistoriker aus Polen, Russland, China, Israel, Ägypten, Iran oder Kuba erzählen, wie das Werk Ueckers in ihren Kulturen aufgenommen wird. Es ist die Ausgabe Nr. 11/15 und sie liegt in der Ausstellung kostenfrei aus. Lesen lohnt sich. Ihr kann der Interessierte mehr über den Künstler Uecker und sein komplexes Werk entnehmen, als es die Ausstellung allein aufzuzeigen vermag.


 Günther Uecker, 1930 in Wendorf geboren, studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Otto Pankok und lehrte dort selbst einige Jahre. Die Schau im K20 ist die erste Einzelausstellung in der Landeshauptstadt, die dem international präsenten Künstler ausgerichtet wird. Uecker, der in diesem Jahr 85 wird, ist seiner Wahlheimat Düsseldorf sehr verbunden. Ein Katalog zur Ausstellung wird realisiert.
Irmgard Ruhs-Woitschützke


Die Ausstellung „Uecker“ ist bis zum 10. Mai 2015 zu sehen.
K20
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Grabbeplatz 5
40213 Düsseldorf
Tel. 0211 / 8381-204
Öffnungszeiten
DI – FR 10 – 18 Uhr
SA + SO 11 – 18 Uhr

 

 

 

 

 

 

 

 


  

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