rheinische ART
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rheinische ART 03/2015

Archiv 2015

MACK-KAPELLE MARIANUM
Ein Beispiel für Kirche und Kunst

 

Die Kirchenwelt des Rheinlands zählt zahlreiche Kapellen zu ihrem Gebäudebestand. Eine der ungewöhnlichsten unter ihnen: Die vom ZERO-Künstler Heinz Mack (*1931) gestaltete Bet- und Andachtsstätte im Collegium Marianum in Neuss.

 

 

Gebäudefront des ehemaligen Collegium Marianum an der Preußenstraße in Neuss. Foto © rART

 

Die sogenannte Mack-Kapelle gilt unter Kunstinteressierten längst als ein Geheimtipp. Die Hauskapelle im 1. Obergeschoss des neobarocken Marianum in Neuss ist zu einem Erlebnis- und Begegnungsort von Sakralität und moderner zeitgenössischer Kunst geworden. Seit ihrer Fertigstellung 1988 sind viele Interessierte aus dem In- und Ausland auf die Marienkapelle aufmerksam geworden.

 

Kreuzweg im L-förmigen Umgang der Kapelle. Die mit Blattgold bearbeiteten Bronzetafeln hängen hochformig auf Augenhöhe. Foto © rART

 

Kontroverse um Mack Der heute international gefeierte Künstler Heinz Mack (mehr) hat die Kapelle als Gesamtkunstwerk neu gestaltet. Doch bevor er 1984 dazu den Auftrag erhielt, drohte das Projekt an teils heftigen Kontroversen um die Person des Bildhauers und Malers zu scheitern. „Ein renommierter Künstler, kein Christ, erst recht nicht katholisch, ohne vorzeigbare Erfahrung im Umgang mit sakralen Räumen, ungewöhnlich denkend im ikonografischen Programm, und dann noch sehr selbstbewusst mit Blick auf das exklusive Ausgestaltungskonzept: das hatte wenig Aussicht auf Realisierung“, kommentierte der seinerzeitige Leiter des Marianum, Pfarrer Herbert Ullmann, die Anfänge der geplanten Neugestaltung.

 

Glasfenster im Eingangsbereich mit Motiven der Schöpfungsgeschichte. Foto © rART

Um den rechten Weg wurde also heftig gestritten. Es sei dem damaligen Direktor des Vorseminars für Geistliche Berufe, Monsignore Johannes Börsch und dem Ex-Kölner Künstlerseelsorger und heutigem Bischof von Würzburg Dr. Friedhelm Hofmann zu verdanken, so Ullmann, dass mit dem Künstler ein guter gemeinsamer Weg gefunden und in der Person des damaligen Kölner Erzbischofs, Josef Kardinal Höffner (1906-1987), "...ein Entscheidungsträger von beachtlicher Weite des Denkens und großer künstlerischer Aufgeschlossenheit überzeugt werden konnte", so dass der Kölner Kirche und der Stadt Neuss ein ´Kleinod´ moderner sakraler Kunst geschenkt werden konnte.

 

Kunst und Kirche Sämtliche bautechnischen und innenarchitektonischen Komponenten wie Lichtführung, Farbe, Mobiliar, Fenster und Prinzipalstücke sind aufeinander abgestimmt und zeigen sich in der für den Künstler Mack klaren Formensprache. Mit der gewählten Ausgestaltung nimmt diese Kapelle mittlerweile einen ähnlich singulären Stellenwert ein wie die Bruder Klaus-Feldkapelle des Schweizer Stararchitekten Peter Zumthor in der Eifel (mehr).
     Als Heinz Mack vom Erzbistum Köln den Auftrag zur Neugestaltung der Kapelle als „Wohnung Gottes unter den Menschen“ bekam, hatte er keine Erfahrung in der sakralen Kunst. Der Mönchengladbacher galt als „Lichtkünstler“. Mack hatte mit Otto Piene (mehr) und Günther Uecker (mehr) in den 1960er Jahren das Düsseldorfer Künstlertrio ZERO (mehr) gebildet, dem jüngst das New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) eine große Retrospektive ausrichtete.

 

Blick vom Kapelleneingang zum Altar Der monolithische Altarblock aus teils geschliffenem dunklen Granit wird von einer Projektionswand verdeckt. Das schwebend wirkende weiße Marmorkreuz weist leicht nach oben gerichete Balken auf, Sinnbild für den am Kreuz erhöhten Jesus Christus des Glaubens, der ausgespannt zwischen Himmel und Erde seine Hände zum Vater erhebt. Foto © rART

 

Licht und Farbe Mack legte ein Gesamtkonzept zur Umgestaltung vor. Licht und Farbe war dabei seine zentrale Gestaltungsidee. Des Künstlers Credo „Ich glaube an das Licht“ dokumentiert sich besonders eindrucksvoll in den zwölf facettenreichen, von Blautönen beherrschten Glasfenstern zum Schöpfungszyklus, gipfelnd in der „Erschaffung des Menschen“. Dazu korrespondieren die Engelreliefs in Gips, ausgeführt in der alten Sgraffitotechnik, einem speziellen mehrschichtigen Putzauftrag mit Kratzornamentik auf der gegenüber liegenden Wandseite. Überzeugend seine Wahl für die Abtrennung des Altar- vom Kapellenraum. Hier wählte er nach Lettner-Vorbild 22 schlanke, durchsichtige runde Stelen, die Kerzen tragen. „Das theologisch-künstlerische Konzept kann zweifellos als katechetischer Glücksfall bezeichnet werden, steht es doch im Dienst der Glaubensverkündigung in einem besonders durch die Feier der Liturgie lebendigen Raum“, wertete Ex-Direktor Ullmann die Gestaltung.

 

Apsis mit einem Lichtkreuz Es leitet das Tageslicht in den Altarraum und hüllt das 750 kg schwere weiße Marmorkreuz im Inneren mit einer einzigartigen Aura ein. Foto © rART

 

Buchcover

 

Kreuzweg-Führung 2011 konnte die Kapellen-Gestaltung mit der Einweihung von Macks fünfzehn abstrakten Kreuzwegstationen im Umgang zur Sakristei vollendet werden. Zu diesen mit Blattgold bearbeiteten, bronzenen Wandskulpturen erschien jetzt als Interpretationshilfe und Leitfaden für Kunstinteressierte die Publikation „Kreuz-Weg“ des Pfarrers und Fachbuchautors Kurt-Peter Gertz. Er hat eine gründliche Studie der Kreuzwegstationen durchgeführt und bietet dem Leser eine konzise Analyse und Betrachtung der einzelnen Kunstwerke. Gleichzeitig legt Gertz eine behutsame Deutung des Werkes vor. Der Autor betonte jedoch in einem Vortrag im Rahmen der Buchpräsentation ausdrücklich die Sichtweise des Künstlers, wonach die Kapelle „für jede Interpretation“ offen sei.

 

Historie Das Collegium Marianum geht in seinen Ursprüngen auf eine 1616 von Jesuiten in Neuss gegründete Lateinschule zurück. Von 1950 an ermöglichte das Erzbischöfliche Collegium Marianum als Weiterbildungsstätte Interessierten die Erlangung der Hochschulreife auf dem Zweiten Bildungsweg. Der sakrale Raum des ehemaligen Collegiums ist Bestandteil eines 1908 erbauten neobarocken Gebäudes, das ursprünglich als Mädchenerziehungsheim („Notburgahaus“) diente. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Gebetsraum so stark zerstört, dass eine Restaurierung im alten Stil nicht möglich war.

     Rückläufige Zahlen bei Gläubigen und Besuchern zwangen das Erzbischöfliche Konvikt 2007 zum Verkauf des gesamten Anwesens an die Neusser Bauverein AG. Doch im Gegensatz zu Bauwerken mit ähnlichem Schicksal, wie etwa der als Böhm-Chapel (mehr) bekannten ehemaligen Rundkirche St. Ursula in Hürth-Kalscheuren, wurde der Andachtsraum im Marianum nicht profaniert. Die Erwerberin, die Bauverein AG, ging die Verpflichtung ein, die Marienkapelle zu erhalten und dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich zu halten. Das Kleinod christlichen Lebens dient nach wie vor als Versammlungsort von Christen, als Raum für Wortgottesdienste und geistliche Konzerte.

Claus P. Woitschützke

 

 Mack-Kapelle Marianum
Preußenstraße 66/ Am Marianum 36
41464 Neuss

Tel. 02131 / 130392
Öffnungszeiten
Die Kapelle ist anlässlich von Führungen und anderen Veranstaltungen geöffnet.

 


Literaturhinweis
Kurt-Peter Gertz,

Kreuz – Weg

15 Stationen von Heinz Mack im ehemaligen „Collegium Marianum“ Neuss,

48 Seiten, Kuehlen-Verlag, 2015, ISBN 978-3-87448-444-2,  Euro 24,90

 

 


  

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