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rheinische ART 08/2014

Archiv 2015

GRAF VON MOLTKE UND DER MALER

Verbotene Bilder

 

Der Graf ahnte schon 1941, wie alles enden würde. Der Krieg drohe, verloren zu gehen, seine Heimat Schlesien würde polnisch oder tschechisch werden, das Landgut im niederschlesischen Dorf Kreisau würde die Familie verlassen müssen. Für diesen Fall wünschte sich Helmuth James Graf von Moltke Landschaftsbilder seiner Heimat zur Erinnerung. Den Auftrag erhielt der befreundete Expressionist Karl Schmidt-Rottluff.

 

Karl Schmidt-Rottluff Blick zum Zobten, Kreisau, 1942, Foto Schlesisches Museum

 

Vor sechs Jahren war es schon eine kleine Überraschung, als im Schlesischen Museum von Görlitz sechs erhaltene Werke Schmidt-Rottluffs aus jenem Auftrag - vier großformatige Landschaftsaquarelle und zwei kleine Pastelle - erstmals öffentlich gezeigt wurden. Sie entstammen allesamt dem Familienbesitz der schlesischen Adelsfamilie. Die Gemälde sind derzeit in einer kleinen Exposition im Schlesischen Haus in Königswinter zu sehen.

 

Berufsverbot Zwei Besonderheiten kennzeichnen diese Arbeiten. Sie entstanden im Spätsommer des Kriegsjahres 1942, als sich Karl Schmidt-Rottluff auf Einladung von Moltkes zwei Wochen in Kreisau aufhielt. Also zu einer Zeit, als der Maler, Grafiker, Plastiker und „Brücke“-Mitbegründer bereits seit einem Jahr einem Mal- und damit einem Berufsverbot unterlag, da er „dem kulturellen Gedanken des nationalsozialistischen Staates“ - so die „Reichskammer der bildenden Künste“ - fernstehe. Seine Kunst galt als „entartet“, die Aquarelle hätten somit nie entstehen dürfen.

 

Seit 1933 waren von den Nationalsozialisten über 600 Werke Schmidt-Rottluffs (1884-1976) im Zuge der „Ausmerzung von Werken entarteter Kunst“ aus Museen und Sammlungen entfernt und einige davon in der diffamierenden Wanderausstellung „Entartet Kunst“ zur Schau gestellt worden. Schon ab 1936 hatte der Expressionist Ausstellungsverbot.
     Die zweite Besonderheit: Helmuth James Graf von Moltke war einer der führenden Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime, das Familiengut mit Schloss im ländlichen Kreisau, etwa 50 Kilometer südwestlich von Breslau, war konspirativer Treffpunkt einer von ihm organisierten bürgerlichen Widerstandsgruppe, die von der Gestapo später als „Kreisauer Kreis“ bezeichnet wurde. Von Moltke wurde im Januar 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

 

Helmuth James von Moltke und seine Frau Freya, hinten Granny und Bruder Wilo, 1935. © Foto Stiftung Kreisau

 

Landschaftsbilder Es gilt heute als sicher, dass der sächsische Maler Karl Schmidt aus dem Chemnitzer Stadtteil Rottluff, den Geburtsort fügte er später seinem Namen hinzu, von der besonderen und risikoreichen Rolle des schlesischen Gutsherrn und seiner Widerstandsgruppe nichts wusste und auch nichts ahnte.

     Von Moltke war Jurist und Sachverständiger für Kriegs- und Völkerrecht im Auslandsamt. Er wollte wie auch seine Frau Freya qualitativ hochwertige Bilder, denn nur ein gutes Bild sei besitzenswert, „...weil man sich ein anderes doch übersieht“, schrieb er 1942 an seine Gattin.
     Es gab seitens des Hausherrn offenbar weder Vorgaben zum Motiv noch zur Maltechnik. Zweifelsfrei war es Schmidt-Rottluffs Vorsicht, die ihn bewog, in Kreisau eine Bilderserie aus Aquarellen und kleinen Pastellen und keine verräterischen, lange trocknenden und Farbgeruch absondernden Ölbilder zu malen. Die genaue Anzahl der Werke aus diesen zwei Wochen ist unbekannt. Überliefert ist, das sie teils bei Luftangriffen auf Berlin im Atelier des Künstlers vernichtet, teils in Kreisau mit anderen eingelagerten Werken des Moderne-Malers nach Kriegsende zerstört wurden.

 

Schmidt-Rottluff wählte bei seinen Motiven, wiederum aus Vorsicht, keine klassischen Szenerien. Weder malte er Portaits, noch das Kreisauer Schloss und nicht das Berghaus, einen Gutshofteil, in dem die Familie von Moltke wohnte. Auch gab es keine Abbildungen aus den Gärten oder der Landwirtschaft. Der verfemte 58-Jährige, der sich 1910 an Ausstellungen der Berliner Secession (mehr) und 1914 an der Sonderbund-Ausstellung in Köln (mehr) beteiligt hatte, verlegte sich auf mehr oder weniger anonyme, allgemein gehaltene Landschaftsszenerien, denen nur ein Ortskundiger den Malerstandort entnehmen konnte. Sie zeigen das Eulengebirge und die beiden Hauptgipfel Zobten- und Geiersberg im Zobten-Massiv, einem Wahrzeichen Schlesiens. Die Auftraggeber erkannten die Landschaft ihrer Heimat wieder und erwarben eine nicht bekannte Anzahl von Werken aus der Bilderserie. „Von den Bilder waren sie sehr begeistert, noch mehr eigentlich, als ich erwartet hatte“, schrieb von Moltke 1942 über die Reaktion seiner Angehörigen.

 

► Die Präsentation der Werke ist Teil der zeitgleichen Sonderschau „Der Kreisauer Kreis – Neuordnung im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ im Haus Schlesien. Sie zeigt Facetten des Widerstands in der nationalsozialistischen Diktatur am Beispiel der Überlegungen und Aktivitäten der Mitglieder des Kreisauer Kreises.
K2M


Die Ausstellung „Verbotene Kunst - Bilder von Karl Schmidt-Rottluff für Helmuth James von Moltke“ ist vom 31. August 2014 bis 8. März 2015 zu sehen.
Haus Schlesien
Dollendorfer Straße 412
53639 Königswinter-Heisterbacherrott
Tel. 02244 / 886-0

Öffnungszeiten
DI - FR 10 -12 Uhr / 13 - 17 Uhr,
SA, SO und Feiertags 11 - 18 Uhr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

  

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