rheinische ART
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rheinische ART 03/2013

 

ARCHIV 2013

Ein fast vergessener rheinischer Pionier


Gau in Abu Simbel


 

Ankunft vor dem kleinen Felsentempel von Abu Simbel, Aquarell Franz Christian Gau 1819 (Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien)

 

Ansicht der Insel Philae, Feder in Schwarz, Aquarell Franz Christian Gau 1819 (Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien)

Der Mann war 29 Jahre alt, kam aus Köln, hatte in Paris Architektur studiert und verfügte über eine altersadäquate Abenteuerlust. Franz Christian Gau zog es als Forschungsreisenden - auf eigene Faust - vom Rhein an den Nil. Die dort von ihm gefertigten Skizzen ägyptischer Altertümer wurden Vorlage für eine der letzten prächtigen Kupferstich-Editionen in Europa. Zu sehen sind seine Bilder jetzt im Kölnischen Stadtmuseum.


Der wissenschaftliche Wert von Gaus´ Tempelbildern und Landschaftsskizzen ist nicht zu beziffern. Denn sie zeigen, wie es einmal im Niltal 150 Jahre vor dem Bau des Assuan-Staudamms ausgesehen hat, in dessen Wassern alles versank. Dass der Kölner Franz Christian Gau (1790-1853) heute in Deutschland nahezu vergessen ist, mag daran liegen, dass er mit 36 Jahren französischer Staatsbürger wurde und seine Karriere als Baumeister fast ausschließlich in Paris machte. Dort war er für den städtischen Krankenhausbau verantwortlich sowie für die Restauration mehrerer Kirchen. Insbesondere seine Arbeiten für St. Clotilde, für die er sich den Kölner Dom zum Vorbild nahm, sind in Paris eng mit seinem Namen verbunden. In seiner Geburtsstadt Köln existiert eine nach ihm benannte Straße im Stadtteil Braunsfeld.

 

Erster Europäer in Nubien

 

Norbert Bittner: Im Tempel von Gerf Hussein, Feder in Schwarz, Aquarell nach den Kupferstichen von Franz Christian Gau (Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien)

 

Foto Felix Bonfils: Touristen auf der Cheops-Pyramide um 1870

(Köln, Museum Ludwig, Sammlung Agfa)

 

Das Ziel von Gaus´ Expedition 1818 bis 1820 war das seinerzeit noch unerforschte Nubien südlich des ersten Nilkatarakts, eine Region im heutigen Ägypten, die über die Landesgrenzen in den Sudan reicht. Gut zwei Jahrzehnte zuvor hatte selbst das Napoleonische Expeditionscorps diese Gegend nicht erreicht. Der Kölner dagegen schaffte es nilaufwärts und kam als erster Europäer dort an. Der gelernte Architekt zeichnete die baulichen Altertümer entlang des Nils mit der typischen Präzision seines Berufsstandes. Er skizzierte, kartierte und vermaß Tempel, Land und Fluss und wies alles genau in Metern und dem damals noch weit verbreiteten „Rheinischen Fuß“ (31,39 cm) aus.

   Gau besuchte die grandiose Felsenanlage von Abu Simbel, die Ramses-Tempel in Wadi el-Sebua und den Mandulis-Tempel im antiken Talmis, was damals Kalabscha hieß. Alles Orte, die längst im Assuan-Stausees verschwunden sind, deren Tempel aber gerettet und in den späten 1960er Jahren außerhalb des Stausees für die Nachwelt wieder aufgebaut wurden. Eine weitere Leistung von Gau bestand darin, dass er als erster Europäer das Innere des großen Tempels von Abu Simbel untersuchte und dokumentierte.

 

Ägyptomanie

 

Nach seiner Rückkehr wurden seine Zeichnungen in Paris von den besten Kupferstechern der Zeit verarbeitet und 1824 unter dem Titel Les antiquilés de la Nubie publizierte. Dieser Nubienband verschaffte ihm größte Anerkennung in Frankreich und Deutschland. Die Publikation wurde neben Humboldts „Reisewerk“ und Boisserées „Domwerk“ zu einem der letzten großen Kupferstich-Bände der Epoche. In Wien nutzte der Maler Norbert Bittner diese Kupferstiche wenige Jahre später für die Aquarell-Malerei. Ohne selbst Ägypten gesehen zu haben, steigerte Bittner die Bilder zu theatralischen Ansichten aus einem exotischen Land – und bediente damit die rege Nachfrage nach Bildern mit orientalischen Motiven, die sich im Zuge einer Art „Ägyptomanie“ entwickelt hatte.

   Die Schau im Kölnischen Stadtmuseum präsentiert Zeichnungen und Aquarelle von versunkenen altägyptischen und nubischen Tempeln, die Gau während seiner Nilreise angefertigt hat. Die Zeichnungen galten lange als verschollen. Erst 1999 wurden sie zufällig im Wiener Kupferstichkabinett der Akademie der Bildenden Künste entdeckt. Mit diesen 57 Aquarellen, handkolorierten Stichen aus dem Nubienwerk, frühen historische Fotografien und anderen Exponaten bietet die Ausstellung einen Blick auf eine Zeit, in der die Entdeckung Ägyptens und Nubiens erst begonnen hatte.

 

Die Ausstellung steht als Beitrag zum Deutsch-Französischen Jahr 2013 unter der Schirmherrschaft des Botschafters der Französischen Republik.

K2M

 

 

Die Ausstellung „Köln/Nil. Die abenteuerliche Orient-Expedition des Kölners Franz Christian Gau 1818-1820“ wird bis zum 26. Mai 2013 gezeigt.

Kölnisches Stadtmuseum
Zeughausstr. 1-3
50667 Köln
Tel. 0221 / 22 12 5789

Öffnungszeiten:
DI 10 –20 Uhr
MI - SO 10-17 Uhr
Am ersten Donnerstag eines Monats 10-22 Uhr

 

 

 

 

 

 

 

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