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rheinische ART 02/2014

Archiv 2014

ZWISCHEN AMERIKA UND JAPAN

Emil Orlik 

Reisender und Suchender

 

Es bedarf eines guten Auges, brillanter grafischer Fertigkeiten und interkultureller Kompetenz, um in strengen Farbholzschnitten traditionelle japanische Motive so abzubilden, als seien sie von genuinen Meistern des Landes geschaffen. Emil Orlik (1870-1932), Vertreter des Wiener Jugendstils, verfügte offenbar über alle drei Talente.

 

Es ist bemerkenswert, dass in den letzten zwei Jahrzehnten das Interesse an diesem höchst kreativen Kopf, der in Berlin unter anderen George Grosz, Hannah Höch oder Oskar Nehrlinger ausbildete, deutlich zugenommen hat. Es gab jüngst mehrere Ausstellungen zu seinem Œuvre. Jetzt zeigt das Kölner Käthe-Kollwitz-Museum die Schau „Emil Orlik – zwischen Japan und Amerika“. Sie befasst sich mit dem Zeitraum 1898 bis 1930; also jenen 32 Jahren des Künstlers, in denen er eine enorme Reisetätigkeit entfaltete. Im Zentrum stehen dabei die erste Japanreise Orliks und der Einfluss des japanischen Farbholzschnittes auf sein Schaffen.

 

Emil Orlik, Selbstbildnis mit Tropenhelm, 1924, Kaltnadelradierung, Aquatinta in schwarz

  

Vielseitig Der gebürtiger Prager Emil Orlik trug schon zu Lebzeiten das Etikett „Vielseitig“. Denn der deutsch-böhmische Künstler war Maler, Zeichner, Grafiker, Buchkünstler und Farbholzschneider, reiseversessen, wissbegierig und stets dem Neuen, Originalen und Bereichernden zugetan. Orlik studierte in den 1890er Jahren in München. Danach war er zunächst in Wien und dann in Berlin tätig und schuf Werke unter dem Einfluss von Realismus und Jugendstil.

 

Teil der Kunstszene Mit gut 30 Jahren hatte er sich bereits einen Namen gemacht. Im Kreis der Wiener Secessionisten um Gustav Klimt galt er als experimentierfreudiger Grafiker und Spezialist für Farbholzschnitte. In seiner Wahlheimat Berlin, wo er bis zu seinem Tode lebte, nahm Emil Orlik 1905 eine Lehrtätigkeit an der Berliner „Meisterschule für Grafik und Buchgewerbe“ auf und wurde Mitglied der Berliner Secession (mehr). Seine Kunst war viel gefragt. Orlik wurde zum führenden Porträtisten seiner Zeitgenossen aus Kunst, Kultur und Wissenschaft. Unter ihnen so bekannte Namen wie Rainer Maria Rilke, Max Reinhardt, Gustav Mahler oder Albert Einstein. Auch zahlreiche befreundete Künstler porträtierte er, wie Ernst Barlach, Lovis Corinth, Otto Dix, Käthe Kollwitz, oder Schriftsteller wie Franz Werfel, Thomas Mann oder Alfred Döblin. Für den Theater-Regisseur Max Rheinhardt fertigte er Bühnen- und Konstümbildentwürfe.

 

Emil Orlik, Schneiderwerkstatt in Prag, 1898, Farbholzschnitt

 

Rastloser Reise-Chronist Bestimmend für seine Arbeit waren ausgedehnte Reisen, auf denen er Inspirationen und technische Anregungen suchte und fand. Emil Orlik sah sich selbst 1919 mit Blick auf seinen Lebensweg als „Vielgewanderten“ und „Vielversuchten“. Denn neben ständigen Reisen in Europa hielt er sich auch in Nordafrika, Asien und Amerika auf. Als einer der ersten europäischen Künstler seiner Zeit ging er 1900 für zehn Monate nach Japan, um dort, im Ursprungsland des klassischen Farbholzschnittes, seine Technik zu perfektionieren. Ein Unterfangen, das damals ein teurer Spaß war. Orlik finanzierte den Aufenthalt, der ihn eigenen Angaben zufolge 16.000 Mark kostete - “ein Vermögen für Leute meines gleichen“ - über Zeitschriften-Honorare und ein Stipendium.

 

Emil Orlik, Kurumaya, Japanischer Wagenzieher, 1900, Farbradierung

 

Emil Orlik, Japanerin vor einem Wandschirm, 1900, Farbholzschnitt

 

Inspirationsquelle Japan Das fernöstliche Kaiserreich, vier Jahrzehnte vorher noch so gut wie völlig abgeschottet von der Welt, hatte es ihm angetan. Schließlich war die japanische Kunst, die wie eine Welle über Europa schwappte und auf der Wiener Weltausstellung 1873 große Triumphe feierte, der große Impulsgeber des Jugendstils. Obwohl er vor Ort hin und her gerissen war zwischen Erwartung und Enttäuschung, gefalle ihm Japan, so resümierte Orlik, „...immer mehr und mehr“ und über die berühmte jahrhundertealte Praxis des Farbholzschnittes äußerte er zutiefst anerkennend: „Eine technische Fertigkeit, die wir neidlos bewundern müssen.“

 

Ukiyo-e-Genre Es waren vor allem die farbintensiven „Bilder der fließenden Welt“ (Ukiyo-e), die in Europa einen Japan-Hype auslösten. Diese Farbholzschnitte mit Szenen aus dem alten Edo, so der Name von Tokio zwischen 1615 und 1868, erzählten von berühmten Schauspielern, schönen Kurtisanen, eleganten Prostituierten, Erotik und bezaubernden Landschaften. Europas Kreativ- und Kunstbetrieb, namentlich Avantgardisten wie etwa Edgar Degas, Édouard Manet oder Claude Monet, war fasziniert. Eine Kunst fürs Volk, klar, exotisch, reduziert, schönlinig, erschaffen von Meistern des Ukiyo-e-Genres wie Kitagawa Utamaro, Utagawa Hiroshige und Katsushika Hokusai (mehr). Und der Japonismus bot, wie auch Orlik es formulierte, für europäische Augen Neues: das Fehlen von Perspektive, die Schattenlosigkeit und ungewohnte Kompositionen.

     Während des ersten Aufenthaltes in Nippon fertigte Emil Orlik rund 20 Arbeiten. Die meisten Blätter entstanden nach seiner Rückkehr. 1904 brachte er in einer 50er-Edition die Mappe „Aus Japan“ heraus, die Farblithographien und -radierungen mit Alltagsszenen enthielt. Diese Drucke galten bereits seinerzeit als meisterhaft in der technischen Ausführung, der pastelligen Farbgebung und der Motivwahl. So wie er in Tokio oder Kyoto Geishas, Pilger und quirlige Straßenszenen mit Rikschas festhielt, zogen Emil Orlik auch die Skyline New Yorks und die besonderen Lichtverhältnisse Ägyptens in den Bann: „Träume ich von Ägypten, so befällt mich ein heller Schein.“

 

 

► Die 140 Exponate der Ausstellung stammen überwiegend aus dem reichen Orlik-Bestand des Kunstforums Ostdeutsche Galerie Regensburg. Ergänzende Leihgaben steuerten die Hamburger Privatsammlung von Peter Voss-Andreae und das Kölner Wallraf-Richartz-Museum bei.

 

 Emil Orlik hatte zum Ende des Ersten Weltkriegs bereits einen großen Ruf als Zeichner und Porträtist. Er wurde aus diesem Grunde 1918 von der Presseabteilung des Auswärtigen Amtes in Berlin beauftragt, als Pressezeichner auf der Friedenskonferenz von Brest-Litowsk die Vertreter der beteiligten Delegationen zu zeichnen. Orlik schuf dort das berühmte Doppelportrait des russischen Verhandlungsführers Leo D. Trotzki.
cpw

 

Die Ausstellung „Emil Orlik – Zwischen Japan und Amerika“ wird vom 1. Februar bis zum 27. April 2014 gezeigt.
Käthe Kollwitz Museum Köln
Kreisparkasse Köln
Neumarkt 18-24
50667 Köln
Tel. 0221 – 227 2899/-2602
Öffnungszeiten
DI – FR 10-18 Uhr
SA, SO/ Feiertag 11-18 Uhr

 

Zitierquelle und Biografiehinweis: Birgit Ahrens, „Denn die Bühne ist der Spiegel der Zeit“ - Emil Orlik (1870-1932) und das Theater, Kiel 2001

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

  

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