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rheinische ART 10/2014

Archiv 2014

KUNSTMUSEUM SOLINGEN
Zentrum für verfolgte Künste


Am 1. Januar 2015 nimmt das Zentrum für verfolgte Künste im Kunstmuseum Solingen den Betrieb auf. „Nach fünf Jahren zähen Verhandelns der Verwaltungen und der Ministerien und klarer Entscheidungen des Stadtrates in Solingen und der Landschaftsversammlung des Landschaftsverbandes in Köln wird in Solingen ein einzigartiges Projekt realisiert“, so das Haus.


Vielfältige Projekte Seit 2008 werden im Kunstmuseum Solingen und in einem internationalen Netzwerk interessierter Personen und Institutionen kulturhistorische Projekte zum Zeitraum 1914 bis 1989 erarbeitet.

     Erstes Ergebnis ist die vom Bundestagspräsidium beschlossene Ausstellung des Deutschen Bundestages zum 70. Jahrestag nach den Ereignissen von 1945: Kunst und Literatur als Dokumente zum Kriegsende und zur Befreiung der Menschen in den Konzentrationslagern. „Niemand zeugt für den Zeugen“ ist nach einem Gedicht Paul Celans die große Ausstellung im Abgeordnetenhaus des Deutschen Bundestages in Berlin überschrieben, die am 27. Januar 2015 eröffnet wird.
     Das Zentrum für verfolgte Künste konzipierte diese Ausstellung. Sie wandert von Berlin ins Felix Nußbaum-Museum nach Osnabrück. Als man in Polen von dieser Ausstellung erfuhr, hat man sich schnell entschlossen, sie ab 25. Juni im neuen großen Museum für zeitgenössische Kunst in Krakau zu zeigen, das für 100 Millionen Euro an die Fabrik Oskar Schindlers angebaut worden ist. Reaktion aus Israel: Man möchte anschließend die Exposition nach Yad Vashem übernehmen und hat dem Zentrum für verfolgte Künste eine ständige Kooperation angeboten.


Schirmherr dieser ersten Ausstellungsreihe ist Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert. Er hat bereits das Kunstmuseum Solingen besucht. Zur feierlichen Eröffnung des Zentrums für verfolgte Künste im Frühjahr 2015 wird die Multimediaausstellung „Frauen im Holocaust“ aus Yad Vashem übernommen. Sie stellt Frauen vor, die auch in der Literatursammlung Serke vertreten sind. Diese Sammlung ist Teil der Dauerausstellungen des Museums.

     Weiter wird es in Solingen die erste Ausstellung der Originalzeichnungen Michel Kichkas für die Graphic Novel „Zweite Generation“ geben. Dieses Buch kommt zur Zeit in vielen Ländern, zum Beispiel Israel, Frankreich und Deutschland auf den Markt. Es stellt einfühlsam und mit Hilfe des Humors die Erfahrungen eines Sohnes vor, dessen jüdische Eltern durch die Erlebnisse in den vierziger Jahren geprägt worden sind. Der Entschluss, diese Ausstellung zu zeigen, fiel erst, nachdem Holocaust-Überlebende dieses Buch gelesen hatten und mit großer Zustimmung reagierten.


Noch in den USA, aber bald in Solingen werden Gemälde des Malers Eric Isenburger zu sehen sein. Das Ehepaar Isenburger hatte es als Verfolgte bis in die USA geschafft. Sie waren nach dem Reichstagsbrand nach Frankreich entkommen und hatten dort ihre Karriere fortgesetzt: Er international als erfolgreicher Künstler, seine Frau als gefragte Solotänzerin zu klassischer Musik. Nach der Besetzung Frankreichs waren beide interniert worden, aber Freunde verhalfen ihnen zur Flucht und zur Schiffspassage in die USA.
     Das Zentrum wird im späten Frühjahr erstmalig Gemälde von Eric Isenburger zeigen, die zuletzt im Januar 1933 in der Galerie Gurlitt in Berlin zu sehen waren. „It don‘t mean a thing if it ain’t got that swing” wird der Titel der Ausstellung lauten. Das Duke Ellington Orchestra nahm 1932 dieses Jazzstück auf und Eric Isenburger hörte es in Berlin ständig, um den Rhythmus in seine Bilder aufzunehmen. Das Zentrum schickt diese Ausstellung dann weiter zu den Festspielen nach Bayreuth. Hier wird damit dann das Kunstmuseum Solingen nach 2009 und 2011 das dritte Mal zu einer Festspielzeit zu Gast sein.

 

Kunst in der DDR Im Herbst wird dann einer der großen Künstler der DDR Thema in Solingen sein: Joachim Böttcher, genannt „Strawalde“. Damals wurden die Ausstellungen und der Verkauf seiner Bilder verboten. Daraufhin ging er an die Filmhochschule im Osten Berlins und erhielt internationale Preise für seine Filme, die er größtenteils in der DDR ebenfalls nicht zeigen durfte. Seine Freunde unterstützten ihn: Jurek Becker, dessen Porträt das Kunstmuseum kürzlich, durch Spenden finanziert, ankaufen konnte, Manfred Krug, der später in Beckers Fernsehserie „Liebling Kreuzberg“ spielte und Armin Mueller-Stahl, der das Porträt Beckers malte und die Ausstellung Strawaldes in Solingen besuchen möchte, wenn er in dieser Zeit in Deutschland weilt.
rART

 

 

 

 

 

 

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