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rheinische ART 12/2014

Archiv 2014

KATHARINA GROSSE
Malerei auf dem Acker

 

Eine unmittelbare Begegnung mit den Arbeiten Katharina Grosses ist schon wuchtig. Nicht nur die Größe ihrer Gemälde beeindruckt. Es ist der Farbenrausch, der die Bilder vorsätzlich bestimmt und den Betrachter in eine Melangerie verschiedenster Emotionen versetzt. Erstaunen und Verwunderung zuerst, Verblüffung, Neugier ...

 

Rauminstallation von Katharina Grosse im Museum Kunstpalast. Inside The Speaker, 2014 Foto ©rART

 

Katharina Grosse ist Jahrgang 1961, lebt in Berlin und ist Professorin an der Kunstakademie Düsseldorf. Sie ist Malerin, doch ihr bevorzugtes Werkzeug ist nicht der Pinsel sondern die Spritzpistole. Mit ihr wird Grosse zur Millionärin an Farbtropfen.

 

Katharina Grosse Aussenskulptur im Ehrenhof, Museum Kunstpalast Foto ©rART

 

In einer Einzelausstellung im Museum Kunstpalast demonstriert sie, wie gezielt verschwenderisch sie damit umzugehen versteht um das zu entwickeln, was ihrer Vorstellung einer neuen Malerei im 21. Jahrhundert entspricht. Denn ihre Malgründe müssen Leinwand nicht sein.

     Immer wieder versucht sie abseits des klassischen Tafelbildes, die Malerei neu und weiter zu entwickeln. Dazu gehört es für sie, „Orte von eigener Qualität und Stimmung“ entstehen zu lassen. Ihre Außeninstallation am Kunstmuseum Bonn (mehr) ist ein solches Beispiel, aber auch der riesige Schild, der an der Außenwand des Kunstpalastes im Ehrenhof lehnt. In ihrer Schau zeigt sie acht ihrer neuesten übergroßen Gemälde, bietet aber mit der saalfüllenden Installation „Inside The Speaker“ Eintritt in eine überraschende Farbwelt, die „Malen im Raum“ wörtlich nimmt.

 

Beat Wismer und Katharina Grosse Inside The Speaker. Der Direktor des Museum Kunstpalast hat die Schau mit der Künstlerin gemeinsam kuratiert Foto ©rART

 

Mit Klein-Klein hat Grosses Malerei wirklich nichts zu tun, mit Schüchternheit auch nicht. Aber ganz viel mit Experimentierfreude, denn wohlfällige Gesetztheit ist nicht das Kennzeichen von Farbe, wenn Grosse zur Sprayflasche greift. Vielleicht darf man die jetzige Ausstellung Grosses im Museum Kunstpalast ein Wagnis nennen, für die Künstlerin wie für den Direktor und Kurator Beat Wismer, denn selten erlebt man eine Schau, wo Kunst einem so massiv begegnet, einen gar umfängt. Sie tut dies nicht brachial, zu sehr ist sie mit sich eins; aber sie ist eine Herausforderung, ein wirkmächtiger Angriff auf die Sinnesreize des Besuchers.

 

Teilansicht Inside The Speaker von Katharina Grosse im Museum Kunstpalast Foto ©rART

 

Eine kuratorische Fahrt ins Ungefähre dürfte die Installation allemal sein, denn bei solchen Größenordnungen, immerhin 800 Quadratmeter, nimmt sich die Intuition einfach Raum und verzwergt die Planungssicherheit.

     Für die landschaftsähnliche Saalinstallation „Inside The Speaker“ wurden 40 Kubikmeter Erde, 350 Europaletten und 2912 Quadratmeter Stoff verwandt. 10 Mitarbeiter unterstützten die Künstlerin beim Aufbau und die vielen Liter Farbe, die es brauchte, hier, im ersten Obergeschoss des Hauses, temporär eine „Grosse“ zu schaffen, sind ungezählt. Doch der Mut dazu hat sich gelohnt.

 

Malerische Überformung Hat der Besucher einmal die Installation betreten, hat er sich als willig erwiesen, Neues zu erleben. Vom Weiß des Flurs durch die Tür zu treten ist ein durchaus kritischer Übergang, denn der reale Saal wird zum Bildraum, in dem sich der Gast bewegt. Die Unebenheiten des gebauten Geländes, übrigens auch mit Farbe bedeckt, lassen ihn langsam schreiten und immer wieder um sich schauen in eine Welt, die auch Fiktion sein kann. Was als Bekannt zu erkennen wäre, wird durch die Farbe neu, abstrakt, definiert.

 

Unschwer ist es, sich vorzustellen, wie die Künstlerin das monumentale Werk handwerklich meistert. Der körperliche Einsatz muss erheblich sein und lässt an das Informel der Nachkriegszeit denken, wo die Farbe über das Gegenständliche herrschte und der Körpereinsatz der Künstler zuweilen sehr hoch war. Doch Grosses Arbeit ist noch anders. Sie transkribiert bewusst Elemente der Malerei in eine dreidimensionale Welt, die auch die Architektur und die Skulptur kennt und schafft eine Symbiose voller Harmonie.

 

     

    Bild-Impressionen aus Inside The Speaker von Katharina Grosse Fotos ©rART

     

    Kunst schauen Doch die zeigt sich nicht sofort. Schauen muss man schon, bis man sie erkennt: die Kontrolliertheit, die Absicht. Die Farbharmonie, sowenig sie sich auf dem ersten Blick zu erkennen gibt, ist omnipräsent. Gleich, welchen Ausschnitt der Arbeit der Betrachter schaut, er sieht immer ein in sich stimmiges Bild. Nichts kippt. Die Künstlerin, bekannt für ihre farbintensiven Bilderscheinungen, „denkt und handelt in Farben“, heißt es etwas pathetisch in den Informationen des Hauses. Und das ist nicht übertrieben.
    Irmgard Ruhs-Woitschützke

     

    Die Ausstellung „Inside The Speaker“ ist bis zum 01.02.2015 zu sehen.
    Museum Kunstpalast
    Kulturzentrum Ehrenhof
    Ehrenhof 4 – 5
    40479 Düsseldorf
    Tel. 0211 / 566 42 100
    Öffnungszeiten
    DI – SO 11 – 18 Uhr
    DO 11 – 21 Uhr

     

     

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