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rheinische ART 12/2013

Archiv 2014

DESIGN NEU GEDACHT
Das japanische Design der Zukunft

 

Immer wieder hört man es: Japanisches Design hat Klasse. Doch was genau kennzeichnet es? Was unterscheidet es in der Gestaltung? Und vor allem, wie erklärt sich die scheinbar völlig heterogene japanische Designlandschaft, in der Grelles und Dezentes offensichtlich problemlos koexistieren? Eine Ausstellung im Japanischen Kulturinstitut in Köln beleuchtet das Thema - und gestattet einen Blick in die Zukunft.

 

 

 

"Modernes japanisches Design"

Foto: The Japan Foundation

Die von der Japan Foundation zusammengestellte Schau präsentiert eine Auswahl von etwa 100 Objekten des Alltags, die einen Überblick über die Entwicklung des Designs in Japan geben. Der Schwerpunkt liegt auf Exponaten aus der Zeit um die Jahrtausendwende, ergänzt durch Objekte aus der unmittelbaren Nachkriegszeit und den letzten fünf Jahren. Die japanische Designjournalistin Noriko Kawakami, die zusammen unter anderen mit Issey Miyake das 21_21 Design Sight Tokio leitet, sprach anlässlich der Vernissage zum Thema Modernes japanisches Design.

 

Technologie und Handwerk Dabei entschlüsselte sie die Geschichte des japanischen Kunsthandwerkes als ein Wechselspiel des mittlerweile zum Modewort geratenen Monozukuri. Monozukuri – das bedeutet soviel wie „Dinge machen” - wurde in der Vergangenheit häufig als Impetus zur industriellen Fabrikation verstanden, als Triebfeder des japanischen Wirtschaftswunders der 1980er Jahre. In Bezug auf das Kunsthandwerk offenbart der Begriff jedoch eine andere Facette: Dort bezeichnete er in der Vergangenheit die handwerkliche Komponente, das reine kunsthandwerkliche Können. Mit dem Aufkommen technischer Mittel zur Massenfertigung wechselte also der Monozukuri seine Bedeutung und erhielt eine neue, eine technologische Facette.
     Lassen sich also japanische Autoentwürfe der 1980er Jahre, die in ihrer überbordenden Verwendung von beispielsweise glänzendem Chrom wenig mit der klassischen ästhetischen Theorie des Landes im Sinne eine Tanizaki (Lob des Schattens) zu tun haben, deshalb als rein technologische Monozukuri begreifen? Kawakami meint ja – und bezeichnet deshalb die Verbindung von handwerklicher Tradition und industrieller Fertigung als das erste Ziel des japanischen Designs der Zukunft.

 

Der neue Monozukuri sei ein Ausgleich dieser zweier Tendenzen, die in der Vergangenheit jeweils das japanische Gestaltungswesen dominierten. In Köln sind nun einige Beispiele dieser neuen Bewegung der „industrialized craftmanship” zu sehen. Hierzu zählen etwa die Stühle von Maruni Wood Industry (Hiroshima), die mittlerweile zahlreiche Hotellobbys und die Lounge des Osloer Flughafens zieren. Ihre Herstellung erfolgt durch den maschinellen Zusammenbau der vorgefertigten Einzelteile. Diese jedoch müssen unter Berücksichtigung von Faktoren wie der Laufrichtung der Holzmaserung von Menschenhand vorsortiert und geformt werden.

 

Erfindungsreichtum in der Not Ganz ähnlich, wenn auch weniger distinguiert, wirken die Arbeiten von Ishinomaki LAB aus Ishinomaki nördlich von Tokio. Hier beeindruckt der Hintergrund, denn die Firma wurde gegründet, um unmittelbar nach dem Tohoku-Erdbeben 2011 die Obdachlosen mit unkomplizierten, praktischen Möbeln schnell zu versorgen.
     Für die ersten Möbelstücke musste auf die Begrenztheit materieller, technischer und menschlicher Ressourcen in der verwüsteten Region acht gegeben werden, was zur ausschließlichen Verwendung des örtlich zahlreich vorhandenen Zedernholzes führte. Auch die Verbindung der Einzelteile erfolgte durch Techniken, die ein Minimum an Werkzeug erfordern. Hinzu kommt, dass viele Entwürfe durch ihre Multifunktionalität bestechen. Ishinomaki LAB produziert heute für den allgemeinen Markt und beweist, dass sich zum japanischen Design neben einem Monozukuri der „industrialized craftmanship” auch ein Monozukuri des „Erfindungsreichtums in der Not” gesellt.
Robert Woitschützke

 

Die Ausstellung „Modernes Japanisches Design” ist noch bis zum 22. Februar 2014 zu sehen.
Japanisches Kulturinstitut
(The Japan Foundation)
Universitätsstraße 98
50674 Köln
Tel. 0221 / 94 05 58 0
Öffnungszeiten
MO - FR 9 - 13 / 14 - 17 Uhr
SA 10 - 17 Uhr


 

 

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