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rheinische ART 03/2015

Archiv 2015

GESCHICHTE VON ZWEI SCHÄTZEN

Spätheimkehrer

 

You say good bye and I say hello: Nicolaes van Verendaels Blumenstillleben aus dem Aachener Suermondt-Ludwig-Museum, einst von der Roten Armee requiriert, ist nach 70 Jahren heimgekehrt. Und ein Minnekästchen aus dem Museum, das eigentlich nach Gotha gehört, wird Aachen verlassen und seinem rechtmäßigen Eigentümer zugeführt.

 

Zu sehen sind die hochkarätigen Kunstwerke jetzt für rund drei Monate in der Kabinettausstellung des Museums. Es handelt sich nicht nur um zwei sehenswerte Stücke, vielmehr spiegeln beide Exponate das Schicksal hunderttausender Kunstwerke, die als Raub- oder Beutekunst im und nach dem Zweiten Weltkrieg in fremde Hände gelangten.

 

Nicolaes van Verendael: Blumenstillleben, Öl auf Leinwand, 49 x 40 cm, um 1665-70, Suermondt-Ludwig-Museum Aachen © Foto: PvB

 

Beutekunst  Nachdem der Zweite Weltkrieg zu Ende war, herrschten chaotische Zustände in Deutschland. In einer Phase, in der die Ordnung erst Stück für Stück wieder Einzug hielt, waren auch die Museen in Unruhe. Vor allem in der „Sowjetischen Besatzungszone“ (SBZ), oder wie es allgemein hieß „Ostzone“, machten die Trophäenbrigaden der Roten Armee zwischen Schwerin und Dresden, Erfurt und Cottbus Jagd auf Kunstwerke und nahmen große Teile von einzigartigen Kunstsammlungen als Kriegsbeute in Beschlag.

     Doch auch die Museen in den drei Zonen der westlichen Alliierten hatten große Verluste zu verzeichnen, so auch das Suermondt-Museum, wie es damals noch hieß. Seit 1942 waren die wichtigsten Kunstwerke des Hauses aus Sicherheitsgründen in die Meißener spätgotische Albrechtsburg ausgelagert, wo sie drei Jahre später von sowjetischen Truppen beschlagnahmt wurden. Ein Gutteil vor allem der Gemälde wurde dann in die UdSSR verbracht.

     Das nun hier präsentierte Blumenstillleben des Antwerpener Meisters Nicolaes van Verendael (1640-1691) allerdings gelangte aus dem Depot der Albrechtsburg in den Besitz einer Privatperson und von dort aus in den Kunsthandel. Museumsdirektor Peter van den Brink konnte es nun dank der großzügigen Unterstützung durch die Kulturstiftung der Länder sowie des Museumsvereins Aachen e.V. gegen einen Finderlohn von etwa 36.000 Euro – zehn Prozent des eigentlichen Bildwertes – zurückerwerben.
 

Wirre Wege Das zweite Stück dieser kleinen Ausstellung, das ebenfalls in falsche Hände geriet, gehört der Stiftung Schloss Friedenstein in Gotha, von wo es Ende des Zweiten Weltkrieges auf noch immer ungeklärte Weise verschwand.

 

Sogenanntes Minnekästchen, Elfenbein mit Bronzebeschlägen (spätere Ausstattung), Holz, Höhe: 66 mm, Breite 220 mm, Tiefe: 110 mm, Frankreich, ca. 1330-1360, Suermondt-Ludwig-Museum Aachen © Foto: Anne Gold


Minnekästchen Es handelt sich um eine wundervolle, in Frankreich entstandene Elfenbeinschatulle aus dem 14. Jahrhundert, ein sogenanntes Minnekästchen. Im späten Mittelalter war es eine weit verbreitete Sitte, dass der Bräutigam seiner Braut ein geschnitztes und bemaltes Kästchen, eben das Minnekästchen, schenkte. Das Aachener Objekt gelangte 1969 als Erbstück an Irene Ludwig und schließlich 1977 in das Suermondt-Ludwig-Museum. Als Peter van den Brink und sein Team die wahre Provenienz entdeckten, entschlossen sie sich sofort zur Rückgabe.
      Die Präsentation der beiden Schätze als konzertiertes Kammerspiel sieht van den Brink als ein „Sinnbild für die zwei Seiten des Themas Beutekunst. Wer Kunstwerke zurückfordert, muss auch bereit sein, selbst zu verzichten, wenn sich herausstellt, dass ein Werk einem nicht gehört. Auch wenn es um einen echten Hochkaräter geht.“


Raubkunst, Beutekunst Auch siebzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs ist die Diskussion um die Rückgabe von Raub- und Beutekunst aktuell, vielfach wird sie hochemotional geführt.

     Als Raubkunst werden Kunstwerke und Kulturgüter bezeichnet, die während des "Dritten Reichs" vom NS-Regime entwendet wurden. Dabei kann es sich um den Tatbestand des Raubes an speziell verfolgten Personengruppen sowie auch um Raub aus Kunstinstitutionen in den von deutschen Truppen besetzten Gebieten (mehr) handeln. Juristisch wird der Begriff mit „NS-verfolgungsbedingt entzogene Kulturgüter“ definiert, allgemein spricht man von NS-Raubkunst.

     Als Beutekunst gelten jene Kulturgüter, die ab etwa 1945 durch allliierte Truppen bzw. die späteren Besatzungsmächte enteignet und in deren Heimatländer verbracht wurden. In der sowjetisch besetzten Zone wurden spezielle „Trophäenkommissionen“ eingesetzt, die zahlreiche deutsche Kulturgüter systematisch beschlagnahmten und in die Sowjetunion überführten. In den letzten Jahren hat es umfangreiche Rückgaben von Beutekunst-Beständen durch Russland gegeben. Nach wie vor ist jedoch die Beutekunstfrage ein nicht gelöstes Problem in den deutsch-russischen Beziehungen.
K2M

 

Die kleine Kabinettausstellung „Eine Geschichte von zwei Schätzen“ kann bis zum 21. Juni 2015 besucht werden.

Suermondt-Ludwig-Museum

Wilhelmstraße 18

52070 Aachen
Tel. 0241 / 47980-40
Öffnungszeiten
DI, DO, FR    12 - 18 Uhr
MI               12 - 20 Uhr
SA, SO         11 – 18 Uhr

  

 

 

 

 

 

 

 


  

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