rheinische ART
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rheinische ART 07/2021

FOTOGRAFIE
Banlieue und Plattenbau


Die Vor- und Trabantenstädte der großen Metropolen sind nicht gerade Gebiete der Erholung und Lebensfreude. Abgewertet und stigmatisiert sind sie oft Orte der Fremdheit in der Nähe.

 

Tobias Zielony Make Up, 2017 aus der Serie Maskirovka Inkjet-Print, 70 x 105 cm Courtesy KOW, Berlin Foto © Tobias Zielony Bildquelle Museum Folkwang

 

Der Fotograf Tobias Zielony (*1973) ist bekannt für seine fotografischen Dokumentationen gesellschaftlicher Randgruppen, die er insbesondere in jenen Örtlichkeiten findet, die außerhalb der Kernstädte eine eigene Subkultur entwickelt haben.

 

Tobias Zielony Skandalous, 2007 aus der Serie The Cast C-Print, 84 x 56 cm Courtesy KOW, Berlin Foto © Tobias Zielony  Bildquelle Museum Folkwang

 

Vor allem sind es Jugendliche, Prostituierte oder Randexistenzen in den Vorstädten, denen er sich widmet. Dabei interessiert den gebürtigen Wuppertaler vor allem die Art, wie sich etwa junge Menschen in diesem Milieu selbst inszenieren, mit Kleidung, Gesten und Posen.
     Es gehe ihm darum, „die beiläufige Form des Sozialen“ einzufangen. Dabei arbeitet Zielony offenbar mit Empathie, Zugewandtheit und viel Einfühlungsvermögen.
     Das Essener Museum Folkwang zeigt derzeit mit der Ausstellung The Fall die bisher umfassendste Schau des Foto- und Videokünstlers. Es ist ein Blick auf zwanzig Jahre fotografisches und filmisches Schaffen.
 
Tobias Zielony wird schon seit geraumer Zeit als neuer deutscher Foto-Star und Nachfolger von Wolfgang Tillmanns gehandelt. Er stehe, wie es in Essen heißt, in einer langen Traditionslinie künstlerischer Fotografie und gilt vielen jüngeren Lichtbildnern als wegweisend. Nur wenige Fotografen seiner Generation haben die fundamentalen gesellschaftlichen und medialen Entwicklungen so aufmerksam beobachtet und in eine zeitgenössische Bildsprache überführt wie er.
 

Tobias Zielony Yusuke, 2020 Inkjet-Print, 120 x 80 cm Courtesy KOW, Berlin, Foto © Tobias Zielony  Bildquelle Museum Folkwang

 

Seine Protagonisten findet der Meisterschüler von Tim Rautert (mehr) in allen benachteiligten Randstätten meist großer Metropolen: in 
Marseille, Halle-Neustadt, im Camorra-lastigen Neapel, im Kiewer Untergrund oder in den Vereinigten Staaten.
     Mit Arbeitslosigkeit, Vereinsamung, städtischer Verwahrlosung oder täglicher Gewalt und gelegentlichem Aufruhr sind diese Orte eine nicht endende Herausforderung der jeweiligen Stadtverwaltungen.
     
Interessant: Das Aufkommen der sozialen Netzwerke und der damit einhergehende Austausch unzähliger fotografischer Bilder haben die Idee des Selbst und die Formen von (Selbst-)Repräsentation grundlegend verändert. Zielony zeigt seine Protagonisten als selbstbewusste Teilnehmende in diesem Wechselspiel, die trotz kultureller und sozialer Unterschiede in einem globalen Kosmos sozialer Codes und Selbstbildnisse agieren.
 

Tobias Zielony Aral-1, 2004 aus der Serie Tankstelle C-Print, 48 x 72 cm Courtesy KOW, Berlin © Tobias Zielony  Bildquelle Museum Folkwang


Die Ausstellung Tobias Zielony The Fall präsentiert insgesamt elf Videoarbeiten, sieben Fotoserien, zwei Rauminstallationen und eine Diashow mit allein rund 150 Fotografien. Ausgehend von frühen Arbeiten wie Curfew (2001), Tankstelle (2004) oder Big Sexyland (2006) leitet der Ausstellungsparcours in lockerer Chronologie durch Zielonys Werk.
     Neben bekannten Serien wie seinem Biennale-Beitrag The Citizen (2015) und den Stop-MotionVideos Vele (2009/10) und Maskirovka (2016/17) ist auch die erst selten gezeigte und in Japan entstandene Videoarbeit Hansha (2019) zu sehen. Der Rundgang endet mit der neuen Videoarbeit Apollo (2021) und der neu entwickelten Rauminstallation.
K2M

Die Ausstellung The Fall wird bis zum 26. September 2021 gezeigt.
Museum Folkwang
Museumsplatz 1
45128 Essen
Tel 0201 8845 160
Öffnungszeiten
DI, MI, SA, SO 10 - 18 Uhr
DO, FR 10 bis 20 Uhr

 

 

 

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