rheinische ART
Start | | Über uns | Kontakt | Impressum | Anzeigen/Banner

rheinische ART 04/2015

Archiv 2015
VIDEONALE 15 BONN
Der Ruf des Wilden

 

30 Jahre Video-Kunst: Es ist schon eine respektable Zeitspanne, die das Bonner Festival für zeitgenössische Videokunst VIDEONALE  diesjährig vermerken kann. Die einstige Studentengründung hat sich zu eine der ältesten, wichtigsten und renommiertesten Video-Biennalen in Europa entwickelt.

 

Preisgekrönt: Massage in aufgeheizter Atmosphäre. 

Shelly Nadashi A Hidden Quiet Pocket, 2014, Länge: 19:25 Min., Format: 16:9 Specifications: Farbe, Ton, Einkanal Foto © VIDEONALE Bonn, Courtesy the artist

 

Als sich 1984 kreative Bonner Studenten der Video-Technik als neuem Kunstmedium zuwandten, war das bewegte Bild natürlich durchaus Gegenstand der Kunst, nicht jedoch in Form des Videos.

 

Neue Technik Der Camcorder mit Video 8-Kassetten von Sony kam gerade auf den Markt, die ersten VHS-Video-Kassetten ein Jahr später. Die neue Technik konnte also keine Selbstverständlichkeit auf den Kunstschauplätzen jener Jahre sein. Alle möglichen Kreativen, auch im Rheinland, experimentierten in den Achtzigern mit dem elektronischen Aufnahme- und Wiedergabeverfahren, dem Videofilm.

     Nachweislich in frühen Jahren der heute berühmte und höchst etablierte US-Bildhauer Bruce Nauman (mehr). Andere, wie beispielweise Andy Warhol, damals neuer Kunststern am Maler- und Performance-Himmel, hatten ebenfalls keine Berührungsängste und schufen Kunst mit oder durch Videos. Warhol, Nauman und eine Reihe weiterer Pioniere zeigten in jenen Jahren bereits auf den Genfer BIM (Biennale de l´image en Mouvement), ebenfalls eine der internationalen Leit-Expositionen des Genres, ihre frühe Video-Kunst.

 


Alles ist giftig.

Pauline Boudry & Renate Lorenz Toxic, 2012, Länge: 13:00 Min., Format: 16:9, Specifications: Farbe, Ton, Einkanal, Foto © VIDEONALE Bonn, Courtesy the artist

 

Neuland Das diesjährige 15. Bonner Festival startete erstmals unter einem festen Motto. The Call of the Wild (Der Ruf des Wilden) titelt der Wettbewerb, der bis zum 19. April 2015 im Kunstmuseum Bonn und an anderen Schauplätzen der ehemaligen Bundeshauptstadt stattfindet. Kernthema ist die Auseinandersetzung mit dem Fremden.

     Die VIDEONALE stellt die Frage, welches Potential der Begriff des „Wilden“ heute für die Beschreibung von und die Auseinandersetzung mit dem Fremden, im Sinne von unbekannten oder auch bislang unerkannten Handlungs-, Bild- und Denkräumen, birgt. Dem Aufruf der Organisatoren zur Teilnahme folgten viele. Aus 76 Ländern trafen mehr als 1.200 Videoarbeiten ein, aus denen die Jury 38 Positionen aus 19 Ländern auswählte.

 

Preisträgerin Unter den nominierten Arbeiten wählte das fünfköpfige Gremium einstimmig den 20-Minuten-Film A Hidden Quiet Pocket der israelischen Künstlerin Shelly Nadashi (*1981, Haifa) als Gewinner aus. Der Preis der KfW-Stiftung ist mit 5.000 Euro dotierten.

     In Nadashis Video geht es um Machtverhältnisse, um Spannungen zwischen Vermögenden und Habenichtsen, Gewinnern und Verlierern auf dem Immobilienmarkt, dargestellt durch eine Kundin und eine Masseurin bei einer Massage-Session. Die Arbeit sei „anspruchsvoll, geschmeidig und extravagant in ihrem Umgang mit der Sprache“, aber auch beunruhigend und unheimlich, begründen die Fachleute ihre Wahl.

 

In der Einsamkeit des Nordens

Christina Picchi Zima (Winter), 2013, Länge 11:27 Min., Format: 16:9, Specifications: Farbe, Ton, Einkanal, Foto © VIDEONALE Bonn, Courtesy the artist

 

Künstler Neben renommierten Künstlern legt die Videonale stets einen besonderen Fokus auf die Präsentation von jungen aufstrebenden Akteuren. Christina Picchis dokumentarische Videoarbeit Zima (Winter) ist eine dieser jungen Positionen. Die Italienerin Picchi (*1981, Lucca) thematisiert in ihrem Video eine Wintereise durch Nordrussland und Sibirien und reflektiert Gefühle und Gedanken der Menschen in einer der rauesten Klimazonen der Welt. Das Werk wurde 2013 auf dem Film-Festival von Locarno ausgezeichnet.

 

 

Kalte Natur.

Christina Picchi Zima (Winter), 2013, Länge 11:27 Min., Format: 16:9, Specifications: Farbe, Ton, Einkanal, Foto © VIDEONALE Bonn, Courtesy the artis

 

 

Zwischen Ekel und Neugier.

Erkka Nissinen Polis X, 2012, Länge: 15:30 Min., Format: 16:9; Specifications: Farbe, Ton, Einkanal, Foto © VIDEONALE Bonn, Courtesy AV-arkki- The Distribution Centre for Finnish Media Art

 

Aktuelle Fragestellungen zur beispielsweise Gender-Thematik greifen mit ihren Werken unter anderen das deutsch-schweizer Duo Pauline Boudry & Renate Lorenz, Janina Arendt und Elin Magnusson auf.

     Mit dem „wilden Raum“ Internet, seiner Ästhetik und seinen Wirkungen, setzen sich Künstler wie Constantin Hartenstein, Amina Handke, Anna Zett und Christoph Faulhaber auseinander. Andere Filmmacher wie Mahdi Fleifel oder Erkka Nissinen beleuchten mit ihren Arbeiten die „unsicheren Räume“ oder sprengen gnadenlos gesellschaftliche Konventionen. Fleifels 12-Minuten-Film XENOS zeigt, wie Krieg und Krise, Nahostkonflikt und wirtschaftliche Rezession konvergieren. Den Themen, die längst zum Standard in den Nachrichten geworden sind, gibt der Autor ein Gesicht. POLIS X von Nissinen lässt den Zuschauer ratlos zwischen Abscheu und Neugier schwanken.

 

Labile Räume Tasja Langenbach, die künstlerische Leiterin der VIDEONALE 15 betont, es gehe um die Erforschung der „labilen Räume“, in denen über den Umgang mit neuen gesellschaftlichen, politischen, kulturellen und ästhetischen Konstellationen verhandelt wird. „Die Frage nach einem möglichen Umgang mit der immer offensichtlicher zu Tage tretenden umfassenden Überwachung unserer Daten- und Kommunikationsströme und deren Auswirkungen wird ebenso verhandelt wie auch neue ästhetische und künstlerische Umgangsformen mit den Oberflächen einer digital generierten Welt.“

 

Die VIDEONALE 15 kann im Jubiläumsjahr auf drei höchst erfolgreiche Jahrzehnte zurückblicken. Unter ihren Teilnehmern fanden sich wegweisende Namen wie unter anderem Dara Birnbaum, Lynn Hershman, Marcel Odenbach und Bill Viola. Bis heute versteht sich die Biennale als Plattform sowohl für junge aufstrebende Künstler als auch etablierte Positionen der nationalen und internationalen Videokunst. Als deutschlandweit fest verankerte Veranstaltung erfährt sie großen Zuspruch von einem regionalen und überregionalen Publikum sowie von Studenten, Künstlern und Fachleuten der Video-, Film- und Medienkunstbranche weltweit.

 

► Im Rahmen der VIDEONALE 15 wird auch der zweite Teil von „30 Jahre – 30 Stimmen“, der Jubiläumsausstellung zum 30-jährigen Bestehen der Videonale Bonn, gezeigt. Aus der Fülle an Werken, die bei der Videonale in den letzten 30 Jahren zu sehen waren, haben 30 Wegbereiter, Freunde, Künstler und Gestalter der Festivals eine Auswahl von für sie wegweisenden Werken zusammengestellt und beschrieben.

K2M

 

Das Festival VIDEONALE 15 läuft bis zum 19. April 2015 im Kunstmuseum Bonn.

VIDEONALE e.V.

im Kunstmuseum Bonn

Friedrich-Ebert-Allee 2

53113 Bonn

Tel. 0228 - 69 28 18

 

 

 Zum zweiten Mal findet ferner der VIDEONALE PARCOURS an verschiedenen Orten in Bonn statt (27.2.-22.3.2015), diesjährig mit Werken von Studenten der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, der Hochschule der Bildenden Künste Saar und der Kunsthochschule für Medien in Köln.

 

 Die Bekanntgabe des Gewinners des mit 3.000 Euro dotierten "VIDEONALE Publikumspreises" der KfW-Stiftung findet am Sonntag, den 19. April statt.

 

 Die Mitglieder der Jury waren: Steven Bode (Director Film and Video Umbrella London), Christian Jankowski (Künstler und Preisträger VIDEONALE.14), Dr. Doris Krystof (Kuratorin K21 Kunstsammlung NRW), Dr. Christoph Schreier (Stellvertretender Direktor Kunstmuseum Bonn ), Mike Stubbs (Direktor FACT London).

 


 

 

 

FRANK BAUER 

Die Gelassenheit

der Dinge

(Foto: Ausschnitte

Öl auf Leinwand, 2017)

 

17.11.2017 - 13.01.2018

GALERIE VOSS

 


 

 

Ein NEWSLETTER über die Kunst im Rheinland. Für Künstler, Galeristen, Kunstliebhaber, für alle Macher und Kreativen, die es interessiert.

NEWSLETTER
rheinische.ART
(erscheint cirka 4 x im Jahr)

(Registrieren)

 

 

Die 
rheinische.ART
empfiehlt:

Mit GOOGLE ins Museum.

Das Google Art Projekt zeigt Meisterwerke aus den Museen dieser Welt.

► mehr

 

 

 


 

 

LASSEN SIE SICH DIE
"RHEINISCHE ART."
ÜBERSETZEN ...