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rheinische ART 09/2020

 WALTER VOGEL
Leica Hall of Fame

 

Im November 2019 wurde der Düsseldorfer Fotograf Walter Vogel in der Leica Galerie Wetzlar in die Leica Ruhmeshalle (Hall of Fame) berufen. Eine Ehrung für sein Lebenswerk sowie sein unermüdliches und gleichermaßen herausragendes Engagement als Chronist.

 

Walter Vogel Dalmatiner. Kein Interesse an Fußball, Düsseldorf 1956. Foto © Walter Vogel. Bildquelle © Leica Galerie Düsseldorf 2020

 

Derzeit präsentiert die Leica Galerie Düsseldorf den Mann, der seit 70 Jahren als Fotograf tätig ist, in einer Ausstellung mit dem Titel „Meister der Vielfalt“. Es ist eine Verneigung vor einem Großen in der Foto-Zunft und kaum eine andere Überschrift könnte diesen Lichtbildner aus der analogen Zeit, der nunmehr 88 Jahre alt ist, besser charakterisieren.

 

Walter Vogel Kommunionskinder. August-Thyssenhütte Duisburg-Bruckhausen, Ruhrgebiet 1965. Foto © Walter Vogel. Bildquelle © Leica Galerie Düsseldorf 2020

 

Dem Fotografen Walter Vogel wurden zahlreiche Ausstellungen gewidmet und sein Lebenswerk umfasst viele Publikationen mit einzigartigen Fotodokumenten. Und es ist tatsächlich möglich, dass es noch Werke von ihm gibt, die bislang öffentlich nicht zu sehen waren.

     Die Düsseldorfer Leica Galerie nutzt dies und präsentiert in der aktuellen Schau eine Reihe beeindruckender, bislang nicht gezeigter Werke des Meisters, vorzugsweise mit Motiven aus dem urbanen Düsseldorfer Raum.

 

Walter Vogel, der Fotograf, Künstler, Buchautor und Reporter ist ein Klassiker in der Branche. Er steht für eine Fotografie, in der das manuelle Spiel von Verschlusszeiten und Blendengröße noch eine Kunst war - die der studierte Ingenieur Vogel in brillanter Weise beherrscht.

     Mit seinen kunstvollen wie authentischen Milieu-Studien aus dem Ruhrgebiet avancierte er zu einem der wichtigsten Foto-Chronisten der Nachkriegszeit für diesen größten zusammenhängenden, europäischen Industrie- und Kulturraum – ein Zeuge und Bildberichterstatter von Aufbruch, Abbruch und gesellschaftlichem Wandel an Rhein und Ruhr.

 

Walter Vogel Lüttich 1973. Foto © Walter Vogel. Bildquelle © Leica Galerie Düsseldorf 2020


Aber Vogel war und ist nach wie vor weit mehr: ein weltgewandter Reisefotograf, begeisterter Zirkusgänger, nachtschwärmerischer Travestiefotograf wie auch ein genussvoller Espresso-Liebhaber. Davon zeugen zum Beispiel seine Schwarz-Weiß-Bilder aus Italiens Caffè-Bars, die als optische Liebeserklärungen zu verstehen sind.

     Dem aufmerksamen Betrachter entgeht kaum, dass Vogel stets ein Chronist seiner Zeit war, ein klassischer Bildreporter, „der mit erfahrenem Blick und perfekter Präzision unvergessliche Bildmotive geschaffen hat“, wie es in der Ausstellung heißt.

 

Walter Vogel 2011 anlässlich seiner Ehrung mit dem Kunstpreis der Künstler in Düsseldorf ©rheinische ART

 

Buchcover Walter Vogel Caffè all'italiana. Foto © Emons Verlag Köln

 

Geboren wurde Walter Vogel 1932 in Düsseldorf. Er fotografierte und publizierte bereits in den Fünfzigerjahren, zunächst neben seiner Arbeit als Ingenieur. 1963 entschloss er sich, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen und begann eine Ausbildung bei Otto Steinert an der Folkwangschule in Essen (mehr).

     Nach dem Examen erfolgte die Selbständigkeit. Erlöse brachten Werbe- und Modeaufnahmen, dann folgte die Magazinfotografie als wichtiges Standbein. Mit seinem ersten Buch, noch im Selbstverlag (For Sale, 1980) aufgelegt, kombinierte Vogel seine Fotografie erstmals mit eigenen Texten.

     Heute gilt er als einer der bedeutendsten deutschen Reportagefotografen. Darüber hinaus bekannt wurden seine Portraitreihen von Künstlern wie Pina Bausch und Joseph Beuys.
Vogels Themenrepertoire als Fotograf ist vielfältig, sein Stil unverwechselbar.

 

Aus publizistischer Sicht gilt spätestens sein Espresso-Buch von 1993 als Durchbruch im Fotobandgeschäft. Auch dieses Projekt entstand wie viele andere auftragsfrei und damit risikobehaftet.

     Doch Vogel galt stets als Bildjournalist mit einem Gespür für Thematiken – noch bevor diese zu Trends wurden. Eindrucksvolles Beispiel für das Erahnen von gesellschaftlichen oder modischen Entwicklungen wie auch für schleichende Verluste von Lebensqualitäten sind seine Publikationen rund um die Welt des Kaffees in Italien (mehr).

     Das Caffè Greco in Rom bezeichnete er einmal als eine „Kultstätte des Caffè“, ein Ort, der zum Ende des 19. Jahrhunderts Treffpunkt der Künstler war und der 1953 zu einem „Monument von historischem und nationalem Interesse“ erklärt wurde. In seinem Bildband gibt sich der Autor Vogel da ganz als poetischer Foto-Chronist einer langsam verschwindenden Caffè-Bar-Kultur Italiens.

cpw


Die Ausstellung „Meister der Vielfalt“ von Walter Vogel ist bis zum 6. Januar 2021 zu sehen.
Leica Store/ Leica Galerie
in der KÖ Galerie
Königsallee 60
40212 Düsseldorf
Tel 0211 – 54 28 27 26
Öffnungszeiten
MO – SA 10 – 20 Uhr

 

Literaturhinweis: Walter Vogel Caffè all'italiana. Mit zahlreichen Abbildungen. Gebunden mit Schutzumschlag 29 x 36 cm, 232 Seiten, ISBN 978-3-95451-233-1

 

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