rheinische ART
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rheinische ART 07/2015

Archiv 2015

SCHLESISCHE BILDERWELT
„Zehnfach interessantes Land“

 

Die Schau der „Idealbilder“ über die preußische Provinz Schlesien, die im Haus Schlesien in Königswinter unter dem Titel „Zeit-Reisen“ gezeigt wird, ist bemerkenswert. Sie entstammen alle der Grafiksammlung Haselbach, die mit ihrem topographisch-historischen Charakter eine einzigartige landeskundliche und kulturgeschichtliche Quelle bildet. 

 

Ansicht von Buchwald bey Schmiedeberg in Schlesien (Schloss Buchwald), um 1810, Radierung koloriert, Sammlung Haselbach, © Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg

 

Kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe wusste seine Begeisterung über Preußens schöne Provinz Schlesien ziemlich werbewirksam in die Welt zu tragen. "...Seit Anfang des Monats bin ich nun in diesem zehnfach interessanten Lande, habe schon manchen Theil des Gebirgs und der Ebene durchstrichen, und finde, daß es ein sonderbar schönes, sinnliches und begreifliches Ganzes macht...Ich werde viel zu erzählen haben, wenn es mir im Winter wieder erzählerlich wird...", schrieb er im August 1790 in einem Brief aus Schlesien nach Weimar.


Privatsammlung Fasziniert von der kulturellen Dynamik, die von diesem Land über Jahrhunderte ausging, war auch der Brauereibesitzer Albrecht Haselbach (1892–1979) aus dem niederschlesischen Namslau östlich von Breslau. Anfang der 1940er Jahre erwarb der Privatsammler eine einzigartige grafische Sammlung. Sie bestand aus über 4.000 Kupferstichen, Radierungen, Lithographien, Zeichnungen und Aquarellen.

 

Ernst Wilhelm Knippel (Verleger, Graphiker) Riesengebirge Schneekoppe, Ansicht vom Koppenplan (um 1860), Lithographie 15,7 x 25,6cm, Sammlung Haselbach, © Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg

 

Kunstepochen Alle zeigen Motive Schlesiens aus unterschiedlichen kunsthistorischen Epochen. Die frühesten Arbeiten stammen aus dem 15. Jahrhundert, die spätesten aus den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts. Das sind über 500 Jahre schlesische Geschichte in Bildern! Die ungewöhnliche Kollektion mit Stadtansichten, Landschaftsbildern, Riesengebirgsidyllen und frühen, sehr seltenen Industriepanoramen - etwa aus den oberschlesischen Revieren - öffnet fürwahr den Blick für diese Region.

     Sie zeigt seine bizarr-schönen Gebirgslandschaften, stolzen Städte und frühen Industriehochburgen, wie sie die Künstler wahrnahmen. Kupferstecher und Verlage taten mit dem Beginn des Fremdenverkehrs im 19. Jahrhundert ihr Übriges. So entfaltet sich vor dem Betrachter ein Bilderbogen, der den Reiz der ehemals reichsten preußischen Provinz - schon von Goethe als  „zehnfach interessant" gerühmt -  auch in der heutigen Generationen wieder zum Leben erweckt.

 

Rieden und Knippel Hintere Ansicht der Koeniglichen Eisengießerei bei Gleiwitz, 1841, Lithographie 23,1 x 32,6cm. Rieden und Knippel war eines von mehreren Verlagshäusern für Graphiken in Schmiedeberg. Sammlung Haselbach, © Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg

 

Schlesien zog und zieht bis heute Künstler wie Touristen an auf ihrer Suche nach Erholung, Erbauung und Zerstreuung.

 

Daniel Berger nach Sebastian Carl Christoph Reinhardt Blick vom Kavalierberg bei Hirschberg nach Warmbrunn, 1793, Kolorierte Radierung mit Kupferstich. Sammlung Haselbach, © Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg

 

Ernst Wilhelm Knippel Sonnen-Aufgang und Gasthaus auf der Schneekoppe, um 1860, Lithographie auf Tonpapier, Sammlung Haselbach, © Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg

 

Reiseland Schlesien Die zunehmende Reise- und vor allem Wanderfreudigkeit der Bürger ab Mitte der 19. Jahrhunderts sorgte für einen Boom im Fremdenverkehr.

     Der Maler Caspar David Friedrich, der Lyriker und Publizist Heinrich von Kleist, der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe wie auch das preußische Herrscherhaus suchten regelmäßig die schlesischen Mittelgebirge oder das Hirschberger Tal auf.

     Das Riesengebirge mit der Schneekoppe, das Glatzer Bergland und die weltberühmten Kurorte Bad Kudowa und Warmbrunn waren die gefragtesten Reiseziele nördlich der Alpen. Und das Faible der Urlaubs- und Kurgäste für pittoreske Motive wie Felsformationen, Bauden, Bergspitzen, Wasserfälle oder Schlösser, Burgen und Parks trieb die Nachfrage nach entsprechend romantischen Abbildungen voran.


Druckgrafiken So konnte sich mit der Herstellung von Druckgrafiken eine florierende Kunstgattung in Schlesien etablieren. Als reine Erinnerungsbilder oder Souvenirs, wie man heute sagen würde, wurden viele Motive vor allem durch die später renommierten „Schmiedeberger Bildverlage“ in Schmiedeberg am Fuß der Schneekoppe gefertigt.

     Die Kleinstadt im Hirschberger Tal, seinerzeit eines der stark frequentierten Ferienziele, war vor der Zeit der Fotografie das führende Produktionszentrum für schlesische topographische Ansichten.

 

Franz Stadler Ruinen von Fürstenstein bey Freyburg in Schlesien (Fürstenstein, die „Alte Burg“), o.J., Radierung koloriert 23,2 x 30,7cm, Sammlung Haselbach, © Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg

 

Die Grafiksammlung Haselbach, die vor Ende des Zweiten Weltkriegs von Albrecht Haselbach nach Bayern verbracht werden konnte, ist im Wesentlichen geschlossen erhalten, was ihren heutigen kulturhistorischen Wert ausmacht.

     Nach Haselbachs Tod erwarb das Land Hessen große Teile und stellte sie als Dauerleihgabe dem Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, das heute etwa 3.000 Blätter verwaltet, und dem Schlesischen Museum in Görlitz (rund 800 Stücke) zur Verfügung.

     Die Sammlungsbestände wurden im Rahmen einer deutsch-polnischen Kooperation mit dem Herder-Institut in Marburg und dem Architekturmuseum in Breslau vollständig dokumentiert und digital zusammengeführt. Seither werden ausgesuchte, teils handkolorierte, Blätter als Wanderausstellung in deutschen und polnischen Museen gezeigt. Die Kollektion wird von den Kuratoren in Görlitz als ein „unschätzbarer Fundus zur Landeskunde, Kunst- und Kulturgeschichte Schlesiens“ bewertet. Nirgendwo sonst fänden „sich in solcher Dichte Bildquellen zur Topografie Schlesiens“.

     Mit dieser Grafikausstellung bietet das Haus Schlesien einen weiteren interessanten landeskundlich unterfütterten Blick, dieses Mal auf Schlesien als Ganzes. 2012 wurde mit zahlreichen Zeugnissen aus der privaten „Sammlung Sobotta“ der ehemals deutschen Kreisstadt Glatz und der gleichnamigen Grafschaft gedacht (mehr).

CPW


Die Ausstellung „ZEIT- REISEN Historische Schlesien-Ansichten aus der Graphiksammlung Haselbach“ ist bis zum 9. August 2015 zu sehen.

HAUS SCHLESIEN
Eichendorffsaal
Dollendorfer Str. 412
53639 Königswinter
Tel. 02244 / 8860

Öffnungszeiten

DI - FR 10 - 17 Uhr

SA, SO und an Feiertagen 11-18 Uhr

 

Ausstellungskatalog:  „Zeit-Reisen, Historische Schlesien-Ansichten aus der Graphiksammlung Haselbach“, zweisprachig dt./pl.; Beiträge von Angelika Marsch, Johanna Brade, Diana Codogni-Łańcucka u. a., Hrsg. Herder-Institut Marburg, Stiftung Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Muzeum Architektury we Wrocławiu, Schlesisches Museum zu Görlitz, 320 Seiten, ISBN 978-3-87969-337-5

 

 


 

 

 

 

 

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