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rheinische ART 07/2013

 

ARCHIV 2013

Shakespeare-Inszenierungen

 

Im „Hölzernen O“

 

Er hat Weltliteratur geschrieben. Seine Komödien und Dramen sind Jahrhunderte alt und immer noch aktuell: William Shakespeare. Der Engländer ist längst multinational, denn seine Bühnenstücke faszinieren die Menschen aller Kulturen. Einen kleinen Ausschnitt der globalen lebhaften Auseinandersetzung mit dem so volksnahen Werk, das von archaischen Gefühlen wie Liebe und Hass, Verrat, Rache und Schmerz geprägt ist, ist jährlich in Neuss zu erleben.

 

Senta Berger und die Capella Monacensis - With Shakespeare in Love – Foto: Christoph Krey

 

Kote Marjanishvili State Drama Theatre, Tiflis - As you like it - Foto: John Haynes

 

Twelfth Night - Propeller Company, Foto: Christoph Krey

 

Rheinisches Landes-Theater RLT spielt den Kaufmann von Venedig - Foto Christoph Krey


 

DAS DORTIGE Shakespeare-Festival steht längst auf dem Spielplan internationaler Schauspieltruppen. Denn der Ort ist ein ungewöhnlicher. Es ist das „Hölzerne O“ am Rhein, ein rundes Globe-Theater und dem Londoner Original nachempfunden. Rund 500 Besucher fasst der Bau und diese sind den Schauspielern zum Anfassen nah. Ein Kammerspielflair, dass die im Publikum erzeugten Emotionen unmittelbar auf der Bühne ihre Reflexion finden lässt. Die Schauspieler, die diesen „Reflex“ kennen, begeben sich deshalb schon mal gerne vor der Aufführung auf Tuchfühlung mit ihrem Publikum, suchen den Kontakt und „finden“ sich ein. Es ist ein Sommerspektakel voller Emotionen, begeisternd, nachdenklich oder aufwallend stimmend, je nach dem.

   In diesem Jahr kann der Besucher die 23. Ausgabe des Festivals erleben. Eröffnet wurde es von der Schauspielerin Senta Berger, die sich allerdings einmal anders als spielend empfahl. Sie rezitierte des großen Dichters Sonetten mit dem Rätsel um die „Dark Lady“. Berger hatte die Sonetten selbst ausgewählt und in einen Ablauf gebracht, der sie eine anrührende Liebesgeschichte erzählen ließ. Eine Geschichte, „wie sie gewesen sein könnte,“ gibt Senta Berger zu. „Niemand weiß, ob es so war ... ich möchte es aber glauben.“ Die geheimnisvollen Sonetten wurden untermalt und begleitet von der Capella Monacensis. Die fünfköpfige Capella mit ihren nachgebauten Instrumenten aus dem elisabethanischen Zeitalter und dem Gesang jener Zeit bot gefühlt eine emotionale Vertonung der rezitierten Verse und ließ selbst einen ehemaligen Hollywood- und beliebten Fernsehstar wie Senta Berger versonnen lauschen. Doch mit der Liebe zeigen sich bei Shakespeare auch schnell die Abgründe. Senta Berger modellierte mit ihren Texten den Protagonisten als leidenschaftlichen älteren Herrn, der sich der Liebe seiner jungen Frau, der „Dark Lady“, die so anders ist als andere, nicht sicher ist und der die erotische Lüge als scheinbare Liebes-Wahrheit annimmt und nur zu gerne glaubt. Berger: „Das Leben und die Lüge gehen eben oftmals zusammen.“

   War der Auftakt noch ein eher still-rätselhafter Shakespeare-Genuss, so erheitern und provozieren andere Schauspieler mit ihren märchenhaft-quirligen Interpretationen. Das georgische staatliche Schauspieltheater Kote Marjanishvili gastierte bereits mit „As you like it“ und versetzte die Bühne in einen Farbenrausch und die Propeller Company aus London zog bei der Widerspenstigen Zähmung alle komisch-komödiantischen Register.

Das Globe Theater an der Rennbahn in Neuss. Foto Christoph Krey

 

Titus Andronicus - Tang Shu-Wing Theater Studio, Hongkong, Foto Christoph Krey

   Das der Körper als effektive Theatersprache mehr als überzeugend ist, zeigte das Tang Shu-Wing Theater Studio aus Hongkong. Im Londoner Globe sind sie bereits gefeiert worden und in Neuss war es die Deutschland-Premiere, die da mit „Titus Andronicus“ geboten wurde. "Intensiv und großartig" war denn auch der Kommentar aus dem Publikum. Dass bei dieser Aufführung Kantonesisch gesprochen wurde, war eher reizvoll als hinderlich. (Die Übertitelung in englischer Sprache war trotzdem hilfreich.)

   Auf einer leeren Bühne mit Livemusik, 12 Stühlen und Schauspielern fokussiert Tang Shu-Wing „Titus“ auf das eigentliche Wesen von Theater überhaupt: Schauspieler treten vor ein Publikum und erzählen eine Geschichte. Hier die von Shakespears Titus ... Titus und seine Söhne kehren triumphierend mit ihren gotischen Gefangenen – Tamora und ihren Söhnen – nach Rom zurück. Seine Tochter Lavinia weigert sich, den neuen Herrscher Saturninus zu heiraten, woraufhin dieser sich die gefangenen Gotenkönigin Tamora zur Braut nimmt. In ihrer neuen Machtposition plant Tamora Rache an Titus, der seinerseits extreme Maßnahmen ergreift. Intrige, Macht und Mord ... Shakespeare aus der Hongkonger Theaterszene: Eine Aufführung mit minimalem Ansatz bei maximalem Text.

Irmgard Ruhs-Woitschützke

 

Das vollständige Programm des Shakespeare-Festivals (bis zum 13. Juli 2013) finden Sie hier

Globe Theater
Rennbahn
Stresemannallee
41460 Neuss
Info- und Kartentelefon: 02131 / 526 99 99 9

 

 


 

 

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