rheinische ART
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rheinische ART 10/2013

Archiv 2013

BEGEHRT 

Flechtheims Spuren

 

Alfred Flechtheim. Kenner der Kunst und des Marktes elektrisiert dieser klangvolle Name, geht es hier doch um einen Protagonisten der Moderne der ersten Stunde. Gemälde und Skulpturen, die mit dem Namen Flechtheim verbunden sind, umgibt die Aura von Qualität, aber auch ein fast mythisches Geheimnis hinsichtlich ihrer Geschichte und Provenienz.

 

Alfred Flechtheim (1878 - 1937)

Sein Vermächtnis für die europäische Kultur- und Museumslandschaft wird aufgearbeitet

 

Besonders in letzter Zeit werden viele Werke mit dem Hinweis auf Restitution neu betrachtet. Licht in so manches Dunkel soll nun eine gemeinschaftliche Aktion mehrerer Museen bringen. Vor 100 Jahren, genau genommen am 9. Oktober 1913, eröffnete Alfred Flechtheim in Düsseldorf seine erste Galerie. Zu diesem Datum 2013 ist nun eine ganz besondere Internetseite online geschaltet worden, die alfredflechtheim.com (►mehr). 

     Hier sind in einer digitalen Gesamtschau von 15 Museen die Werke mit der Provenienz Flechtheim vorgestellt. Im Original sind die Arbeiten dann in den einzelnen Häusern in Sonderausstellungen zu sehen.
      Der Galerist Alfred Flechtheim (1878–1937) zählt zu den Persönlichkeiten der Kunstszene im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Seine Häuser in Düsseldorf und Berlin, sein Einsatz für den rheinischen Expressionismus, die französische Avantgarde und die deutsche Moderne haben ihn bereits zu Lebzeiten international bekannt gemacht. Die Herrschaft des Nationalsozialismus veränderte das Leben des, der jüdischen Glaubensgemeinschaft zugehörenden, Galeristen drastisch. Zudem vertrat Flechtheim jene Kunst, die unter den Nationalsozialisten verstärkt als "entartet" gebrandmarkt wurde. In der Folge hörte der öffentliche Markt hierfür quasi auf zu existieren. Der Autor Ottfried Dascher hat das bewegte Leben Flechtheims kenntnisreich aufgeschrieben. ("Wahnsinn Kunst", Das Leben des Avantgarde-Enthusiasten Alfred Flechtheim ► mehr)

 

Ziel des Gemeinschaftsprojektes ist es nun, die Wege der Kunstwerke - gemeint ist ihre Handelsgeschichte vom Künstler zum Händler, zum Sammler, zum Museum - zu verfolgen. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf den Zeitpunkt gelegt, zu dem Alfred Flechtheim das jeweilige Werk handelte, sowie auf die Umstände, unter denen das Werk schließlich von dem jeweiligen Museum erworben wurde. 

     In diesem Zusammenhang soll das deutliche Restitutionsbegehren der Erben Flechtheims erwähnt werden. Dascher, der sich nach eigenen Angaben aus dieser Diskussion heraushalten möchte, äußerte im Rahmen einer Buchlesung im Museum Kunstpalast in Düsseldorf, dass das Plädoyer eines Anwaltes für eine Restitution auf einer anderen Ebene argumentiert als die von den Museen notwendigerweise erwartete, fundierte wissenschaftliche Beweisführung. Vieles läge noch im Unklaren.

     Doch das Projekt darf auch als Würdigung des großartigen Künsthändlers und Förderers verstanden werden, denn die Kunstwerke aus seinen Galerien „haben die jeweiligen Museumsprofile entscheidend mit geprägt und prägen sie auch noch heute“, wie es in einer Presseerklärung heißt. Nahezu alle großen deutschen und internationalen Museen haben Werke mit der Provenienz Flechtheim in ihren Beständen. Dazu zählen Arbeiten von Ernst Barlach, Max Beckmann, Heinrich Campendonk, Lovis Corinth, Paul Klee, George Grosz, Oskar Kokoschka, Paula Modersohn-Becker, Wilhelm Morgner, Heinrich Nauen, Max Pechstein, René Sintenis, Edgar Degas, André Derain, Juan Gris, Fernand Léger, Aristide Maillol, Henri Matisse, Edvard Munch, Pablo Picasso oder Paul Signac.
     

Zu den beteiligten Museen gehören unter anderen: das Kunstmuseum Bonn, die Kunsthalle Bremen, das Museum Kunstpalast Düsseldorf, das Städel Museum Frankfurt, das Sprengel Museum Hannover, die Museen der Stadt Köln, die Hamburger Kunsthalle, das Museum der bildenden Künste Leipzig und die Pinakothek der Moderne in München. 
ruwoi

 

© Foto (1) Nimbus Verlag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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