rheinische ART
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rheinische ART 03/2013

 

ARCHIV 2013
Der Landschaftsmaler Otto Modersohn

 

Reiz der schlichten Ebene

 

 

Er liebte die Weite des Landes, das Herbe, das heimelig Düstere; den Nebel, das Moor, nasse Erde und die Farben der Wolken. Ohne Natur, so wird Otto Modersohn (1865-1943) schon zu Lebzeiten nachgesagt, hätte er nicht existieren können. Nun ist erstmals wieder seit 35 Jahren eine umfassende Schau seiner Werke außerhalb des Modersohn-Museums in Fischerhude zu sehen. Die großzügige und übersichtliche Retrospektive mit 265 Arbeiten zeigt das Osthaus Museum in Hagen. Es ist eine sehenswerte, chronologisch gehängte Schau aller Werkphasen des Künstlers.

 

IM JAHRE 1884 schreibt sich Otto Modersohn, gebürtig aus Soest in Westfalen, mit 19 Jahren für ein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie ein. Es ist die Zeit, in der noch die akademische Malerei die bildende Kunstszene beherrscht. Doch für ihn, der von früh an die Natur innig liebte - so erkennt er selbst -, ist die klassische Atelierarbeit kein Lebensziel, bietet sie keinen Raum für seine Inspirationen. In seinem Tagebuch vermerkt er zehn Jahre später radikal: „Fort mit den Akademien, … Die Natur ist unsere Lehrmeisterin. Farbe, Farbe, Farbe.“

 

Sujet Natur

 

Der impressionistische Einfluss aus Frankreich, namentlich durch die Schule von Barbizon (mehr), der viele Malerzirkel erfasst, ist auch für Otto Modersohn wegweisend. 1889 sind es Modersohn und seine Kommilitonen Fritz Mackensen und Hans am Ende, die in dem abgelegenen niedersächsischen Moordorf Worpswede die berühmte Künstlervereinigung und Malerkolonie gründen. Ihr Beweggrund ist der gar nicht so stille Protest gegen das hergebrachte Akademiewesen. In der Tradition der französischen Plein-Air-Malerei verarbeitet Modersohn hier in seiner ersten großen Schaffensphase die herbe und offene norddeutsche Landschaft in unkonventionellen, stimmungsvollen Bildern: farbenreich, leicht und lichtdurchtränkt. „Das intensive Erfassen der Natur ist wunderbar“, schreibt er im April 1893. Und einen Monat später fast euphorisch: „Es ist eine Wonne hier zu leben.“

 

Künstlerischer Durchbruch

 

Modersohn verschreibt sich vollends der Natur, in der er das „Echte“ zu finden sucht, das Nahe, das Einfache. Er verzeichnet, wie auch andere Künstlerkollegen der Malerkolonie, große Ausstellungserfolge. 1895 stellt er Arbeiten in der Bremer Kunsthalle aus und verkauft Werke an den dortigen Kunstverein. Im selben Jahr ist die Worpsweder Gruppe in München auf der „Jahres-Ausstellung von Kunstwerken aller Nationen im Königl. Glaspalaste“ vertreten. Es ist ein Durchbruch: Die Bilder werden zur Sensation der Schau, ihre Maler schlagartig weithin berühmt. Die Neue Pinakothek erwirbt Modersohns Gemälde „Sturm im Moor“ und in der Folge kann er weitere Werke verkaufen. Doch nur wenige Jahre später,1899, tritt Otto Modersohn aus der heimischen Maler-Vereinigung aus, da er die künstlerische Auffassung seiner Freunde nicht mehr zu teilen vermag.

   Otto Modersohns stilistisch eigenwillige Arbeiten sind bereits ein Inbegriff für die Malerei der Worpsweder Künstlerriege, deren produktivster Vertreter er ist. Seine Kunst besticht durch das Schemenhafte, das Einsame, das Nebelverhangene seiner Landschaften. Menschen sind in seinen Gemälden eher selten; sie finden sich schemenhaft als Randfiguren.

   Es ist eine Malerei, die auf Effekthascherei verzichtet. 1926 vermerkt er in seinem Tagebuch: „Im Unscheinbaren, Schlichten das Schöne, Tiefe, Reiche sehen, nicht im Effekt. Auch Paula war so fast immer, in ihren schönsten Sachen.“

 

Paula Modersohn-Becker

 

Paula, das ist die hochbegabte und junge Malerin Paula Becker (1876-1907) aus Dresden, eine ausgebildete Lehrerin, die nach Worpswede gekommen war, um bei Mackensen zu lernen. Die junge Dame war Otto Modersohn bereits im Juli 1897 kurz begegnet und notierte: „Ich möchte ihn kennenlernen, diesen Modersohn.“ Nach dem Tode seiner ersten Frau Helene, die 1900 an Tuberkulose verstorben war, heiratet Otto Modersohn ein Jahr später die 25-jährige Paula Becker. Das Künstlerpaar verzichtet zunehmend auf die naturalistische Darstellung und entwickelt eine eigene Malweise, ohne feste Formen und farbliche Fixierungen, expressionistisch orientiert. Paula Modersohn-Becker, die 1907 an den Folgen der Entbindung ihrer Tochter Mathilde verstirbt, sollte später ihren berühmten Ehemann und Worpswede-Mitbegründer mit ihrem unverwechselbaren Stil an Berühmtheit weit übertreffen. Sie gilt heute als eine der bedeutendsten Vertreterinnen des frühen Expressionismus.

   Der frühe und plötzliche Tod seiner Frau veranlasst den Maler, die Kolonie Worpswede zu verlassen. Modersohn zieht 1908 in das abgeschiedene Fischerhude, einen bäuerlichen Nachbarort, von dem er selbst sagte, er liege „in der traurigsten Gegend der Welt“. Hier arbeitet und lebt Otto Modersohn, bereits hinreichend gefragt als Maler. Er heiratet seine dritte Frau, die Opernsängerin und Malerin Louise Breling, mit der er zwei Söhne hat. Modersohn stirbt 78-jährig, auf einem Auge in den letzten sieben Lebensjahren erblindet, 1943 in Rotenburg an der Wümme. Sein künstlerisches Lebenswerk umfasst geschätzt 6000 Gemälde.

K2M

 

Parallel zur Ausstellung zeigt das Museum ein Dutzend Werke von Paula Modersohn-Becker. Das Künstlerehepaar hatte den Hagener Mäzen und Kunstsammler Karl Ernst Osthaus gemeinsam mit dem Worpswede-Maler Heinrich Vogeler auf einer 3-tägigen Reise nach Westfalen im Jahr 1905 in Hagen kennen und schätzen gelernt. Auf Initiative von Otto Modersohn und Heinrich Vogeler fand 1913 posthum eine umfassende Ausstellung mit 77 Gemälden und Skizzen, 45 Zeichnungen sowie 9 Radierungen von Paula Modersohn-Becker in den Räumen des Museum Folkwang in Hagen statt.

 

Die Ausstellung „Otto Modersohn. Landschaften der Stille“ ist bis zum 21. April 2013 zu sehen.
Osthaus Museum Hagen
Museumsplatz 3
58095 Hagen
Tel. 02331 / 207 3138
Öffnungszeiten
DI, MI, FR 10.00 - 17.00 Uhr
DO 13.00 - 20.00 Uhr

SA + SO 11.00 - 18.00 Uhr


 

► Anm. d.Red.: Die Bilder wurden aus Copyrightgründen entfernt.

 

 

 

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