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rheinische ART 12/2014

Archiv 2014

BAROCKMALER
Genial!

 

Dass der Barockmaler Diego Velázquez aus Sevilla der Einflussreichste seiner Zunft im „Goldenen Jahrhundert“ Spaniens war – wer möchte das bezweifeln. Doch für viele Kunstkenner ist er mehr als das. Sie sehen in ihm den hervorragendsten Portraitmaler aller Zeiten.

 

Diego Velázquez Venus mit dem Spiegel (Rokeby Venus), 1648–1651, Öl auf Leinwand, 122,5 x 177 cm © London, The National Gallery

 

Einige heute weltberühmte Künstler wurden durch seine Gemälde und Kompositionen inspiriert, so Francisco de Goya, Pablo Picasso, Salvador Dali, Francis Bacon...

 

„... ich fürchte mich vor der Realität des Velázquez-Bildes, nachdem ich damit herumgespielt habe.“ (Francis Bacon)

 

Diego Velázquez Prinz Baltasar Carlos zu Pferd, 1635, Öl auf Leinwand, 209 x 173 cm, © Madrid, Museo del Prado

 

Berühmt sind Velázquez` Gemäldeserien, die Mitglieder der spanischen und habsburgischen Herrscherhäuser zeigen. Jetzt ist der so geniale wie brutal realistisch malende Iberer in einer Werkschau im Wiener Kunsthistorischen Museum (KHM) zu bewundern.

 

Stelldichein der Barockmeister Es ist die erste umfassende monografische Velázquez-Ausstellung im deutschsprachigen Raum. Und es ist eine weitere große Präsentation spanischer Barockmaler innerhalb zweier Jahre in Europa. Der stilistisch einzigartige El Greco, eigentlich ein ausgewanderter Grieche, war im Sommer 2012 im Museum Kunstpalast in Düsseldorf zu sehen (mehr). Das Brüsseler Bozar zeigte den Velázquez-Freund und „Kirchenmaler“ Francisco de Zurbarán Anfang 2014 in einer bemerkenswerten Retrospektive (mehr). Nun also eine Huldigung an den, der alle und alles in den Schatten stellte.

 

Künstler und Karrierist Der junge Diego Velázquez (1599-1660) sicherte sein Auskommen mit der Malerei von religiösen Themen und Szenen des andalusischen Alltags. Nichts besonderes also für jemanden, der von Kindesbeinen an als hochtalentiert galt. Eher auffällig war, dass es dem Jungkünstler an beruflichem Ehrgeiz, künstlerischer Besessenheit und gesellschaftlichem Aufstiegswillen in keiner Weise mangelte.

 

Diego Velázquez Infant Felipe Prospero, 1659, Öl auf Leinwand, 128 x 99 cm, © Wien, Kunsthistorisches Museum

 

Der direkte Zugang zum Königshofe Philipp IV. blieb ihm allerdings zunächst verwehrt. Erst mit Arbeiten für einen Minister machte er sich im Herrscherhaus einen Namen. Erstaunlich schnell stieg Velázquez aber dann zum bevorzugten Maler des Monarchen auf, der ein großer Förderer von Kunst und Dichtung war.

     Des Malers realistische, schnörkel- und schmeichellosen, kühl-eleganten, rätselhaften, jedoch nie verletzenden Darstellungen von Mitgliedern der königlichen Familie kamen an, vor allem jene, die in bezaubernder Weise den Nachwuchs in blauen, weißen, rosa- oder grün-silbernen höfischen Pracht-Kleidchen zeigten. Der Künstler beherrschte es vollkommen, die von Krankheiten und einer gesundheitlich bedenklichen Ehepolitik gezeichneten Habsburger in Würde so zu malen wie sie waren – nicht mehr und nicht weniger. Und er verstand es, dem Zeitgeist, der Verzicht hieß, gerecht zu werden. Denn Staat und Königshaus mussten nach Jahrzehnten der Prasserei sparen. Die Finanzlage war als Folge von Kriegen verheerend.

 

Velázquez-Werkstatt König Philipp IV. von Spanien (1605–1665), Velázquez – Werkstatt 1653–1656/59, Öl auf Leinwand, 47 x 37,5 cm © Wien, Kunsthistorisches Museum

 

Diego Velázquez Der Hofnarr Juan de Calabazas (Calabacillas), um 1638, Öl auf Leinwand, 106 x 83 cm © Madrid, Museo Nacional del Prado 

 

Granden und Gesinde Diego Rodríguez de Silva y Velázquez wurde bereits im Alter von 24 Jahren zum Hofmaler König Philipps IV. ernannt, da zählte sein Gönner gerade 18 Lenze. Ihn bildete er zigfach ab, zu Pferd, in Rüstung, im Jagdrock, im braun-silbernen Kostüm, ganz oder mal nur halb. Zwar gehörte die Produktion von offiziellen Portraits des Königs und seiner Familie zu den Hauptaufgaben jedes Hofkünstlers, doch Velázquez weitete dieses Metier - und das war ohne Vorbild und für Zeitgenossen befremdlich - auch auf das Gesinde des Alcázar von Madrid aus. So entstanden einzigartige Portraits von Hofnarren, Hofzwergen, Komödianten, geistig und körperlich Behinderten, die dem damals gepflegten höfischen „Naturspiel“ dienten. Nie waren es Karikaturen sondern stets feinfühlige Gemälde. Diego Velázquez entwickelte dabei, wie die Wiener Ausstellungsmacher betonen, „eine so moderne, psychologisch tiefgreifende Sicht, dass jedes der Portraits den Betrachter bis heute in seinen Bann zieht.“

 

„... die anderen Maler [...] scheinen gänzlich wie Fälscher. Er ist der Maler der Maler.“ (Eduard Manet)

 

Ritterstand Velázquez wurde in kleinere Hofämter berufen und übte ferner die Profession eines Kurators aus. Zielstrebig arbeitete er daran, für seine künstlerischen Leistungen eine nicht nur monetäre Dotierung zu erhalten, und dies bedeutete: Erhebung in den Ritterstand.
     Nur dadurch konnte er bewirken, dass sich die im Spanien jener Zeit als unedle Tätigkeit geltende Malerei aus den Zwängen des Handwerks befreite und ihrer Bedeutung entsprechend nobilitiert wurde. Velázquez` Karriere gipfelte in der Tat in der Aufnahme in den Ritterorden von Santiago, was den Eintritt in die gesellschaftliche Elite des Landes bedeutete. Künstlerisch manifestierte sich dieser Aufstieg in seinem berühmten und raffinierten Bild „Las Men­i­nas“ („Die Hof­fräu­lein“, 1656), das allerdings nicht in Wien zu sehen ist. Es zeigt den Künst­ler selbst an der Staf­fe­lei, auf der Brust das rote Santiagokreuz des Ritterordens, wie er die fünfjährige In­fan­tin Mar­ga­ri­ta por­trai­tiert. Sie ist um­ge­ben von na­men­ge­ben­den Hof­fräu­leins, die sie of­fen­sicht­lich für die Malerei her­rich­ten, einem Wächter, zwei Hofzwergen und einem Hund, im Hintergrund taucht gespiegelt das Herrscherpaar auf.

 

Infanten-Revue Die Wiener Schau präsentiert eine regelrechte Revue von Bildnissen der Infantinnen und Infanten, die überwiegend aus der eigenen Sammlung stammen. Es sind die Highlights der Ausstellung. Daneben werden Stillleben, religiöse Themen, Mythologien und Historien ausgestellt.

     Es ist eine außerordentlich üppige Präsentation. Denn mit 46 Werken ist in Wien etwa ein Drittel aller erhaltenen Velázquez-Gemälde versammelt, mehr als selbst der Madrider Prado zu bieten hat. Der ist übrigens Hauptleihgeber, weitere Exponate stammen von der Londoner National Gallery, dem Metropolitan Museum in New York, dem Boston Museum of Fine Arts und dem Art Institute in Chicago; hinzu kommen mehrere Privatsammlungen. Hauptwerke wie die „Venus mit dem Spiegel“ (Rokeby Venus), oft als schönster Rückenakt der Malerei gepriesen, „Apollo in der Schmiede des Vulkan“ oder die „Anbetung der Könige“ hängen zum ersten Mal in Wien an den Wänden des KHM.
K2M

 

Die Ausstellung „Velázquez“ ist bis zum 15. Februar 2015 geöffnet.
Kunsthistorisches Museum Wien
Burgring 5
1010 Wien
Tel. +43 1 525 24- 0

Öffnungszeiten
DI – SO 10 - 18 Uhr
DO 10 - 21 Uhr

 

 

 

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