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rheinische ART 06/2014

Archiv 2014

KUNST IM ÖFFENTLICHEN RAUM
Glück

 

Ihre Protagonisten sind Heilige. Es war ein ungewöhnlicher Auftrag, den die Düsseldorfer Künstlerin Elisabeth Brockmann nach Bayern brachte. Brockmann, bekannt für überraschende, großartige architekturbezogene Lichtinstallationen, setzte die Konterfeie von Heiligen in die Gassen, Fenster und Türme der Stadt Friedberg.

 

Elisabeth Brockmann, GLÜCK, Lichtinstallation für die Stadt Friedberg, (Schmiedgasse), © Foto: Alexander Vejnovic

 

Anlass dieses ungewöhnlichen Auftritts mit dem Titel Glück ist der 750. Geburtstag der Stadt in diesem Jahr. Nun kann man Jubiläen auf manigfache Weise feiern. Die Verantwortlichen in Friedberg suchten abseits der traditionellen Empfänge und Feierlichkeiten etwas Besonderes, etwas, das den Bürgern gehört und für alle, auch die Besucher, da ist. Etwas, das nicht aufgesucht werden muss sondern begegnet, das strahlt, in und über die Stadt und vielleicht über die Stadtgrenze hinweg, und doch seinen Ursprung im Lokalen hat und – möglicherweise - neugierig macht auf Geschichte und Geschichten der Stadt.

 

Elisabeth Brockmann, GLÜCK, Lichtinstallation für die Stadt Friedberg, (Mädchenschule), ©Foto: Alexander Vejnovic

 

Elisabeth Brockmann, GLÜCK, Lichtinstallation für die Stadt Friedberg, (Vereinsheim), © Foto: Alexander Vejnovic

 

Elisabeth Brockmann, GLÜCK, Lichtinstallation für die Stadt Friedberg, (Stadtarchiv), © Foto: Alexander Vejnovic

„Zeigen Sie mir alles.“ Kontaktiert wurde Elisabeth Brockmann 2012 von Alice Arnold-Becker, Direktorin im Friedberger Museum. Die Künstlerin folgte, wenn auch eher skeptisch, der Einladung zu einem Besuch der Gemeinde. „Kunst für '750 Jahre Friedberg' - ich war nicht sicher, ob mir in diesem Kontext überhaupt etwas einfällt … und fuhr trotzdem hin. Trübes Winterwetter, abends kaum Menschen in den engen Gassen, und eine Gastwirtschaft, die 'Köpfhäusl' hiess – der Ort schien gewöhnungsbedürftig“, erinnert sich die ehemalige Richter-Schülerin, die bis dato mit Bayern wenig zu tun hatte. Das änderte sich, als sie sich auf die Stadt einließ.
     Sie ließ sich alles Erwähnenswerte zeigen, beobachtete, wo und wie sie wohnte, sprach mit den Menschen im Hotel und auf der Straße, bemerkte den Tagesablauf in der Gemeinde, den Lebensrhythmus, registrierte das momentan Wichtige, das grundsätzlich Bewegende – und fand das Sujet ihrer dann realisierten neunteiligen Installation im katholischen Impetus der Stadt.

 

Gesichter „Bei Gesprächen mit den Friedberger Bürgern fiel mir auf, dass sie fast alle von religiösem Gedankengut geprägt sind, aber auf eine so selbstverständliche Weise, dass ihnen die Skurrilität dieser christlichen Ikonographie gar nicht mehr auffällt (...) Deshalb war es verlockend, ihnen die Ikonen ihrer Religion so zu präsentieren, dass die ihre Selbstverständlichkeit verlieren.“
     Mit ausschlaggebend hierfür, so Brockmann weiter, war ein Besuch im Museumsdepot. Dort fand sie kleine bemalte Figuren, Schnitzereien von unbekannten Künstlern, die ihre Motive wurden. „Marode Heiligenfiguren mit abplatzender Farbe und aufgesprungenem Holz, in ihrer groben Bemalung befremdlich und zugleich ergreifend. Da war eine verblüffende Menschlichkeit.“ Also fotografierte sie das „Ruherle“, die Jesus Christus auf Golgatha zeigt, das Kreuz haltend sich von der Last kurz ausruhend, oder die Heilige Afra, der Erzählung nach eine Prostituierte aus Konstantinopel. Es sind ausdrucksstarke Gesichter, denen Leid, Pein und Trauer ins Gesicht geschrieben wurden und deren berührende Gesten davon erzählen. Bei Brockmann werden die Antlitze zu leuchtenden Elementen.

 

Elisabeth Brockmann, GLÜCK, Lichtinstallation für die Stadt Friedberg, (Bahnhof), © Foto: Alexander Vejnovic

 

Historische Ikonen „An Orten des städtischen Alltags tauchen in Glück historische Ikonen der Stadt auf (...) Wie Erscheinungen leuchten sie Tag und Nacht im Gemäuer von Kirche, Schloss und Rathaus, Bahnhof oder Straßen-Passage und lassen ihre verblüffend lebendigen Blicke auf den Zeitgenossen ruhen“, schreibt die Stadt über die Installation. „Neues habe ich nicht erfunden“, meint die Künstlerin dazu. „Ich habe die Perspektive geändert.“
     „Diese Kunst muss wie ein Monolit stehen und wirken. Wenn Sie ein neues Motiv wünschen, habe ich was falsch gemacht“, sagt Brockmann über ihre Kunst. Doch warum der Titel „Glück“ für Friedberg angesichts so viel Pein? „Sprache und Bild beleben sich gegenseitig“, erläutert sie. „Es hat etwas mit dem Inhalt zu tun, konterkariert diesen - oder auch nicht.“

 

 Elisabeth Brockmann realisiert ihre Kunst mit Hilfe großformatiger Leuchtkästen, die passgenau in die von der Architektur vorgegebenen Gemäuer eingelassen werden. In ihrem Friedberg-Projekt sind die Bilder zwischen 1,5 und neun Quadratmetern groß. Es sind immer leuchtende Elemente, mit denen sie ihre Kunst in Szene setzt. So geschehen bei der Museumsfassade bei „Keep In View“ im Albertinum in Dresden 2002, „Mann im Bad“ in der Olympischen Schwimmhalle München 2003 oder „Neuland“ und „Triptychon für Duisburg“ (mehr) 2012 in Duisburg.
Irmgard Ruhs-Woitschützke

 

Mehr unter www.elisabeth-brockmann.de

 

 

 

 

 


  

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