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rheinische ART 10/2013

Archiv 2014

DIE ANDEREN AMERIKANER 

Jenseits von Warhol

 

Das Aachener Ludwig Forum für Internationale Kunst zeigt aus eigenen Beständen ungewöhnliche Arbeiten heute berühmter amerikanischer Künstler wie auch Werke von Personen, die nicht im Scheinwerferlicht ihrer Zeit standen, eben die „anderen Amerikaner“. Zu sehen sind Exponate aus den 1970er und 1980er Jahren. Der Rückblick sorgt für die eine oder andere Neuentdeckung.

 

Nowell Lesbitt, Cape Kennedy 1969, Foto Carl Brunn

  

Im amerikanischen Kunstbetrieb gab es in den letzten Jahrzehnten stets viel Raum für neue Ideen und experimentelle, ausdrucksstarke Bildgestaltungen. Ob Pop-Art, abstrakter Expressionismus, Fotorealismus oder Arbeiten aus Medienmix: Vieles stieß zwar auf Ablehnung oder Unverständnis, anderes wiederum katapultierte us-amerikanische Künstler in ungeahnte Popularität

   Bereits Ende der 1960er Jahre hatte das Ehepaar Peter und Irene Ludwig begonnen, gezielt amerikanische Kunst zu sammeln, darunter bekannte Werke von Andy Warhol, Roy Lichtenstein und Duane Hanson, für die sie bereits 1968 eine Exposition in Aachen arrangierten. Daneben hatten die Mäzene aber stets einen Blick für Kunst abseits zeitgenössischer populärer Sichtweisen.
   Dahinter stand das Ziel der visionären Sammler, auch jenen Kreativen und ihren oft kühnen Kunst-Positionen öffentlichen Raum zu verschaffen, die im Schatten der großen Namen arbeiteten und sich den damals gängigen Einordnungen entzogen. Es war der Anspruch des Ehepaares Ludwig, so betont das Aachener Museum, die globale Kunstlandschaft umfassend zu vermessen und die Kunst ihrer Zeit komplex abzubilden.
   Daher kann die Ausstellung heute auch bisher wenig Gezeigtes und ungewöhnliche Arbeiten präsentieren, was zu neuen Sichtweisen auf die amerikanische Kunst und Gesellschaft führt. Die Werke wurden vor rund 30 Jahren von Künstlern wie Alan Cote, Crash, Ero, Joyce Kozloff, Lowell Nesbitt, Lady Pink oder Robert Rauschenberg erstanden. Rauschenbergs Collagearbeit „Plate“ (1979), die nach Museumsdirektorin Brigitte Franzen ein Geflecht formaler, ikonografischer und politischer Bereiche bildet, ist erstmals überhaupt öffentlich zu sehen. Franzen über die Gesamtschau: „Es sind … bislang kaum beachtete und doch hochinteressante Arbeiten der Sammlung, die in den Mittelpunkt gerückt werden: Positionen wenig bekannter US-Künstler, aber auch ungewöhnliche Werke namhafter Künstler und Street Art.“

   Parallel zur Ausstellung ist eine Auswahl amerikanischer Videoarbeiten aus den Beständen des Ludwig Forums kuratiert worden. Sie erlaubt einen Blick auf die Frühphase dieser Kunstgattung und ihre Pioniere. Gezeigt werden Arbeiten unter anderen von Peter Campus, Douglas Davis, Terry Fox, Keith Sonnier, Richard Serra und Nam June Paik. Interessant sind hier vor allem die Videocollagen des gebürtigen Koreaners und Fluxus-Vertreters Paik (1932-2006), dessen komplexe elektronische Arbeiten stark auf das Schaffen zahlreicher Künstlerkollegen wirkten. Das Medium Fernsehen, das sich seinerzeit bereits zu einem Massenphänomen entwickelt hatte, spiegelt sich in den gezeigten Paik-Werken „My Mix“ (1981), „Video Commune“ (1970) und „Global Groove“ von 1973, mit dem der Künstler das heute reale weltweite Channel-Zapping bereits visionär vorwegnahm.

K2M

 

Zu sehen ist die Ausstellung „Die anderen Amerikaner“ bis zum 28. Februar 2014.

Ludwig Forum für Internationale Kunst
Jülicher Str. 97-109
52070 Aachen
Tel. 0241 / 1807-104
Öffnungszeiten:
DI, Mi, FR 12 -18 Uhr
DO 12 - 20 Uhr
SA, SO 11 - 18 Uhr

 

 

 

©Foto Ludwig Forum Aachen

 

 

 

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