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rheinische ART 01/2021

Archiv 2020

HOKUSAI
Japans Seele entdecken


Illustrierte Biografien sind eine überaus populäre Buchform. Eine großartige Graphic Novel widmet sich dem Leben des legendären japanischen Malers Katsushika Hokusai.

 

Katsushika Hokusai Große Woge an der Küste von Kanagawa. Aus der Serie: 36 Ansichten des Fuji-Berges, Farbholzschnitt, 24,5 x 37,0 cm, Japan, 1830, Bildquelle Museum für Ostasiatische Kunst Köln, R 78,3. Foto © RBA

 

Was ist das Besondere an diesem Band aus dem Schweizer Midas Verlag? Es wird nicht nur das Leben dieses großen Künstlers Japans nacherzählt, sondern Text und Illustrationen widmen sich gleichzeitig der japanischen Kultur und Tradition und verflechten damit raffiniert den Künstler und sein Land.

 

Cover Foto © Midas Verlag Zürich 2020

 

Der junge Hokusai schnitzt Texte und Zeichnungen in kleine Holztafeln. Erste Ansätze für die künftigen „Bilder der fließenden Welt“ (Ukiyo-e). Szene aus: G. Latanza, F. Matteuzzi „Hokusai“. Midas Verlag Zürich 2020 S.17 Foto © Midas Verlag Zürich

 

Wer war Hokusai? So wird zum Auftakt der Bildgeschichte gefragt. Und weiter: Wie hat dieser Mann es geschafft, das Symbol schlechthin für die japanische Kunst zu werden?
     Die Story beginnt in Edo, dem späteren Tokio, der damals größten Stadt Japans und eine der größten der Welt.

     Katsushika Hokusai (1760–1849), ebendort geboren, gilt als einer der Urväter der grafischen Kunst, ein Großmeister des Farbholzschnitts, dessen Bild „Die große Welle“ weltberühmt ist. Der Künstler ist heute die Verkörperung Japans, seiner Werte und Brauchtümer (mehr).


Ein Blick auf Hokusais Kunst zeigt, um welch großartiges Kulturgut es sich hier handelt. Farbigkeit, Ornamentik und Perspektivik seiner Farbholzschnitte lieferten Impulse für zahlreiche westliche Künstler der Prämoderne. Vincent van Gogh, Paul Gauguin, Claude Monet oder Pierre-Auguste Renoir wurden von Hokusai inspiriert. Renoir äußerte nach ersten Anschauungen der Hokusai-Werke, es wäre, als würde man eine neue, unbekannte Welt betrachten.

     Vom Japonismus allgemein (mehr) wurde ferner der Jugendstil mit Egon Schiele und Gustav Klimt beeinflusst. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) betonte mit Blick auf Hokusai einmal, dass „Impressionismus, Art Nouveau und Expressionismus … ohne ihn nicht denkbar“ wären. Und selbst das Bauhaus habe „die geometrische Abstraktion aus Hokusais Lehrbüchern der Zeichenkunst gelernt.“

     Die Bildsprache des Künstlers Hokusai war die des Ukiyo-e, der „Bilder der fließenden Welt“ (mehr). Sie spiegelte das Lebensgefühl des aufstrebenden Bürgertums und breiter Bevölkerungsschichten in den Großstädten des Inselstaates und war als eine Art Volkskunst in Japan lange Zeit eine wenig geschätzte Kunstform da ohne besonderen ästhetischen Wert.

 

Der Buddha ist eines der Hauptmotive der japanischen Kunst. Hokusai, ein Meister im Kleinen wie im Großen, schuf ein Porträt von etwa 200 Quadratmeter Größe. Szene aus: G. Latanza, F. Matteuzzi „Hokusai“. Midas Verlag Zürich 2020 S.56 und 57 Foto © Midas Verlag Zürich


Dies lag an der schnellen und leichten Vervielfältigung der Farbholzschnitte, die trotz ihres hohen Niveaus der Verfeinerung nicht mit den großen kulturellen Errungenschaften der zen-geprägten Sumi-e (Tuschemalerei), den aristokratischen Künsten des Yamato-e (frühe, meist höfische Darstellungen), dem Nō-Theater oder gar der Teezeremonie verglichen wurden. 
     In Europa hingegen galten die Holzschnitte und damit die Kunst von Hokusai als ein Hebel, mit dem sich das westliche Auge langsam an die fremde, aber auch faszinierend schöne Kunst des japanischen Kaiserreiches zu gewöhnen verstand.

 

Mit der Entwicklung seines eigenen Zeichenstils wechselte der Künstler seinen Namen. Aus Sori II wurde Hokusai. Szene aus: G. Latanza, F. Matteuzzi „Hokusai“. Midas Verlag Zürich 2020 S.49 Foto © Midas Verlag Zürich

 

Seit den Impressionisten besaß Hokusais Kunst gewaltigen Einfluss auf die Wahrnehmung von innerer Kraft, aber auch von Ruhe und Harmonie.
     Der leidenschaftliche und hochproduktive Maler lebte facettenreich mit vielen privaten Rückschlägen und Tragödien, wie die Graphic Novel erkennen lässt.
     Der Künstler wechselte häufig Kunstschule, Lehrer und mehr als 30 Mal auch seinen Namen, was aber nicht ungewöhnlich war. Er reiste viel und wohnte an fast 100 verschiedenen Orten. Rund 30.000 Werke werden ihm zugerechnet, darunter Gemälde, Skizzen, Holzschnitte, Seidenmalereien und rund 500 illustrierte Bücher.
K2M

 

Nur kurze Zeit nach der erzwungenen Öffnung Japans im Jahre 1853 gelangten Arbeiten in der japanischen Holzschnitttechnik nach Europa. Eine Anekdote besagt, dass es sich dabei um misslungene Ukiyo-e-Drucke handelte, die als Verpackungspapier für Handelsgüter dienten. Der Pariser Künstler und Porzellanmaler Félix Bracquemond gilt als einer der ersten, der diese Kunst für sich entdeckte.

 

► In Köln waren es die Museumsgründer und Sammler Adolf und Frieda Fischer, die sich zwischen 1895 und 1912 gezielt um den Erwerb japanischer Farbholzschnitte bemühten (mehr).


Literaturhinweis
G. Latanza / F. Matteuzzi Hokusai – Die Seele Japans entdecken. Eine illustrierte Biographie. 128 Seiten, Hardcover, Midas Verlag Zürich, ISBN 978-3-03876-172-3 (Midas Collection) Euro (D) 19.90 | Euro (A) 21 | CHF 28

 

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