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rheinische ART 11/2020

KUNST UND KIRCHE
Mit Mack durchs Kirchenjahr


Gibt es eine engere Verbindung als die zwischen Kunst und Kirche? Wohl kaum!

 

Gebäudefront des ehemaligen Collegium Marianum mit der Marienkapelle (auch Mack-Kapelle genannt) an der Preußenstraße in Neuss. Foto © rheinische ART

 

 

Mehr als 1000 Jahre war in Europa die Kirche die großzügigste Mäzenin der Kunst. Auch in jüngster Zeit wurden namhafte Maler und Bildhauer immer wieder mit Aufträgen für sakrale Werke betraut. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an im Rheinland beheimatete Künstler. Gerhard Richter schuf das längst berühmt gewordene Domfenster in Köln, der international renommierte Bildhauer Ulrich Rückriem den Altar im Mariendom zu Hildesheim.

     Ein weiterer bekannter Kreativer ist der Mönchengladbacher Heinz Mack (*1931). Für die in Neuss gelegene sogenannte Mack-Kapelle, eigentlich Marien-Kapelle, ist nun eine Schrift vorgelegt worden, die die von Mack für dieses Gotteshaus geschaffenen Kunstwerke in einen kirchlichen Jahresgang einbettet. 
 

Buchcover Foto © B. Kühlen Verlag 2020

 

Glasfenster im Eingangsbereich mit Motiven der Schöpfungsgeschichte. Foto © rheinische ART

 

Station 4 PASSION: I Kreuzwegstation: Jesus wird zum Tode verurteilt. Tafel aus goldglasierter Bronze, Motiv: leicht verschobenes kleines gleicharmiges griechisches Kreuz („crux imissia quadrata“) als Hohlform. Foto © rheinische ART

 

Über den Bildhauer, Lichtkünstler und ZERO-Mitbegründer Heinz Mack und die von ihm gestaltete Kapelle im ehemaligen Collegium Marianum muss nicht mehr viel geschrieben werden (mehr).
     Eine herausragende Besonderheit, so formuliert es Kurt-Peter Gertz als Verfasser der Publikation, bestehe darin, dass Mack in der Kapelle nicht nur einen zunächst „belanglosen Raum“ zu einem sakralen Ort von „höchster Qualität“ umgestaltete, sondern „auch alle Einzelobjekte geschaffen hat.“


Heute wird durchaus zu Recht davon gesprochen, dass diese Marienkapelle ein Gesamtkunstwerk mit einer einzigartigen Handschrift sei, wie es im Vorwort der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann hervorhebt. In dem Gebäude gewinne Mack’s Verständnis von Licht, Farbe und Schönheit einen vielfältigen und zusammenführenden Ausdruck.

 

Kurt-Peter Gertz bietet nunmehr einen ausgezeichnet bebilderten „Kunstführer“ der besonderen Art. Es ist ein Gang mit zwölf Stationen zu den in der Hauskapelle des ehemaligen Collegiums befindlichen, zumeist sakralen, Kunstwerken.

     Der Autor lenkt so den Blick über einen monatlichen Festtag auf ein entsprechendes Kunstwerk, das sich aus diesem neuen Blickwinkel in einem weit gespannten Verständnishorizont erschließt und sowohl den theologischen Hintergrund als auch die Intention des Künstlers berührt.


Ohne allerdings den Künstler kirchlich zu vereinnahmen, gelingt es, Verbindungen von Kunst und Theologie herauszuarbeiten und Gemeinsames darzustellen. Sowohl dem Leser, dem Zuhörer oder auch dem Kapellenbesucher bietet sich damit die Chance, über zentrale Glaubensinhalte „die eigenständige künstlerische Gestaltwerdung in den Blick zu nehmen.“

     Station 4 (PASSION) etwa widmet sich den 15 hochformatigen Kreuzweg-Tafeln des Künstlers, die von ihm 2011 fertiggestellt wurden. Auf allen taucht die Kreuzform in unterschiedlichen Varianten auf, als Relief, Hohlform, einzeln oder mehrfach.

     „Frei von tradierten Szenen“ und konzentriert auf das Wesen des gebotenen Themas meditiere der Künstler hier in seiner eigenen Sprache in seinem Zyklus über das Kreuz-Zeichen, führt der Verfasser aus.
     Die in die Broschüre eingebrachten Texte stammen aus Predigten, Meditationen und geistlichen Impulsen und engen den Blick des Betrachters nicht auf eine bestimmte Sichtweise ein, sondern „helfen durch die vielseitigen Informationen…, eigene Zugänge zu diesem Gesamtkunstwerk zu finden.“
ruwoi


Literaturhinweis:
Kurt-Peter Gertz: Mit MACK
 durchs Kirchenjahr, 96 Seiten, Einband-Hardcover mit Fadenheftung, B. Kühlen Verlag Mönchengladbach 2020,
ISBN 978-3-87448-519-7,
Preis 14,90 EUR

 

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